„Un(e) pour tous, tous pour un(e)“: Drei Weinbeeren & drei Musketiere

 

, parbleu! Der blutjunge Junker d’Artagnan kehrt seiner Heimat den Rücken, um in Paris sein Glück als Musketier des Königs zu machen.

Auf einem abgehalfterten Klepper reitet dieser Gascogner Don Quichotte in der Hauptstadt der Galanterie ein, und hastdunichtgesehen beginnt das große Abenteuer.

Das edle, gelbe Pferdchen, ääähm, der abgehalfterte Klepper… *klick*

Gemeinsam mit seinen neuen Freunden – dem schwermütigen Athos, dem bramarbasierenden Porthos sowie dem feinsinnigen Aramis – findet sich unser Held mitten in den höfischen Zwistigkeiten und Machtkämpfen dieser Jahre wieder. Vor dem Hintergrund religiöser Kriege und der Auseinandersetzung Frankreichs mit dem Erzrivalen England verfolgen die Lager des Königs Louis XIII., seiner Königin und des sinistren Kardinals Richelieu ihre jeweiligen Absichten und schrecken dabei vor keiner mit einem Lächeln vorgetragenen Gemeinheit zurück.

In der Folge entspinnt sich ein klassisches Mantel- und Degendrama, mit famos durchchoreographierten Gefechten bis aufs Blut, gemeingefährlichen Intrigen, herzerweichender Romantik, ehrpusseliger Ritterlichkeit, internationalen Verstimmungen und verräterischen Lilientattoos. Wer hier gegen wen und vor allem für was kämpft, ist nicht durchgängig plausibel oder gar nachvollziehbar, was dem Lesevergnügen allerdings kaum einen Abbruch tut. Hauptsache alle für einen und einer für alle.

Am Ende ist es – wie bei derlei Gelegenheiten üblich – die Figur der femme fatale, durch deren bittersüßen Augenaufschlag die Dinge eine hochdramatische Zuspitzung nehmen. Den Weinbeeren bleibt fast das Herz stehen, der nachfolgende Trialog diente mittels akademisch-wissenschaftlicher Domestizierung des Gelesenen denn auch in erster Linie dem Rückfahren der kollektiven Schnappatmung.

 

Diander: So, Freunde der gepflegten Klassiker, was darf`s denn heute zu trinken sein? Ein feines Anjouweinchen, Champagner oder Burgunder? Oder lieber ’nen Spanier?

Anchesa: Burgunder natürlich, denn den bevorzugen ja auch unsere heutigen Helden.

Diander: Die trinken doch alles, was nicht bei drei unterm Tisch ist. Burgunder? Burgunder, très bien.

doimlinque: Seid Ihr fertig mit Eurem Rumgeschäker? Dann können wir vielleicht in medias res gehen, ich trinke nämlich nur Wasser. Erst die Mädchenfrage: Wie war’s?

Anchesa: Schön und seltsam zugleich. Ich liebe den Stoff. Die Geschichte der Musketiere ist immer spannend. Jedes Mal, wenn ich sie lese, lese ich andere Sachen heraus. Andere Figuren werden interessant und treten in den Vordergrund. Diesmal habe ich es von drei Seiten her probiert. Die Geschichte als Buch, als Graphic Novel und natürlich in Bild.

doimlinque: Das klingt, als würdest Du den Text so 5-6 Mal im Jahr lesen. Reschpekt. Aber bei mir war es eigentlich ähnlich, denn ich habe das Buch ja nun auch immerhin zwei Mal in einem halben Jahr gelesen, und beim zweiten war die Lektüre ganz anders als beim ersten Mal. Im Sommer fand ich das Buch eher fade, zu lang und ohne Figuren, deren Leben mich etwas anginge. Das war dieses Mal doch deutlich differenzierter.

Diander: Mir ging es ähnlich wie Dir, doimlinque. Ich habe es an den Anmerkungen im Buch gemerkt, beim ersten Lesen habe ich ganz andere Stellen markiert, als ich dies beim zweiten Mal gemacht habe oder hätte. Bei einigen Markierungen vom ersten Mal habe ich mich jetzt gefragt, was daran bemerkenswert gewesen sein soll.

doimlinque: Das wiederum könnte womöglich Dein own personal Alzheimerproblem sein. Aber wir sind uns also eigentlich einig. Schön.

Anchesa: Habt ihr in der Story eine Lieblingsfigur, die am interessantesten für Euch ist?

doimlinque: Yep. Und mich wundert ehrlich gesagt, dass Dir die Musketiere so am Herzen liegen, die finde ich – jeden auf seine Weise – eher banal. Die einzige Figur, die wirklich spannend ist, ist Milady. Mit Abstrichen auch der Kardinal. Das sind runde Charaktere, nicht so holzschnittartige Typen.

Diander: Ach, na ja, spannend sind sie wohl, weil sie halt in ihrem Intrigantentum so ausgefeilt dargestellt werden. Eines/r jeden SchauspielerInnen Traum, als so ausgemacht fiese Typen daher zu kommen. Ich verstehe, was Du meinst, sie sind wirklich interessante Gestalten, ich finde aber auch die Musketiere schon auch in ihrer „guten“ Rolle differenziert. Jeder auf seine Weise, der gutmütige, eitle Porthos, der kecke d`Artagnan, der stille, edle Athos und Aramis, der schmachtende Theologe. Schon nicht schlecht gewählt in den Charakteren.

Musketier mal vier… *klick*

doimlinque: Ja, eben! Das sind eher Typen, die mit ein, zwei Adjektiven beschrieben sind. Ziemlich eindimensional.

Anchesa: Eindimensional? Hmmm, mal sehen. Athos sehe ich als sehr schweigsam, lacht niemals laut, treuer Freund, immer ehrlich, ohne Floskeln, meist emotionslos, edel, innere Größe…

doimlinque: Langweilig!

Anchesa: Für Dich vielleicht, warum muss jede Figur für Dich einen „runden Charakter“ haben? Gerade durch die Unterschiede und Ecken und Kanten ist ein Mensch doch interessant.

Diander: Kinder, nicht streiten. Darauf einen Schluck!

Die Weinbeeren erheben die Gläser, cheerio!

Diander: Nein, doimlinque hat nicht ganz Unrecht, es ist natürlich ein Kniff von Dumas (oder auch der Geschichte), dass er den Haudegen, die natürlich ihre Eigenheiten haben, mindestens zwei Leutchen gegenüber stellt, die weniger durch körperliche Fähigkeiten, sondern durch intellektuelle Brillanz glänzen. Auch wenn die Brillanz natürlich als das Böse daherkommt. Das ist schon spannend, ein bisschen mehr als das Ratpack des Absolutismus, die Kloppejungs.

Anchesa: Klar hat die Figur des Kardinals auch was Spannendes. Nur fand ich Eure Aufzählung vorher etwas einschränkend, deshalb….

doimlinque: Also, zum einen meine ich „rund“ im Sinne von „die Erde ist eine Kugel und keine Scheibe“, d.h. eben nicht flach. Und dann finde ich wiederum interessant, dass Du gerade Athos als Helden auswählst, den ich mit Abstand am wenigsten gelungen finde. Bei den anderen drei Musketieren spielt der Erzähler selbst mit ihrer Typenhaftigkeit, indem er das immer ironisch bricht. Über Porthos kann man eigentlich nur lachen. Athos hingegen soll so würdevoll etc. daherkommen und auch der Erzähler verzieht da keine Miene, das ist einfach so…statisch.

Anchesa: Athos hat eine düstere Seite, vielleicht ist es ja das? Z.B. folgender Satz:

„Wann immer Ihr Wunden habt, versteckt sie gut! Schweigen ist die letzte Freude des Unglücklichen. Hütet Euch, niemals eine Spur Eures Herzens zu verraten, denn die Neugierigen weiden sich an unseren Tränen…!“

Athos ist unglücklich und zum Teil auch ins Depressive hin gezeichnet, denk ich. Und das macht ihn für mich interessant.

Einer für alle… *klick*

doimlinque: Tut mir leid, ich finde das eher unfreiwillig komisch, weil dieser pathetische Ton so gegen die Laufrichtung des ironischen Erzählers geht. Mich überzeugt es jedenfalls nicht wirklich.

Diander: Ich finde, er hat schon seine Berechtigung mit dieser Charakterisierung in der Geschichte, es ergibt sich ja zwangsläufig aus seiner Historie. Stichwort unglückliche Liebe und so, aber ich finde im Roman selber die anderen Figuren auch etwas pointierter. Weil sie natürlich etwas skurriler daherkommen. Mein Verdacht: Anchesa hat bei ihrem Athos-Bild die Verfilmungen im Hinterkopf, in denen Athos meist recht prominent besetzt ist. Ich persönlich mag im Buch den wankelmütigen Aramis oder den leicht lächerlichen Porthos lieber. Weil man über sie einfach schmunzeln kann.

doimlinque: Psssst: Auch im Film gewinnt Milady, zur Beweisführung bedarf es nur dreier Worte: Lana fucking Turner!

Diander: Baaah, das blondierte Gift.

Gnä` Frau *klick*

doimlinque: Auch ich werde eben älter. Mittlerweile erkenne ich nur noch die Platinblondinen auf der Mattscheibe. Nebenbei: Ich bin sogar mal durch Wallace, Idaho gefahren, ohne allerdings zu wissen, dass sie dort geboren worden ist.

Diander: Ach komm, hör auf: Du am Geburtsort von Lana Turner? Wie geil ist das denn?

doimlinque: Nicht wahr?

Anchesa: Und da bist nicht gleich noch mal hin, als Du wusstest, was Du Dir da hast entgehen lassen?

doimlinque: Inzwischen lagen wieder ein Ozean und ein halber Kontinent zwischen mir und Lanas Wiege.

Anchesa: Das Leben ist halt grausam.

Diander: Aber ein Trost bleibt, sie wäre immer noch nicht mehr unter den Lebenden gewesen, also wurscht.

Anchesa: Wie findet ihr denn die Graphic Novel?

Diander: Mir hat die gut gefallen, aber ich mag die klassischen Dinger auch ganz generell.

doimlinque: Hmmm… Ich weiß nicht, so gut haben mir die Zeichnungen nicht gefallen und dafür finde ich dann wiederum den Plot nicht aufregend genug, als dass es das ausgleichen könnte. Geschmackssache.

Anchesa: So sehe ich das auch. Ich fand die Zeichnungen viel zu überzogen, zu sehr ins Lächerliche gezogen, die Figuren. Ehrlich gesagt, ich hab die Graphic Novel nach der Hälfte wieder weggelegt. Fand ich zwar schade, aber es war nicht auszuhalten.

doimlinque: Andere Frage, ähnliche Frage: Was habt Ihr denn für Buchausgaben?

Anchesa: Also ich hatte drei Ausgaben. Zum ersten eine aus der DDR-Zeit, von 1979. Dann eine vom Aufbau Taschenbuch Verlag 1995. Und eben die Novel.

Diander: Ich hatte nur eine Ausgabe, aber ich bin ja auch im Süden, wir haben hier ja nüscht. Meine ist eine relativ alte Übersetzung von Herbert Bräuning, hat schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Aber wenn Du zwei verschiedene Ausgaben zum Vergleich hattest: war da ein Unterschied, und wenn ja, welcher?

Anchesa: Also anfangs dachte ich, die DDR-Fassung sei anders, aber beim genaueren Hinsehen, es war nur das wesentlich angenehmere Schriftbild, dadurch las es sich leichter. Aber die Novel ist verkürzt, viele der Erläuterungen und der Gedankengänge etc. fehlen. Dadurch ist es – zumindest nach dem Lesen der anderen Ausgaben – schwer zu verdauen.

doimlinque: Naja, ist eben ein anderes Medium, mit anderen Stärken und Schwächen. Meine Buchausgabe ist sinnigerweise ein – inzwischen ganz abgegriffenes – englisches Taschenbuch, das ich mir mal in einem Robin-Hood-Touri-Shop in Nottingham gekauft habe. Vermutlich eines der ersten Bücher, die ich jemals selbst erstanden habe. (Zusammen mit Moby Dick, in etwa gleich größenwahnsinnig meinerseits.) Habe ich jahrelang nicht lesen können, weil mein Englisch dann doch noch etwas reifen musste. Und inzwischen habe ich festgestellt, dass die älteren englischen Fassungen, auf denen auch meine Ausgabe beruht, die erotisch pikanten Szenen gekonnt unter den Tisch fallen lassen. Das ganze Stelldichein von d’Artagnan und Milady ist eher so wie Ringelpiez mit Anfassen, und ich habe mich immer gefragt, was er ihr nun so Schlimmes angetan hat, dass sie ihm so böse ist – weil einfach nicht deutlich wird, dass er sozusagen zweimal unter jeweils falscher Flagge mit ihr schläft.

Diander: Gut, dass Du das ansprichst, das hat mich bei dem Buch übrigens überrascht und in meiner Ausgabe ist das wohl alles unzensiert drin: Mein lieber Herr Gesangsverein, für Mitte des 19. Jahrhunderts reichlich offen und frivol. Am meisten musste ich übrigens an der Stelle lachen, als der arme Kanzler beschrieben wurde, der wegen seiner stürmischen Jugend zum Abkühlen in ein Kloster gesteckt wurde:

„ Doch bei seinem Eintritt in den heiligen Ort hatte der arme Sünder das Tor nicht rasch genug schließen können, und so waren die Leidenschaften, vor denen er floh, mit hineingeschlüpft. Sie setzten ihm unablässig zu, und so empfahl der Prior, dem er sein Leid geklagt hatte und der ihm gerne helfen wollte, zur Beschwörung des Teufels jedesmal, wenn er ihn versuchte, zum Glockenstrang zu eilen und aus Leibeskräften zu läuten; dann erführen die Mönche sogleich, dass ein Bruder in Gefahr sei und die ganze Gemeinde könnte für ihn beten….

Aber wo der Teufel einmal Hausrecht genossen hat, da lässt er sich nicht so leicht wieder austreiben. Je stärker die Beschwörungen, desto heftiger wurden auch die Versuchungen, so dass die Glocke Tag und Nacht ertönte und immer wieder das heiße Verlangen des Büßers nach Abtötung des Fleisches kundtat. Die Mönche kamen nicht mehr zur Ruhe. Am Tage liefen sie unablässig treppauf, treppab zur Kapelle und wieder zurück, und nachts mussten sie, von den üblichen Pflichtgebeten ganz abgesehen, wohl zwanzigmal aus dem Bett springen und auf dem kalten Fußboden ihrer Zellen niederknien.“

Bei der Vorstellung hatte ich so ein Kopfkino von Charlie Chaplin oder Stan und Ollie im Schnelllaufen, Zeitraffer, Mönche, die Kutten geschürzt, sehr lustig.

Anchesa: Sooo ging es mir an dieser Stelle auch, ich hab den armen Kerl regelrecht am Glockenstrick hoch und runter hüpfen sehn… Und übrigens, weil Du vorher die Szenen zwischen Milady und d’Artagnan angesprochen hast, also ganz ehrlich, in manchen dieser Szenen war er doch echt ’n Ar… Vor allem auch gegenüber dem Mädchen. Ein Egoist vor dem Herrn.

doimlinque: Kein Einspruch. An der Stelle eingehakt finde ich auch seine Beziehung zu Constance, die immerhin die Handlung des gesamten zweiten Romanteils motiviert, so seltsam…oberflächlich. Sie haben sich zwei, dreimal gesehen – zack, ist sie seine große Liebe, gleichzeitig interessiert er sich dann doch nicht so richtig für sie, scheint mir.

Diander: Und entflammt zwischendrin auch noch irgendwie für die verbrecherische Milady, der Schuft. Aber nochmal zurück zum Film mit Lana the…. Ganz interessant ist ja auch, dass eigentlich im Buch gang und gäbe ist, dass verheiratete Leutchen mehr oder weniger offen ihre Liebschaften pflegen. So viel zu „gute alte Zeiten“. In der Verfilmung mit Lana hat man dann aus Constance in den prüden alten US-amerikanischen Zeiten die Nichte des alten Bonacieux gemacht, statt dessen Ehefrau, um dieser Liebschaft zwischen d`Artagnan und Constance den Anschein der kitschigen Romanze zu verleihen.

Miladys verräterisches Tattoo… *klick*

doimlinque: Ich finde an der Stelle vor allem interessant, dass die Musketiere gewissermaßen die Prostituierten sind, die sich von ihren Geliebten aushalten lassen.

Anchesa: Das fand ich echt auch bemerkenswert! Und was sagt ihr zu der Königin und ihrem englischen Buckingham?

doimlinque: Gerade in der Figur von Buckingham würde ich ganz stark vermuten, dass Dumas einen für seine eigene Zeit relevanten antimonarchistischen Ton in seinem Roman hat unterbringen wollen. Für die eigene Eitelkeit bricht der Duke mir nichts dir nichts einen Krieg vom Zaun, verhängt Handelssperren und so weiter. Bei mir heißt es da auf Englisch: „D’Artagnan marvelled at the fragile unseen threads on which the destinies of nations and the lives of men may sometimes be suspended.“ Finde ich spannend. (Auch, wie der französische König wegkommt, nämlich als langweiliger und gelangweilter Tumbling.)

Anchesa: Richtig, und die Königin riskiert für ein paar liebe Worte, bei einem oder zwei Treffen, ebenfalls einen Krieg. Heftig.

Diander: Ja, einerseits antimonarchistisch, aber auf der anderen Seite auch ein wenig antik, die alte Geschichte, dass um Frauen ganze Kriege entstehen. Buckingham geht es eigentlich um die Frau, und zettelt deswegen einen Krieg mit Frankreich an, fast wie bei good ol` Helena. Den Buckingham finde ich im Buch übrigens ein wenig blutleer dargestellt, als schmachtendes Männlein. Ob ihm das abzunehmen ist, bleibt unklar.

Anchesa: Ich glaub Buckingham auch die Liebe nicht, ich sehe es eher als ein aus der Langeweile der Oberen heraus begonnenes „Spiel“. Um zu sehen, wie weit er kommt…

doimlinque: So oder so gefällt mir das, wie Dumas da in dem damals relativ jungen Genre des Historienromans die vermeintlich große Geschichte runterbricht auf die Launen von ein paar verzogenen Adligen.

Diander: Das denke ich, ist auch die Faszination von Historienromanen. Ginge es rein um die gesicherten geschichtlichen Abläufe, wäre die Story stinkfad und keiner würde es lesen. Nur durch diese Verquickung von gesichertem Geschichtswissen mit ausgebauten persönlichen Storys wird das Ganze ein Kassenschlager, der ja wohl Dumas schon etliche Francs in die Taschen gespült hat. Zumal er wohl so clever war, das Ganze auch noch als Fortsetzungsroman in Zeitungen über viele Ausgaben zu verteilen und somit den Profit gegenüber einem einzelnen Buch zu vervielfachen.

Anchesa: Apropos, Dumas hat noch eine Fortsetzung geschrieben als Roman: „Zwanzig Jahre später“ – sollten wir uns da vielleicht im Januar 2036 treffen und das auch noch lesen?

Diander: Wenn man bedenkt, dass es eigentlich auch noch einen dritten Teil gibt, müssen wir vermutlich den Zeittakt verkürzen, sonst gibt es Probleme mit der durchschnittlichen Lebenserwartung…

doimlinque: Hauptsache, bis dahin vertrage ich wieder etwas mehr Alkohol.

Anchesa: Ich sag nur – ÜBEN, doimlinque!

Diander: Nee, lass mal, dann bleibt uns mehr vom Burgunder. Ach nee, doch nicht, komm ein Schluck geht!

Die Weinbeeren trinken Prosit mit Burgunder und der Rest des Abends bleibt ihr Geheimnis. Ziemlich sicher führen sie die Diskussion aber weiter unter weiter, wer mitbechern will, ist herzlich in den Kommentarbereich eingeladen.

Anchesa, Diander und doimlinque

 

Geringfügig mehr über die WeinbeerenAnchesa, Diander und doimlinque

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70 Gedanken zu „„Un(e) pour tous, tous pour un(e)“: Drei Weinbeeren & drei Musketiere

  1. dame.von.welt

    Juhu! Die Weinbeeren sind wieder da! Ich freu‘ mich sehr. Ganz doll. Immens.

    Leider kann ich über die Musketiere überhaupt gar nicht mitreden, weil ich im Buch zwei mal verhungert bin und die Verfilmungen entweder saublöd fand oder sie – Lana-fucking-Turner – zu lang her ist.

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    1. Diander Autor

      Liebe Dame, erst einmal noch ein offizielles „herzlich willkommen“ hier! Ach, qualifiziert mitreden ist doch hier gar nicht das Kriterium, wer macht denn hier sowas (incl. unsereiner)? Leichter Schabernack tuts auch.

      Die Verfilmungen sind tatsächlich manchmal grenzwertig, sie leben in diesem Fall oft von schönen Schauspielern. Die vielleicht mehr könnten als Säbelwirbeln und/oder die Haare schön haben. Dabei geht dann die eigentliche Ironie des Stoffes leicht verlustiert. Übrigens hatte ich aus der Verfilmung mit Lana Turner eher d`Artagnan in Erinnerung, den spielte damals Gene Kelly sehr leichtfüßig.

      Eigentlich ein bisschen zu alt für die Rolle, er war damals schon Ende 30, in neueren Fassungen besetzt man dies eher mit Jugendlichen, die spätestens nach dem Film nen Kreischfaktor erreichen.
      Grüßle, Diander

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        1. Diander Autor

          Apropos „potztausend“, das zu erwähnen ging abends im Burgunder unter: In meiner deutschen Übersetzung waren einige lustige Übersetzungen drin. „parbleu“ wurde beispielsweise mit „Kotzbombenelement“ wiedergegeben. Ein „potztausend“ oder „bei Gott“ hätte es nun auch getan. Und „l’épicier“ wurde statt schlicht mit „Krämer“ stattdessen mit „Spezereiwarenhändler“ übersetzt.

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          1. doimlinque

            Merke: Du hättest es also lieber banal anstelle von schnörkeligschön. „Kotzbombenelement“ ist doch grandios, für so etwas würde man in einer besseren Welt mit Übersetzungspreisen kotzbombardiert werden.

            Gruß, d.

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            1. Diander Autor

              Tatsächlich war ich völlig verdattert, als „Kotzbombenelement“ (man kann es nicht oft genug schreiben) erstmals auftauchte. Und habe dann in der französischen Ausgabe gesucht, wie um Himmels willen das französisch heißen mag. Auf das schlichte parbleu oder auch corbleu wäre ich nie gekommen, sondern war eigentlich auf einen anderen sensationellen Ausdruck gefasst.

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        1. Diander Autor

          Danke schön, ebenso noch ein gutes Neues!

          Hmmm, müssen? Wenn ich die Diskussionen hier kreuz und quer für mich Revue passiere, dann mal so formuliert: Die Protagonisten und die Geschichte an sich sind eigentlich auch nicht so ganz mein Fall. So wie man die Geschichte duster in Erinnerung hat, ist sie halt immer noch, der Plot voller Hauen, Stechen und Intrigen. Ein größeres Plus würde ich beim Humorfaktor vergeben, da sind doch sehr viele lesenswerte, skurrile Szenen und Ironisches dabei. Die ich von früher nicht mehr in Erinnerung hatte. Und auch sprachlich finde ich es durchaus ansprechend, sehr lebendig und überraschend kurzweilig.

          Wir haben uns jetzt innerhalb eines halben Jahres zweimal durch das Buch gelesen (ursprünglich wollten wir das hier letzten Frühsommer im Freitag machen, das klappte aber dann nicht mehr, aus Gründen…) und haben es nicht nur überlebt, sondern uns schon auch amüsiert (das glaube ich, für alle 3 sagen zu können). Insofern keine Reue. Generell finde ich es nicht unspannend, Bücher, die man ggf. vor vielen Jahren, in der Schule, Jugend o.ä. mal gelesen hat / lesen musste, mit zeitlichem Abstand und anderem Blick wieder in die Finger zu kriegen. Wenn ich es aber mit weiteren Klassikern vergleiche, dann ziehe ich andere vor. Also: ein drittes Mal werde ich es in näherer Zukunft nicht lesen. Kein Lieblingsbuch. Dafür ist auch mir der Stoff zu fern. Während ich vergleichsweise zu anderen der Kategorie „Unverwüstliche“, „sollte-man-einfach-gelesen-haben“ gerne immer mal wieder zwischendrin greife.

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    2. doimlinque

      Ach, dafür sind Online-Foren doch da, dass man kenntnisarm und meinungsstark einfach mal sagt, was Sache ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Jedenfalls habe ich das immer so gehalten.
      So oder so, ein merci für die Nachschusslorbeeren!

      Gruß, d.

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  2. Diander Autor

    Wer das Buch lesen will, kann dies auch online tun, z.B. auf deutsch

    Die drei Musketiere – Band I -> http://gutenberg.spiegel.de/dumasalt/musket-1/musket-1.xml
    Die drei Musketiere – Band II -> http://gutenberg.spiegel.de/dumasalt/musket-2/musket-2.xml

    Und französisch: Les Trois Mousquetaires -> https://fr.wikisource.org/wiki/Les_Trois_Mousquetaires

    Und englisch (wer`s mag ^^): The three Musketeers -> https://www.gutenberg.org/ebooks/1257

    Oder noch ausgefallener, niederländisch…De Drie Musketiers -> https://www.gutenberg.org/ebooks/40169

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  3. doimlinque

    Es ist vermutlich hanebüchen, einem Abenteuerroman so etwas vorzuwerfen, aber mir ist noch etwas eingefallen, das mir an den Musketieren tendenziell unsympathisch ist: Dieser unbedingte Wille, Abenteuer zu erleben. Was in deren Universum eben immer auf das Kreuzen von Säbeln hinausläuft. Dabei ist es dann auch nahezu vollkommen egal, unter welchen Vorzeichen man sich duelliert, denn Hand auf’s Herz, diese Königin-Buckingham-Affaire ist als Rechtfertigung für das folgende Hauen und Stechen mindestens zweifelhaft.
    Ich meine, da wird dann jemand mehr oder minder willkürlich abgestochen, weil er einen Überfahrtschein nach England in der Tasche hat. (Dass sich dieser jemand hinterher als eine Kreatur des Kardinals herausstellt, ist vom Autor freilich als ‚moralischer‘ Freibrief hinterhergeschoben. Genausogut hätte das aber auch Mutter Teresa hinter einer Maske sein können.)
    Da schwingt so eine komische Vorstellung von Männlichkeit mit, die mir einfach vollkommen fremd ist. So ein sich-austoben-müssen ohne Rücksicht auf Verluste, mit übergeordneten Pseudogründen und innerhalb eines fadenscheinigen Rahmens ritterlicher Ehre.
    Das macht mir insgesamt auch den Kardinal und Milady ein bisschen angenehmer. Die haben eben ihren Machiavelli gelesen und handeln entsprechend. Ist ethisch vielleicht nicht besser, aber doch irgendwie ehrlicher, mehr geradeaus. Oder so.

    Gruß, d.

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  4. Diander Autor

    Tatsächlich hat mich das beim Lesen auch abgestoßen, diese ewigen Keilereien. Da, nimm dies, ob Du Schurke bist oder wer auch immer. Eigenartigerweise stört es mich im Buch mehr als in Verfilmungen, weil es dort noch klarer wird, dass das ganze Streben der Jungs eine Ansammlung von Degengefechten ist, nur kurz unterbrochen von Saufgelagen. Sorry, aber da kann ich Milady und den Kardinal aber keineswegs ausnehmen. Beide betreiben ja auch dieses Kriegshandwerk, zumindest der Kardinal in La Rochelle und nicht vom Schreibtisch aus, ob Milady auch zur Waffe griff, erinnere ich gerade nicht. Als Auftraggeber der Metzeleien sind sie also nicht reinzuwaschen. Es paart sich ein seltsamer Hang zu Klopperei und Metzelei mit dem Auftrag, dies zu tun, und das befremdet allerdings.

    „Ist ethisch vielleicht nicht besser, aber doch irgendwie ehrlicher, mehr geradeaus. Oder so.“

    Wer ist ehrlicher, derjenige, der einen Mord in Auftrag gibt oder der gedungene Mörder? Das hat mit Ehrlichkeit wenig zu tun, im Süden würde man die Sorte Milady und Kardinal schlicht „hinterfotzig“ bezeichnen.

    Ich würde das Unbehagen so formulieren: Die Herren Musketiere und Co. sind tendenziell kopflose Draufgänger, während die Strippenzieher zumindest einen durchdachten Plan verfolgen.

    Einen lichten Moment dazu gab es, der etwas überraschend kam: Nachdem d`Artagnan den Grafen von Wardes niederstach,

    „…entrang sich ihm ein Seufzer über das seltsame Geschick, das die Menschen dazu bringt, sich gegenseitig im Dienste irgendwelcher Leute zu vernichten, die ihnen meist gänzlich unbekannt sind und die oft genug nicht einmal die geringste Ahnung von der Existenz ihrer opferwilligen Diener haben.“

    Grüßle, D.

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    1. doimlinque

      In den Filmen, zumindest in denen, die ich kenne, sind die Degenszenen am Ende des Tages das Ansehnlichste. (Gene Kelly ist nicht umsonst gecastet worden – ich finde, das hat häufig etwas von Musical- oder Ballettchoreographien und ist – meine ich ganz ernst – große Kunst.) Die restliche Handlung, die Dialoge und ganz besonders die Männlein-Weiblein-Passagen kommen mir bestenfalls banal vor, ziemlich oft auch zum Fremdschämen.
      Und dann: Ich finde es in der Tat einen Nanomilimeter ehrlicher, als Machtpolitiker meine jeweiligen Ziele rücksichtslos durchzusetzen, ohne ideologischen Überbau gewissermaßen, als wenn einer im Namen herbeifantasierter Ehrenrührigkeiten, die ganz offensichtlich nur als Vorwand für Äkschn dienen, links und rechts kein Gras mehr wachsen lässt. Das Lustigste dabei finde ich immer noch, dass die Herren Helden dann immer zu irgendwelchen Ischen schleichen, um sich für die nächste Queste ein wenig Taschengeld zu erbetteln. Wenn das nicht würstchenhaft ist, weiß ich es auch nicht.
      Was alles im Umkehrschluss freilich den Machtpolitiker nicht entschuldet, das hatte ich aber auch angefügt.
      Die Sache mit dem Soldatentum greift da meiner Meinung nach auch nur bis zu einem bestimmten Punkt, denn diese ganze Königin-Buckingham-Farce hat doch nicht wirklich etwas mit Befehle-ausüben zu tun. (Das ist anders als heutzutage, denn unsere Sicherheit muss wirklich und wahrhaftig am Hindukusch und demnächst auch an der Grenze zu Österreich verteidigt werden, das ist patriotische Pflicht.) Großes Fass: Auch Soldaten sind Mörder, zumal die hier ja alle freiwillig in den Dienst getreten sind, nämlich weil das Musketiersein Ruhm und Ehre verspricht. Den lichten Moment finde ich eher düster, denn es zeigt doch gerade, dass d’Artagnan genau weiß, was für einen Mumpitz er da macht.

      Gruß, d.

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      1. Diander Autor

        Die „Ehrlichkeit“ und das große Fass (bei dem wir mMn nicht groß auseinander sind, aber aus unterschiedlichen Perspektiven draufschauen) mal beiseite lassend: die Würstchenhaftigkeit in der Bettelei um einen neuen Umhang, ein edles Pferd bei irgendwelchen gelbgesichtigen fast-Witwen oder finanzstarken Geliebten sehe ich auch.

        In diesem Sinne (auch selbstkritisch) ein Stückchen auf Abstand guckend kann man das aber auch so sehen: warum erzeugt das ausgerechnet bei tollkühnen Recken so eine Reaktion? Es prostituieren sich quer durch die Historie alle möglichen Berufsgruppen, vornehmlich zwar Frauen in den patriarchalischen Systemen, aber nicht nur: Adlige (m/w) werden aus finanziellen und machtpolitischen Gründen meistbietend von der Familie verhökert, junge hübsche Näherinnen heiraten alte, vertrocknete Krämer (vermutlich mal nicht direkt wegen des Sexappeals), Musketierdiener werden von der Herrschaft verprügelt und finden diese trotzdem nicht ganz so schlecht, junge Zofen sind allerlei Demütigungen ausgesetzt, um das eigene Überleben zu finanzieren. Und ausgerechnet bei den großen, starken Jungs ist das alles plötzlich iiih-bääh-bääh? Sagt das nicht eher was über das große, ganze, Staatsmodell mit relativ wenigen sozialversicherungspflichtigen und/oder überhaupt entlohnten Berufsgruppen (z.B. Musketier in Beamtenlaufbahn mit amtsangemessener Alimentation, Berufs- und Schutzkleidung und Erschwerniszulagen, Zofe/Diener nach Tarifvertrag unter Einhaltung des AGG, König/in mit vom Parlament beschlossener Diät und Budget für politisch notwendige Bankette) aus? Wir haben uns in der Historie an fast alle Abhängigkeiten und Arbeitskraft- und Körperverkauf schulterzuckend oder auch schwer seufzend gewöhnt, aber doch nicht bei den breitschultrigen Säbelträgern.

        Und zu Gene Kelly: Ja, das finde ich auch grandios. Ich habe die Tage beim youtuben rund um den Trailer im Weiterzappen ein anderes Video von ihm ausgegraben, das in der damaligen Zeit als technisch eigentlich unmachbar galt, eine Tanzsequenz mit dem eigenen Spiegelbild. Enjoy…

        Grüßle, Diander

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        1. doimlinque

          Hahaha, ja, öhm, von wegen großes Fass und so. Gut, ich gebe mich geschlagen und sehne itzo die Weltrevolution noch dringlicher herbei. Vorher werde ich allerdings noch ein wenig anschaffen gehen müssen, fürchte ich.
          Der Clip ist obendrein famos, so viel Körperspannung kriege ich höchstens hin,wenn mir ein Traktor über den Fuß fährt. Mit am besten gefällt mir – kleiner Schlenker – das Bühnenbild. Dieses Studiodekor scheint mir irgendwie beseelter als die hundertste computerisierte neuseeländische Landschaft. So, damit wäre der Kulturpessimismus auch heute wieder abgehandelt.

          Gruß, d.

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        2. doimlinque

          Ich verkleinere das Fass noch einmal ein wenig, gell? Mir ist nämlich noch eine Passage eingefallen, wo mich die Selbstgerechtheit der Musketiere gewaltig gestört hat: Dieses Tribunal ganz am Schluss, in dem sie über Milady richten und sie ob ihrer ach so schrecklichen Verbrechen zum Tode verurteilen und hinrichten lassen. Fand ich wirklich schwer zu lesen, weil es so barbarisch ist. Ein ordentliches Gericht würde über die vom Zaun gebrochenen Duelle der Musketiere auch noch etwas zu sagen finden.

          Gruß, d.

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          1. Diander Autor

            Allerdings. Lynchjustiz erster Güte, gepaart mit einem gehörigen Schuss Blutrache. Mit so einer Nummer landest Du heutzutage im Hamburger Tatort oder als Schlagzeile in der Boulevardpresse. Alles schwer erträglich.
            Die Selbstgerechtigkeit nahm ja eigentlich schon früher ihren Lauf, als der edle Athos bei der Entdeckung der Brandmarke Miladys als Hinweis auf begangenen Diebstahl meinte, sich das Recht herausnehmen zu dürfen, der Tätowierung noch ein Aufhängen hinzuzufügen. Damit ist seine spätere Schwermut redlich erarbeitet und verdient, auch wenn er sie wohl eher ob der durchlittenen vermeintlichen Schmach, weniger durch eigene Schuld empfand.

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            1. doimlinque

              An der Stelle habe ich ohnehin gestutzt. Er entdeckt die Lilie auf der Schulter mehr oder weniger durch Zufall und nach einiger Zeit des Vermähltseins…? Ich meine, haben die ihre ehelichen Pflichten vernachlässigt, oder was? Oder immer nur im bekleideten Zustand und bei gelöschten Kerzen zueinander gefunden? Fragen über Fragen…

              Gruß, d.

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              1. Diander Autor

                Wahrscheinlich war im honeymoon mal wieder kein Geld für Kerzen da, weil der ganze Sold versoffen wurde oder für einen neuen, schicken Sattel draufging. Sowas kommt von sowas.

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  5. anchesa69

    Die Musketiere haben eben ihre Befehle zu befolgen, wie es heute auch der Fall ist zB bei Polizisten oder Soldaten. Natürlich nicht mehr mit dem Schwert in der Hand und in Duellen, aber eben auch Befehle befolgen ohne diese hinterfragen zu dürfen.
    „…entrang sich ihm ein Seufzer über das seltsame Geschick, das die Menschen dazu bringt, sich gegenseitig im Dienste irgendwelcher Leute zu vernichten, die ihnen meist gänzlich unbekannt sind und die oft genug nicht einmal die geringste Ahnung von der Existenz ihrer opferwilligen Diener haben.“
    Sicher – ein lichter Moment, der unseren Helden aber nicht davon abhielt, auch im Weiteren um sich zu Hauen und zu Stechen.
    Mir gehts da ähnlich wie Diander, im Buch fand ich es auch nervender als in den verschiedenen Verfilmungen. Wobei diese an sich ja noch untereinander sehr verschiedenen sind und irgendwie jeweils einen anderen Fokus haben.

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  6. Diander Autor

    Um mal wieder etwas Positives zu erwähnen, hier noch ein weiteres Beispiel für den angesprochenen Humor, die feine Ironie. Eine Stelle vom Anfang des Buches, als die häuslichen Umstände der Musketiere beschrieben werden. Am Beginn der Freundschaft und zum Einstand in die Lebensweise eines angehenden Musketiers wird d`Artagnan von den drei Freunden der Rat erteilt, ein angemessenes Leben zu führen. Athos empfiehlt ein gutes Essen, Aramis, sich eine passende Geliebte zu suchen und Porthos einen Diener. Letzterer hat sich auch gleich nach einem passenden Bediensteten umgesehen. Er fand einen Pikarden, den er auf einer Brücke beobachtet hatte, als

    „der gute Mann damit beschäftigt war, ins Wasser zu spucken und die Kreise zu beobachten. Porthos behauptete, eine solche Beschäftigung lasse auf ein kluges, besinnliches Wesen schließen, und so hatte er ihn ohne weitere Empfehlung mitgenommen“.

    Das ist doch mal ein Anstoß für Personalleiter für kommende Auswahlverfahren, ein Spaziergang in Richtung Brücke. Wer spuckt und guckt, hat den Job.

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  7. justrecently

    So, Freunde der gepflegten Klassiker, was darf`s denn heute zu trinken sein? Ein feines Anjouweinchen, Champagner oder Burgunder? Oder lieber ’nen Spanier?

    Buh. Ist das hier das literarische Trio oder Wolfram Siebeck?

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    1. Diander Autor

      Oh, hallo JR und ganz herzlich willkommen hier!

      „Buh. Ist das hier das literarische Trio oder Wolfram Siebeck?“

      Ach was, weder noch, es handelt sich bei den Weinbeeren um eine wilde Meute, die gemeinsam liest, was die jeweiligen Nachtkästchen gerade (fast zufällig) zeitgleich füllt, das in hauseigene Kritzeleien umsetzt und nebenbei ohne Mühe püttchert, was der Weinkeller oder Kühlschrank gerade so hergibt (Weinbeeren halt, mei…). Und die Auswahl der Weinsorten – ein plumpes Zitat der Trinkgewohnheiten der 3 anderen Halunken.

      Wer im Feuilleton der FAZ zugange ist, müsste sich dieses Benehmen vielleicht abgewöhnen, aber so…Bierchen gefällig?

      Grüßle, Diander

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      1. justrecently

        @Diander:
        Plumpes Zitat? Ich glaube mich an eine Hanuta-Werbung im ZDF zu erinnern: „Guten Tag, schöne junge Müllerin, ist schon ein Backblech fertig?“

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        1. doimlinque

          Same here. Trotzdem meine ich mich zu erinnern, dass der schon vor Jahren durch die Freundin von Jana Hensel ersetzt wurde. Wie dem auch sei…

          Gruß, d.

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        2. Diander Autor

          Wenn ich da mit ein wenig ergockeltem Wissen aushelfen darf: Der Herr hat mittlerweile einen eigenen Blog, wer das möchte, kann ihn also Kollege nennen.
          http://wo-isst-siebeck.de/
          Anmerkung für doimlinque: und er wohnt ansonsten wohl im bildschönen Duisburg, das mal in einem bildschönen Blog ein Wanderer durchschritt. Oder so.

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          1. doimlinque

            …steht es also doch so schlimm um ihn? Tscha, die alte Garde der ZEIT tritt ab. Dabei habe ich mich dort immer gut aufgehoben gefühlt, wenn ich zum Beispiel wissen wollte, wie ich meine Austern süßsauer an Eichelhäherflan am besten auf dem Teller präsentiere.

            Gruß, d.

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  8. oi2503

    Hallo ihr drei. Habe noch nicht gelesen, wollte euch nur ein SAUBER MÄDELS! (gilt auch für doim, Dr. doim, so viel Zeit muss sein) zuraunen. Ich hoffe, euch geht es prima. Ja, mir auch, danke für die Nachfrage. Bin jetzt in einer anständigen gemeinnützigen Orga gelandet. Bis später dann.
    Liebe Grüße, oi

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    1. Diander Autor

      Moinmoin Oi, oi wie schön, dass Du uns hier besuchst, herzlich willkommen. Gemeinnützig hört sich gut und edel an, damit biste auch hier genau richtig (also bei den Weinbeeren, nicht zwingend den Musketieren). Den weiter oben angekündigten Rotwein gibt es dann später, wenn Du Dich eingelesen hast.
      Liebe Grüße, Diander

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    2. doimlinque

      Peace, Digger. Gelesen habe ich den Kladderadatsch auch nicht, irgendwann muss auch mal gut sein. Es labert sich ohnehin viel besser ohne beklemmendes Hintergrundwissen.
      Soso, Du bist gelandet. Und hast auch Chancen auf baldige Entlassung, oder ist es was Ernstes…?

      Gruß, d.

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  9. anne m.

    Überzeugt! Und die Wintertage laden ein diesen „Klassiker“ zu lesen. Vielleicht habe ich auch Vorbehalte, weil ich „Matel und Degen Filme“ nie mochte (…)

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    1. Diander Autor

      Ui, da bin ich gespannt, ob sich unsere Resümees decken. Kriegen wir dann einen Bericht?
      Bei den Mantel- und Degenfilmen kann man sich ja einfach die Augen zukneifen, when it comes to Säbelrasseln und sich ansonsten wahlweise auf blondiertes Gift oder fesch geföhnte Jungs konzentrieren. Aber dann entgeht einem natürlich die Choreografie. Nein, im Ernst, ich verstehs, siehe oben.

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    2. doimlinque

      Hmmm… Ich glaube, ich würde am Ende des Tages eher abraten. Auch wenn mir die zweite Lektüre jetzt doch noch einmal ganz gut gefallen hat.
      Ja, die Ironie ist fein und Milady würde ich pomphaft tatsächlich als große Figur der sogenannten Weltliteratur einordnen. (Interessanterweise setzt die Ironie immer bei den beiden Figuren, die der Erzähler wirklich ernst nimmt – Milady und der Kardinal nämlich – beinahe vollkommen aus. So als wollte Dumas signalisieren ‚Vorsicht Leute, diese beiden sind der real deal und richtig böse‘. Stark sind hier vor allem die Kapitel gegen Ende, in denen Milady gefangengesetzt wird und sich nicht nur durch kalkuliertes Schauspielern befreien kann, sondern ihren Kerkermeister obendrein noch zum Mord an Buckingham anstiftet.)
      Trotzdem…Lesezeit ist endlich und gleichzeitig gibt es so vieles zu entdecken. Da muss man ziemlich rigoros Prioritäten setzen, finde ich. Und manchmal sind Buchbesprechungen auch viel spannender und aussagekräftiger als die eigentliche Lektüre. Was ganz bestimmt kein Eigenlob sein soll, dafür sind wir viel zu unambitioniert in unseren Trialogen.

      Gruß, d.

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    3. doimlinque

      …ach so, noch nachgeschoben: „Scaramouche“ finde ich ziemlich großartig, sowohl den Stummfilm aus den 20ern als auch das Remake mit Stewart Granger/Old Surehand.

      Gruß, d.

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      1. Diander Autor

        Ab und an eine solche gepflegte olle Filmkamelle an einem verregneten oder verschneiten Wochenende finde ich auch gar nicht so schlimm. Gibt Ärgeres. Geld für eine DVD würde ich aber nicht dafür in die Hand nehmen. Das habe ich neulich für einen anderen Film getan, „A Little Chaos“. Erwähnbar in diesem Zusammenhang, weil es u.a. um den Sohn von Königin Anna und Louis XIII geht, den auch nicht ganz unbekannten Louis XIV. Der letzte Film von und mit dem anbetungswürdigen Alan Rickman, über dessen unerwarteten Tod ich richtig traurig war. Ein Film aus der Mantel- und Degenzeit ganz ohne Mäntel und Degen, stattdessen über die Gartengestaltung von Versailles. Und die Gärtnerin und den Gärtner. Und vor allem das letzte Mal mit dieser grandiosen Stimme und Akzentuierung. Hach.

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        1. doimlinque

          Ich bin nicht sicher, ob ich überhaupt noch mal Geld für eine DVD in die Hand nehmen würde, aber das ist neither here nor there.
          Meine Liebe zu Alan Rickman ging wohl nicht gar so weit wie die Deine, angebetet hätte ich ihn in jedem Fall nicht. Hängt aber auch mit meiner Aversion gegen alles Harry-Potterige zusammen.
          Ein Film über die Gartengestaltung von Versailles, aha. Ich habe jetzt nur den Trailer gesehen und das auch nur mit ohne Ton, kann also nicht wirklich mitreden. Ich weiß nur, dass mich französische Barockgärten immer ein wenig frösteln lassen. Wäre ich ein bisschen mutiger, würde ich mit einer großen Heckenschere wilde Zickzackmuster in all die glattrasierten Stauden furchen und anschließend ein ‚Non a caso caos è l’anagramma di cosa o caso‘ auf den geharkten Hauptweg pinkeln. Dass Du’s weißt.
          Aber der Titel des Films ist immerhin vielversprechend.

          Gruß, d.

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          1. Diander Autor

            Genau darum geht’s, nämlich eine etwas unorthodoxe Gärtnerin, die zwar nicht die Röcke hebt, um den Kies zu befeuchten, aber schon mal die barocken Pläne über den Haufen schmeißt, Muscheln zu „caos“ verlegt und verfugt, Buchsbäumchen aus der wohlfeilen Ordnung in a little chaos bringt. Der Abstecher sollte nicht überstrapaziert werden, so gut ist abgesehen von Winslet und Rickman (die beiden dafür aber richtig) der Film auch wieder nicht. Ui, Rickman auf potterig zu reduzieren – bitter Unrecht. Tätst Du das eventuell zurücknehmen, die anderen Royal Shakespeare Company Members -ebenso nebenzu potterig – wäre Dir auf ewig zu Dank verpflichtet und würde Vergelt`s Gott deklamieren.

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            1. doimlinque

              (Gott, liebe Di, ist tot. Sorry, dass ich derjenige bin, der Dir das mitteilen muss – don’t kill the messenger. Dachte im Übrigen, das hätte sich rumgesprochen.)
              Ad eins: Ich reduziere doch überhaupt nicht, habe auch nirgendwo gesagt, dass das kein guter Schauspieler gewesen ist. Aber so unbefleckt wie Mariae Empfängnis ist seine Weste nach dem Potter-Faux-pas nun mal nicht mehr. Und dass, ad zwei, so ziemlich jede Britin und jeder Brite, die jemals das Etikett SchauspielerIn verpasst bekommen haben, für diese unselige Filmfarce vor die Kamera gezerrt wurden, macht die Sache für mich nicht bekömmlicher. Shakespeare hin oder her. Andere Leute dürfen da gerne anderer Meinung sein. Auch wirklich anbetungswürdige Miminnen wie Lana Turner haben in richtig miesen Filmen mitgespielt, das sei hinterhergeschoben.

              Gruß, d.

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              1. Diander Autor

                Waaas, Gott auch noch? Das Jahr fängt aber wirklich mies an, Bowie, Rickman und nun auch noch Gott. Rickman trifft mich allerdings immer noch am härtesten. Während die Abwesenheit von Lana-fucking mich die letzten 20 Jahre nicht die Bohne beeinträchtigt hat.

                Ad eins noch als Abschlusssatz. Die hatten wohl schon gute Gründe, bei Potter mitzuspielen. Richard Harris z.B. angeblich deshalb, weil seine Enkeltochter gedroht hat, nie wieder mit ihm zu sprechen, wenn er die Rolle nicht annimmt. Das ist doch mal nachvollziehbar und süß, besser als schlichter Mammon.

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                1. doimlinque

                  Oh, da gratuliere ich Dir aber zu dem Mut, nicht Bowie an Nummer 1 zu setzen, nachdem in den letzten Tagen nun wirklich jede und jeder dessen Weltbedeutung hervorgehoben hat. (Ich glaube, ich habe ihn immer mehr für seine Art respektiert, als dass mir seine Musik unter die Haut gegangen wäre.)
                  Du, solange ich den Kram nicht anschauen muss, dürfen sich da alle und den wildesten Gründen zum Affen machen, bitte sehr. Der Grund ist süß, ja, wenngleich ich schwer vermute, dass das vor allem unter Außendarstellung fällt. Egal, nun der wirklich wichtige Punkt:
                  Du willst mir nicht wirklich erzählen, dass Du in den letzten 20 Jahren nicht auch nur das klitzekleinste Problem, das noch so unbedeutendste Zipperlein, die noch so oberflächlichste Erkältung gehabt hast. Siehst Du! Da muss man doch nur 1 und 1 zusammenzählen, Lana geht uns alle etwas an…

                  Gruß, d.

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        2. anchesa69

          Ich hab Alan Rickman am Liebsten zusammen mit Emma Thompson spielen sehen, die beiden ergänzten sich einfach klasse. Seinen Tod habe ich auch sehr bedauert, vor allem, da er im Alter mMn immer besser wurde.
          Den Film wollt ich mir auch anschauen, lohnt sichs denn Di?

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          1. Diander Autor

            Hatte ich weiter oben schon angedeutet:
            „so gut ist abgesehen von Winslet und Rickman (die beiden dafür aber richtig) der Film auch wieder nicht“
            Ich hatte mir mehr versprochen und mir den Film zugelegt, weil ich einfach neugierig war, wenn Rickman schon nach so vielen Jahren wieder mal Regie führt und auch mitspielt. Winslet und er spielen zwar beide wirklich toll, aber den ganzen Streifen fand ich jetzt nicht sensationell (sorry to say). Kann man durchaus anschauen, ist aber imo kein Muss.

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          1. Diander Autor

            Ja, man merkt dem Film den Geist von Rickman an, das muss ein very honourable and modest man gewesen sein. Der treffende Kommentar unter einem sehr persönlichen Nachruf von Katherine Viner vom Guardian -> http://www.theguardian.com/film/filmblog/2016/jan/14/alan-rickman-the-most-loyal-playful-and-generous-of-friends, die mit ihm befreundet war, lautet: „I’ve never seen anything bad with Alan Rickman in it – he was a guarantee of quality and always compelling.“

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  10. Hermann Gebauer

    Ihr lieben Drei,
    jetzt wäre eigentlich eine Rezension über Euch Drei fällig! Es hat den Anschein, Ihr seid allesamt bestens ins Neue Jahr gestartet, was man der Republik leider nicht nachsagen kann.
    Dank den Drei Weinbeeren für die drei Musketiere!
    LG aus der Ferne, CE

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    1. Diander Autor

      Hallo Costa, ja willkommen auch Dir hier (Weinglas steht oben bereit). Und vielen Dank für die Blümchen zu unseren Pinseleien. Eine kleine Zusammenfassung über die Weinbeeren haben wir uns übrigens schon ganz selbstherrlich selbst geschrieben (sonst machts ja eh keiner), die ist beim Anklicken des kleinen, schwarzen, viereckigen Symbols neben dem Startbildchen mit der Schildkröte zu finden.
      Grüßle, Diander

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