Rückkehr zu den Menschenfressern

VulkanGeorg Christoph Lichtenberg hat einmal eine Formel aufgestellt, die das Überwiegen des Vergnügens über den Schmerz beweisen sollte. Demnach sei vergangener Schmerz in der Erinnerung angenehm, vergangenes Vergnügen natürlich ebenfalls, das gegenwärtige Vergnügen erst recht, das künftige sei aber bereits angenehm in der Vorstellung; dem gegenüber stehe nur gegenwärtiger und künftiger Schmerz – klarer Sieg nach Punkten für das Vergnügen oder: „Ein merkliches Übergewicht von Seiten des Vergnügens in der Welt.“ Max Rychner, der große Zürcher Essayist, bemerkt dazu trocken: “Die Rechnung ginge so glatt auf, wie sie hier steht, wenn die Menschenseele ein Messapparat wäre.“

Lichtenberg war kein tumber Tor. Viele seiner Aphorismen sind messerscharfe Sentenzen und gehören für mich zum Anregendsten und Unterhaltsamsten, was sich in deutscher Sprache finden lässt. Schmerz und Leiden hat er darüber hinaus in seinem eigenen Leben genug erfahren, als dass man ihm an dieser Stelle einfach einen blinden Fleck unterstellen könnte. Vielleicht ist es eher andersrum so, dass die obige Milchjungenrechnung Ausdruck seines (verzweifelten) Versuchs ist, erlebten Schmerz zu bannen, ihn einzuordnen in ein Leben, das im Großen und Ganzen doch irgendeinen Sinn ergeben soll. Das Resultat dieses Versuchs ist freilich ein schlechter Scherz, man weiß nicht, soll man lachen oder soll man weinen.

Um dem Stand der Dinge auf der Welt ernsthaft ein merkliches Übergewicht von Seiten des Vergnügens zu attestieren, muss man zuvor jedenfalls eine gewaltige Menge Lachgas inhaliert haben. Sicher, es gibt das Gute im Schlechten. Kleine und größere Erfolgsmeldungen, echte Freundschaften, persönliche Glücksfälle und eine ganze Menge vanilla sex. Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Jene Regel, die besagt, dass Menschen Ärsche mit Ohren sind. Die nur an sich denken, die andere wissentlich ins Elend stürzen, die ihnen beim Verrecken zuschauen und dann weiterzappen.

Ich denke an Europa im Jahr 2016, ich denke „Flüchtlingskrise“. Und ich erinnere mich an ein Büchlein von kaum 150 Seiten, das ich vor über zehn Jahren zum ersten Mal aufgeschlagen habe. Dort steht nämlich bereits alles geschrieben.

 

*Klick* (Krikelkrakel by doimlinque)

 

Von Mahi Binebine hatte ich flüchtig eine Handvoll Gemälde wahrgenommen, bevor ich auch nur eine Zeile von ihm gelesen habe. Die kleine Galerie Brigitte Schenk in der Kölner Albertustraße, durch die ich damals manchmal schlenderte, hatte zu Beginn des Jahrtausends einige der einprägsam bemalten Holztafeln Binebines in ihren Schaufenstern ausgestellt. Grobflächige Figuren in gesättigten Farben waren darauf zu sehen – gekennzeichnet durch wenig mehr als ihre Umrisslinien vor kontrastierenden Hintergründen –, die mich ganz entfernt an die Graffiti von Keith Haring erinnerten. (Erinnert sich noch jemand an den…?) Ohne genau den Finger auf das Warum legen zu können, haben sich diese Figuren mit ihren symbolgeladenen Posen und absurden Bewegungssequenzen wie auch der Name des Malers in mein Gedächtnis geprägt, so dass ich gewissermaßen vorgewarnt war und nicht lange gezögert habe, als 2003 ein Buch namens „Kannibalen“ eben dieses Mahi Binebine auf Deutsch erschien und mir in einem kleinen Buchladen – dieses Mal in Leipzig – unter die Nase kam. Zugegriffen und anschließend in einem Rutsch gelesen.

Der Plot ist denkbar leicht wiederzugeben: Ein kleines Grüppchen zusammengewürfelter Nordwestafrikaner – Marokkaner, Algerier, Malier – hockt eines Nachts in die Dünen geduckt am Strand von Tanger, auf der marokkanischen Seite der Straße von Gibraltar, und wartet bei eisigem Wind auf das Zeichen eines Schleppers, der sie in einem winzigen Boot zum europäischen Festland bringen soll. Als es nach stundenlangem Ausharren endlich losgeht, verlieren zwei junge Männer, darunter der Erzähler, beim Hinauswaten ins Meer den Anschluss an den Rest der Gruppe. Die Wellen werfen sie zurück ans Ufer, ihr Gepäck befindet sich bereits im Boot, das langsam von der Dunkelheit verschluckt wird. Desillusioniert schleppen sie sich zurück in die Stadt. Am nächsten Tag sehen sie im Fernsehen eine spanische Nachrichtensendung, in der die Körper mehrerer boat people gezeigt werden, die von der spanischen Küstenwache aus dem Wasser gefischt wurden. Die beiden Männer erkennen in den aufgedunsenen Leichen die Reisegefährten wieder, mit denen sie die Überfahrt hätten antreten sollen. Auf den letzten Seiten schließlich lenken sie zögerlich ihre Schritte wieder zu jenem Café, in dem Schleuser und Migranten zusammenkommen. Ihr Ziel, die Festung Europa, haben sie nicht aus den Augen verloren.

Bei dieser spärlichen äußeren Handlung, nehmen jene Passagen den weitaus größten Teil des Buches ein, in denen der junge Erzähler Azûz während der Wartezeit am Strand die jeweiligen Geschichten der einzelnen Mitglieder der Gruppe wiedergibt. Auch inhaltlich ist dies das Herzstück des Buches, weil hier das geschieht, was in Nachrichtenmeldungen und aufgeheizten Diskussionen über die Migrationsbewegungen in Richtung Europa aus Platz- oder Empathiemangel selten einmal von Belang ist: Hinter den einzelnen Gesichtern, die hier sozusagen ins Rampenlicht geschoben werden, öffnen sich Lebensräume, werden individuelle Schicksale ausgebreitet. Eine eigentlich banale Offenbarung, die allerdings verloren zu gehen droht, wo Flüchtlinge nur mehr als graue Masse und als Zahlenkolonnen wahrgenommen werden bzw. wenn abstrakte Angst vor dem Fremden sich über die Synapsen legt. Wollte man dick auftragen, könnte man sagen, dass bei Binebine Figuren zu Menschen werden, Menschen mit Mühsalen und Träumen.

Azûz und sein Cousin fliehen vor der Armut und der Perspektivlosigkeit ihres kleinen Dorfes. Ein anderer versucht, die Schinderei auf den Suks hinter sich zu lassen. Wieder einer ist der einzige Überlebende eines im algerischen Bürgerkrieg begangenen Massakers. Eine junge Frau reist mit ihrem Neugeborenen ihrem Mann hinterher, der bereits in Frankreich lebt, sich aber seit vielen Monaten nicht mehr gemeldet hat. Für die beiden Malier war schon der Weg nach Tanger, der durch die Wüste und über zwei Staatsgrenzen führte, eine wahre Odyssee; durch die Schrecken der Überfahrt werden sie sich nicht zurückhalten lassen. Zusammen kommt ein Kessel Buntes – buntes Elend, wohlgemerkt. Offensichtlich will Binebine ein mehr oder minder repräsentatives Kaleidoskop an Fluchtursachen schildern. Das könnte schematisch und ein wenig blutleer daherkommen, wirkt auf mich aber kein bisschen aufgesetzt, sondern ergibt sich organisch aus der Lebenswirklichkeit auf dem afrikanischen Kontinent.

Das Leben der anderen hat Azûz im „Café France“ erfahren, wo die Flüchtlinge im Konjunktiv tage- und wochenlang herumsitzen und warten auf die Gelegenheit zur Überfahrt. Die Konstellation erinnert an „Rick’s Café“ in Casablanca, nur dass es damals die Europäer waren, die auf die Möglichkeit zur baldigen Ausreise hofften, während Sam „As time goes by“ klimperte. (Der Gedanke, dass vor rund einem Menschenleben Bürger aus den satten westeuropäischen Ländern auf die Menschlichkeit anderer angewiesen waren, wird dort heuer indes eher verdrängt. Ebenso wie der Umstand, dass nirgendwo geschrieben steht, dass eine solche Lage in Zukunft nicht durchaus wieder eintreten könnte.)

Die pull-Faktoren, die die Menschen nach Europa ziehen, werden übrigens relativ nüchtern abgehandelt. In mehreren eingeschobenen Sequenzen gibt Azûz die Erzählungen eines der Schleuser wieder, in denen dieser von seiner Zeit als Tellerwäscher in Paris berichtet, die schließlich im Gefängnis und mit einem stets wiederkehrenden Albtraum endet, dem das Buch auch seinen Titel verdankt. Größtes Vergnügen in der französischen Hauptstadt sind die Puffbesuche, wobei das Arsenal der Prostituierten für die sans-papiers sich in Gummipuppen jedweder Couleur erschöpft. Jeder weiß, mit anderen Worten, dass Europa nicht das Land sein wird, in dem Milch und Honig fließen. (In der englischen Übersetzung trägt das Buch den so zynischen wie abgenudelten Titel „Welcome to Paradise“.) Der Defätismus der Menschen macht im Umkehrschluss nur noch um so deutlicher, wie aussichtslos das Leben für viele in ihren Heimatländern ist. Tahar Ben Jalloun hat in „Verlassen“ von der Obsession geschrieben, aus Afrika fortzugehen. Komme, was da wolle.

Wie weit die Entwurzelten tatsächlich zu gehen bereit sind, um Europa zu erreichen, dessen Lichter man in sternenklaren Nächten von Tanger aus sehen kann, wird in einer einzigen Szene plakativ deutlich gemacht, als sich ein Hund der Gruppe nähert. In der Dunkelheit befürchten die Männer eine Polizeikontrolle und ziehen sich zurück von ihrem Boot, weiter hinein in die Dünen. Nuȃra und ihr Baby, die schon vorher unter das umgedrehte Boot gehievt worden waren, um die Schreie des Babys zu ersticken, werden zurückgelassen. Der Hund – kein Schäferhund der Polizei sondern ein herrenloser Strandköter – wittert die Lebewesen unter dem Boot und beginnt, den Sand neben den Holzplanken wegzuscharren. Von ihrem Versteck aus hören die Männer plötzlich ein wildes, klagendes Winseln, wieder beim Boot angelangt sehen sie, dass Nuȃra in ihrer Verzweiflung dem Hund eine Pfote abgebissen hat. „Eine Frau, die den Schenkel eines Köters blutig beißt, ist auch im Stande, dir die Eier abzureißen.“

 

*Klick* (Krakelkrikel by doimlinque)

 

Mahi Binebine schreibt, wie er malt: Klar, sparsam, eindrucksvoll gleichnishaft. (Das umgedrehte Boot etwa wird ihm eine Schachtel ohne Boden, die sich zur Finsternis hin öffnet.) Dabei ist es keine geschliffene Sprache, in der Azûz berichtet. Eher kommt seine Erzählung an manchen Stellen in etwas hemdsärmligem Ton daher, was freilich passend wirkt, ein manierliches Parlando wäre hier fehl am Platz. In der deutschen Übersetzung von Patricia A. Hladschik fallen manche Austriazismen auf, die den Normalodeutschen stolpern lassen. (Pariser Mülltonnen beispielsweise sind bei Hladschik Mistkübel.) Andererseits ist es, drastisch ausgedrückt, natürlich nicht ausgemacht, warum ein marokkanischer Dorfjunge im deutschen Sprachraum eher in der Mundart der Hamburger Elbchaussee wiedergegeben werden sollte, und nicht wie ein Bub aus dem Zillertal.

Im Original ist „Kannibalen“ bereits 1999 erschienen, lange vor der sogenannten Arabellion und den Bürgerkriegen in Libyen und Syrien, die etliche Millionen Menschen ihrer Heimat den Rücken kehren ließen, aber auch vor den großen Terroranschlägen islamistischer Gruppen weltweit, die hierzulande Menschen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern noch einmal besonders große Skepsis entgegenschlagen lassen. Mein Exemplar entstammt der deutschsprachigen Erstauflage von 2003, damals erschienen beim Innsbrucker Haymon-Verlag. Später scheinen die Rechte an den Unionsverlag in der Schweiz gewandert zu sein, dessen Taschenbuchauflage allerdings inzwischen – ebenso wie die Haymon-Edition – vergriffen ist. Auf den Seiten des Verlags findet sich der Hinweis, dass der Termin für eine Neuausgabe ungewiss sei. Was ein Jammer ist, zumal der Autor seither an Bekanntheit durchaus noch zugelegt hat. Sein furioser Roman „Die Engel von Sidi Moumen“ über eine Gruppe von Selbstmordattentätern aus einem Bidonville bei Casablanca hat 2010 viele, auch internationale Preise gewonnen, darunter den Prix du Roman arabe. Bleibt zu hoffen, dass auch „Kannibalen“ noch einmal den Weg auf die Regalbretter der Buchhandlungen findet.

Der Stoff jedenfalls, den Binebine vor Jahren verhandelte, könnte heute aktueller nicht sein. Spätestens dieser Umstand macht deutlich, dass sich fundamental etwas an den wirtschaftlichen und politischen Strukturen im Verhältnis Europas zu seinen südlichen Nachbarn ändern muss, wenn es einem darum zu tun ist, die Migrationsbewegungen nachhaltig zu beeinflussen und ihnen insbesondere die tödliche Gefahr zu nehmen. Spoiler Alert: Ein beständiges Aufstocken der Grenzzäune ist sicherlich keine Lösung, eben so wenig wie das Gefasel von Obergrenzen oder die Umdeklarierung aller Staaten der Welt zu ‚sicheren Herkunftsländern‘. „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ Sagte er: Georg Christoph Lichtenberg. Sage ich: Word!

 

doimlinque

 

Erster Satz: „In meinem Dorf hatten uns die Alten endlose Male das Meer erzählt, und auf tausenderlei verschiedene Arten.“

Letzter Satz: „Reda betrat das Café als Erster.“

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11 Gedanken zu „Rückkehr zu den Menschenfressern

  1. Beat Company

    Sowohl die Eingangsgedanken zu Lichtenberg, als auch die zuweilen tödliche Sehnsucht der boat people – erinnern mich doch stark an jenes: „wenn die Zeit nicht die Erinnerung filtern würde, nähme man sich spätestens mit 30 den Strick … etc.“

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    1. doimlinque Autor

      Kannte ich nicht, den Spruch, prinzipiell würde ich wohl zustimmen, wenngleich vielleicht nicht so pauschal. Auch wenn, um Lichtenberg ein wenig in Schutz zu nehmen, ich wohl so ungefähr weiß, was er meint mit dem vergangenen Schmerz, der in der Erinnerung angenehm sein soll. Inzwischen kann ich zum Beispiel darüber schmunzeln, dass ich mich früher beim Hören von ???-Kassetten gegruselt habe (heute nur noch in Ausnahmefällen…). Aber wenn es mir im hier und jetzt dreckig geht, hilft mir zukünftiges Schmunzeln nicht unbedingt und immer weiter. Und außerdem: Wenn meine Nachbarn eine große Orgie feiern und ich gleichzeitig nebenan den Umstand beweine, nicht eingeladen worden zu sein, müsste man rein rechnerisch trotzdem von einem „Übergewicht von Seiten des Vergnügens“ sprechen. Hilft mir nur nicht, sondern vergrößert im Gegenteil den Verdruss eher noch.

      Seelenleben in Formeln zu quetschen ist ein ziemlich aussichtsloses Verfangen.

      Gruß, d.

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  2. justrecently

    Lichtenberg war kein tumber Tor.
    Eine Lebensleistung lässt sich nicht anhand einer Milchmädchenrechnung beurteilen, aber gehe ich nach dem, was ich jetzt von ihm weiß …

    … war Lichtenberg ein Stöhnredner.

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    1. Diander

      Ui, jetzt war ich aber neugierig, was ein Stöhnredner sein mag. Glückwunsch, eins der letzten 5 Worte, zu dem Google kein (in Worten: null) Suchergebnis findet. Die anderen 4 Worte kenne ich übrigens auch nicht.

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    2. doimlinque Autor

      Eine Lebensleistung lässt sich nicht anhand einer Milchmädchenrechnung beurteilen

      Nee, ich bin auch wie gesagt durchaus Lichtenbergianer. Stöhnredner ist gut, auch wenn ich nicht sicher bin, ob das nun eine gute oder schlechte Charakterisierung ist. Manchmal legen Stöhnredner vielleicht den Finger ganz luzide in schwelende Wunden. Oder sie labern dummes Zeug…

      Gruß, d.

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      1. justrecently

        Konkretes Beispiel: wer von Dr. Eisenbart narkosefrei operiert (oder gekurpfuscht) wurde und dabei Predigten darüber hielt, wie schön doch das Leben sei, war ein Stöhnredner.

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        1. doimlinque Autor

          Oh, derlei Gepflogenheiten gelten in vielen (Sub-)Kulturen aber doch als luststeigernde Sexualpraktik.
          Im Ernst, dann weiß ich wiederum nicht so recht, ob ich dem in puncto Lichtenberg zustimmen würde. Das obige Beispiel betreffend sicherlich, aber ein solcher Platt-Aufklärer war er wirklich nicht immer. Sei’s drum.

          Gruß, d.

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  3. Diander

    Eine sehr schöne Buchbesprechung, as usual. Zum Thema Flüchtlinge und Ärsche mit Ohren, wie passend.

    Hinter den einzelnen Gesichtern, die hier sozusagen ins Rampenlicht geschoben werden, öffnen sich Lebensräume, werden individuelle Schicksale ausgebreitet

    Wie es der Zufall will (obwohl es Absicht war, nur nicht auf diesen Blog bezogen), hatte ich heute ein ähnliches Thema. Letzten Herbst haben wir, um die Debatte über Flüchtlinge im Kleinen in gute Bahnen zu lenken, einen jungen Syrer, nennen wir ihn I., auf eine Betriebsversammlung eingeladen. Mächtig nervös berichtete er vor großem Publikum die Geschichte und Umstände seiner Flucht. Und beeindruckte mit seiner Schilderung der Ankunft, der anfänglichen Einsamkeit die Leute so sehr, dass Tränen flossen. Obwohl in einer Belegschaft einer gewissen Größenordnung statistisch (wie auch real) etliche Ärsche mit Ohren sind. Heute, auf der nächsten Versammlung wurde das Thema Rassismus unsererseits wieder angesprochen und auf I. und die Skandale rund um Bautzen, Zorneding, Clausnitz u.ä. zurückgeblickt. Interessant war, dass anscheinend besonders I.s Erzählungen einige KollegInnen bewogen haben, sich seitdem in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Langer Rede kurzer Sinn, laberlaber, Rhabarberrhabarber: ja, d`accord, die individuellen Geschichten sind es, die die „graue Masse“ in menschliche Gesichter verwandeln und Begegnung eröffnen. Und wenn ein Buch dies vermag, so schön.

    LG, Di

    P.S. Mit „krikelkrakel“ betreibst Du aber Understatement unter Deinen Bildern. Ich habe gesehen, wie die Titel lauten, Vulkan, la mer und Wintersonne. Fein. Und der Vulkan enthält zufälligerweise schwarz, rot und gold. Absicht oder unterbewusst?

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    1. doimlinque Autor

      Schöner Rhabarber! Menschen sind Ärsche mit Ohren mit der eingebauten Option, manchmal auch ziemlich in Ordnung zu sein. (Was die Fallhöhe freilich nur nach oben schiebt.) Hilfsbereitschaft kleinreden möchte ich auch nicht, das tut bereits die Politik. Meine Misanthropie lasse ich mir trotzdem nicht nehmen.

      Und dann glaube ich tatsächlich, dass es meist eher die abstrakten Ängste sind, die die Butwürger auf die Straße und zu den Molotowcocktailanleitungen im Internet treiben.

      Mit „krikelkrakel“ betreibst Du aber Understatement unter Deinen Bildern. Ich habe gesehen, wie die Titel lauten, Vulkan, la mer und Wintersonne. Fein.

      Naja, das sind die Arbeitstitel, irgendwie muss man das weiße Papier ja einkreisen. Im Blog habe ich es weggelassen, um damit nicht den Text zu überfrachten.

      Und der Vulkan enthält zufälligerweise schwarz, rot und gold. Absicht oder unterbewusst?

      Da müsste man mal die Jungs vom Lützowschen Freikorps fragen, warum die sich bei ihren Uniformfarben ausgerechnet vom Vesuv haben inspirieren lassen.

      Gruß, d.

      Gefällt 1 Person

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