Sanfte kleine Melodeien

Der Mensch ist dasjenige Wesen, das hochkomplexe Geräte – genannt ‚Satelliten‘ – zusammenschraubt und diese unter immensem technischen Aufwand ins All schießt, wo sie auf minutiös berechneten geostationären Bahnen gemeinsam mit der Erde um die Planetachse rotieren und von Rundfunkstationen ausgeschickte Signale empfangen, nur um diese wiederum in die Wohnzimmer der Menschen zurückzuschicken, wo sie sich auf den Fernsehbildschirmen in Form von trashigen Reality-TV-Dramen, Kochsendungen oder Sportschauen, in denen 22 steuertricksende Millionäre das Runde ins Eckige bugsieren wollen, manifestieren. Mit Alfred Polgar gesagt: Der Mensch ist ein pathetisches Tier.   

Freilich geht es auch anders. Das Fernsehprogramm einmal weggedacht, ist Fernsehen unbestritten eine famose Sache. Und es gibt sie ja auch wirklich, die regelbrechenden Highlights, das im wahrsten Sinne des Wortes Sehenswerte. Ewig und immer wieder – vollkommen zu Recht – beschworene Sternstunden der deutschen Fernsehgeschichte sind und bleiben etwa die Gespräche, die Günter Gaus in einem Zeitraum von rund 40 Jahren ab 1963 mit ausgewählten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte führte. Man muss keine heftig pulsierende nostalgische Ader haben und auch keine ausgemachte Kulturpessimistin sein, um sich nicht doch beim Betrachten der so entstandenen Wortportraits heimlich die Frage zu stellen, warum damals möglich war, was heute nicht mehr oder doch nur selten noch gelingen mag. Letzteres sei in Klammern angefügt, denn es soll an dieser Stelle ausdrücklich nicht um ein im Kern langweiliges Früher-war-alles-knorke gehen. Tatsächlich geht es noch nicht einmal um die Gausgespräche, die im Grunde nur als Aufhänger für das Folgende dienen.

Hier dreht sich alles um Hannah Arendt. Die große Hannah Arendt. Denn das entsprechende Tȇte-à-Tȇte zwischen Gaus und ihr könnte ich mit Löffeln fressen, so viel Freude bereitet es, Arendt beim vehementen Vertreten ihrer Standpunkte zu erleben. Allein wie sie mit den Gebärden der rechten Hand kategorisch ihre Aussagen unterstreicht und dann mit einem Haifischgrinsen mal schelmisch, mal verächtlich abschließt, ist bühnenreif. Alles vorgetragen mit ihrer – wie soll man sagen? – rauchigen Raucherstimme, mit der sie auch das Telefonbuch von Ohrdruf vorlesen könnte und in mir einen gebannten Zuhörer fände!

Das damalige Gespräch aus dem Jahr 1964 hatte bekanntlich die Erstveröffentlichung der deutschen Ausgabe von Eichmann in Jerusalem zum Anlass, Arendts kontroversem Fazit zu jenem Prozess, den der Staat Israel 1961 dem ehemaligen SS-Obersturmbannführer gemacht hatte. Wobei ‚kontrovers‘ wohl nur sehr unzureichend die Hitze der Debatte wiedergibt, die sich bereits um den Untertitel des Buches – Ein Bericht von der Banalität des Bösen – entspann. Es ist zweifelsohne ein wichtiger Beitrag, den Hannah Arendt da geschrieben hat, und auch die Debatte ist, wo sie nicht überzogen polemisch daherkommt, auf gar keinen Fall verkehrt. Aber es ist auch in mancherlei Hinsicht ein unglückliches Buch, finde ich. Dabei bin ich prinzipiell überzeugt von der Richtigkeit der Annahme, dass das Rückgrat totalitärer Regime von kadavergehorsamen Funktionären gebildet wird, die gesetzestreu ihrer Arbeit nachgehen und eben keinem ‚höheren‘ Motiv folgen. Deren Bosheit ist, mit Arendts Worten, nicht die eines Macbeth, sie sind in dem Sinne nicht dämonisch sondern banal.

Nur scheint mir diese Charakterisierung zum einen nicht wirklich auf Adolf Eichmann zuzutreffen, den spätere Biografen als sehr wohl durch und durch ideologisch motiviert handelnden Fanatiker beschreiben, der während des Prozesses bewusst in die Rolle des weisungsgebundenen Bürokraten geschlüpft ist, um Verstrickung und Schuld abzuweisen. Zum anderen und vor allem ist es wohl Arendts apodiktische Art des Vortrags, ihre Rechthaberei nahe an der Unbarmherzigkeit, die mich zurückzucken lässt und die ich nicht für angemessen halte im Umgang mit dem Mord an rund 6 Millionen Juden. In einem kürzlich aus seinem Nachlass edierten Aufsatz kritisiert Hans Blumenberg in Bezug auf Arendts Haltung ihren „Rigorismus der Wahrheit“, und das kommt meinem Empfinden diesbezüglich wohl recht nahe. Ihrem Text nimmt das gleichwohl nichts von seinen durchaus sehr treffenden und anregenden Einsichten, man könnte sich die Finger blutig tippen in der Auseinandersetzung mit diesem ganzen Komplex. Aber auch die Eichmannchose soll hier nicht im Mittelpunkt stehen, der Mann schmort zu Recht in der Hölle. Was mich umtreibt, sind Gedichte.

*

„Das Europa der Vorhitlerzeit – “, sagt Arendt an einer Stelle des Gesprächs mit Gaus, „ich habe keine Sehnsucht, das kann ich nicht sagen. Was ist geblieben? Geblieben ist die Sprache.“

„Das bedeutet viel für Sie?“

„Sehr viel. Und ich habe immer bewusst abgelehnt, die Muttersprache zu verlieren.“

Zwischen der als Kind erlernten Muttersprache und allen anderen Sprachen besteht für Arendt ein gewaltiger Unterschied, den sie im fortgesetzten Wortwechsel wunderbarerweise daran festmacht, dass sie „einen ziemlich großen Teil deutscher Gedichte auswendig“ kenne: „Die bewegen sich da immer hinter…in the back of my mind.“ (Interessanterweise sollte Golo Mann in seinem Gespräch mit Gaus kurze Zeit später mehr oder weniger das gleiche sagen bezüglich der von ihm auswendig gelernten Gedichte.) Die in Versen gebundene Sprache, dahingehend verstehe ich Arendts Einlassung, bindet gleichsam die Welt – oder doch wenigstens die Lebenswelt jedes einzelnen – zusammen und schnürt so ein Päckchen Sinngebung. Dichtung und Denken sind enge Nachbarn, meinte Heidegger, den dies und das mit Arendt verband.

 

Unter einem denkbar ungünstigen Stern geboren – sie erblickte das Licht der Welt in Harghnnover -, wurde schließlich doch noch etwas Anständiges aus dem Gör.

 

Ein ziemlich großer Teil deutscher Gedichte hört sich nach ziemlich viel an und ob da im Einzelnen tatsächlich bis aufs letzte Komma alles memoriert wurde, bleibt dahingestellt. Definitiv ist es aber so, dass Dichtung in Arendts Leben eine große Rolle gespielt hat. Neben etlichen Essays aus ihrer Feder, die sich speziell mit dem Werk verschiedener Literaten und Dichter befassen, offenbaren auch ausnahmslos alle ihrer mir bekannten Schriften nicht nur eine große Belesenheit sondern sind mit Querverweisen zu und Zitaten aus Gedichten und literarischer Prosa durchwirkt; es entsteht beim Lesen geradezu der Eindruck, dass die Autorin auf diese Weise Blickwinkeln und Einsichten auf die Spur kommen möchte, die mit wissenschaftlicher Sprache unerreichbar blieben: „Nur von den Dichtern erwarten wir Wahrheit, nicht von den Philosophen, von denen wir Gedachtes erwarten“, schrieb sie Mitte der fünfziger Jahre in ihr Denktagebuch.

Angelehnt an Kant führt Arendt in ihren späten Vorlesungen über das Leben des Geistes aus, dass das Reden in Analogien, in metaphorischer Sprache, die einzige Möglichkeit sei, wie sich spekulative Vernunft – von ihr schlicht als Denken oder Nachdenken bezeichnet – äußern könne: „Alle philosophischen Termini sind Metaphern“, so Arendt. Metaphern, die dem abstrakten Denken anschauliche Bilder aus der Welt der Erscheinungen liefern. Der Ursprung metaphorischer Sprache wiederum ist aber eben nicht die Philosophie selbst sondern die Dichtung, die ihre Wortbilder als Geschenk an die „Denker von Profession“ durchreicht (Arendt verwendet wiederholt die von Kant geprägte Charakterisierung von Philosophen und ich stelle mir dabei ihr ironisches Haifischgrinsen beim Schreiben vor).

Und außerdem: Was bleibet aber, stiften die Dichter. An mehreren Stellen der Vita Activa, ihrem philosophischen Hauptwerk, führt Arendt aus, dass es unter den menschlichen Artefakten paradoxerweise gerade die Dinge sind, die keinen offensichtlichen Zweck haben (wie etwa ein Stuhl einen Zweck hat), die am ehesten Jahrhunderte, vielleicht sogar Jahrtausende überdauern können. „Kunstwerke sind die beständigsten und darum die weltlichsten aller Dinge“, sagt sie, Verschleiß greift hier deshalb in viel geringerem Maße, weil wir es nicht mit Gebrauchsgegenständen zu tun haben. Für nichts gilt das mehr als für Gedichte, die im Zweifelsfall nur den Hinterkopf einer ergriffenen Leserin benötigen, um Pest, Cholera und Nazischweine zu überstehen. Für Plato, das sei angefügt, wohnt einem solchen Überdauern bekanntlich etwas Göttliches inne, weil es sich der Unvergänglichkeit nähert.

*

Hannah Arendt hat selbst Lyrik verfasst. Nicht viel und im Bewusstsein der eigenen mangelnden Begabung wohl auch nie mit der Absicht auf Publikation. Aber doch immerhin mit so viel Ernst und Ambition, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt beinahe alle verstreuten Verse gesammelt und ordentlich auf der Schreibmaschine abgetippt hat. Insgesamt 71 dieser Gedichte aus Arendts Feder haben sich im Nachlass erhalten und sind im Jahr 2015 zum ersten Mal vollständig in einem Band erschienen. Knapp ein Drittel davon stammen aus ihrer Studienzeit in Marburg von 1923 bis 1926 (die Heideggerphase!). Nach einer Pause von rund 15 Jahren setzt dann das Reimen im Krieg wieder ein, als Arendt und ihr zweiter Mann bereits aus Europa geflohen waren und sich – als gerade mal so eben geduldete Staatenlose – in Manhattan niedergelassen hatten. Das erste Gedicht dieser zweiten Phase schreibt sie bezeichnenderweise als Reaktion auf den Tod Walter Benjamins, der auf der Flucht vor den Braunen Selbstmord begangen hatte:

       W. B.

        Einmal dämmert Abend wieder,
Nacht fällt nieder von den Sternen,
Liegen wir gestreckte Glieder
In den Nähen, in den Fernen.

        Aus den Dunkelheiten tönen
Sanfte kleine Melodeien.
Lauschen wir uns zu entwöhnen,
Lockern endlich wir die Reihen.

        Ferne Stimmen, naher Kummer –:
Jene Stimmen jener Toten,
Die wir vorgeschickt als Boten
Uns zu leiten in den Schlummer.

Dies Gedicht sei hier stellvertretend zitiert und es spricht wohl nicht ehrenrührig, wer es als allenfalls mittelprächtige Poesie bezeichnet. Vor allem den Volksliedton finde ich persönlich an der Stelle irritierend, jene abgedroschenen Eichendorffschen Versatzstücke lauer Mondenschimmernächte, die dem Sujet einfach zuwiderlaufen. Derlei ringelgereihte Abziehbilder finden sich noch einige in Arendts Versbündel, überhaupt bleibt der Blick nur selten haften an einer starken Wendung, einer überraschenden Pointe, einem gegen den Takt gebürsteten Rhythmus. Na und?

Das Büchlein aus dem Piper Verlag ist trotzdem nicht nur glibberige Schaumkrone auf der gewaltigen Welle an Neuerscheinungen zu Hannah Arendt, sondern bleibt schlicht ein schönes kleines Fundstück am Strand der Lesemöglichkeiten. Zum einen findet sich hier sehr wohl manch rundum geglückte Verszeile. Gerade die Studentin Hannah Arendt malt – in aller jungnatürlichen Pathetik – gelungene Wortbilder. Zum anderen ist die Lektüre der Arendtschen Strophen ein wenig wie ein Blick hinter die Kulissen, mitten hinein in ihre Gedankenküche. Es ist Gelegenheitslyrik im besten Sinne, häufig eingefügt in längere Briefe oder in ihr Denktagebuch – die weiche Seite einer gestochen scharf analysierenden Theoretikerin. Hinzu kommen die detailfreudige Edition und nicht zuletzt das Nachwort von Irmela von der Lühe, die der Ausgabe unbedingten Wert verleihen.

doimlinque

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6 Gedanken zu „Sanfte kleine Melodeien

  1. justrecently

    Als Teenager habe ich, glaube ich, nur ein „Zur-Person“-Gespräch gesehen, und das führte Gaus mit Heiner Geißler. Vielleicht waren es auch ein paar Folgen mehr. Damals fand ich’s öde; wie ich es heute fände, weiß ich nicht.
    Mir scheint aber, Hannah Arendt war schon ein Highlight – sowohl als Filmaufnahme als auch als Skript. Es gibt solche Menschen, wenn auch nur selten. Sie füllen jeden Raum, den sie betreten – auch, wenn sie sich eigentlich im Hintergrund halten wollen.

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    1. doimlinque Autor

      Oje, meine Einschätzungen als Teenager zu sehr, sehr vielen Dingen lassen mich heute die Stirn in Falten legen, so ich mich denn überhaupt noch an die Details erinnern kann. Und ob ich Gaus und seine Sendungen überhaupt wahrgenommen habe, kann ich nicht sagen. Höchstens am Rande. Viele der Gespräche sind heute als Videoclip frei einzusehen, jenes mit Hannah Arendt sowieso. Ganz platt würde ich sagen, dass ‚öde‘ in dem Fall beinahe als Kompliment durchgehen kann, jedenfalls wenn man darunter den Abzug aller Kinkerlitzchen begreift ebenso wie die Aussparung solcher Passagen, in denen es zum Fußnagelaufrollen menscheln soll.

      Es stimmt, sie wirkt sehr…präsent; und hat gleichzeitig natürlich auch eine Elle an Geleistetem vorzuweisen. Ich bin jedenfalls froh darum, dass momentan so etwas wie eine Arendt-Renaissance stattfindet.

      Danke für den Kommentar!

      Gruß, d.

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  2. Diander

    Ich erinnerte den Gaus eigentlich auch nur aus seinen politischen und späteren journalistischen Ämtern. Das zitierte Interview sei hier als freundlicher Service verlinkt, auf eine Wiederholung im TV braucht man also nicht zu warten.

    Unabhängig von den sonstigen Inhalten ein klitzekleines Räuspern:
    …die erste Frau, wenn auch freilich mit einer nach landläufiger Vorstellung höchst männlichen Beschäftigung…
    O tempora o mores, was ne Einleitung –zumindest aus heutiger Sicht. Ihre spätere Antwort mutet heute nicht weniger befremdlich an, wenigstens für diese Frau (aus dem Munde meiner Mutter – na gut, aber sie?…):
    Ich war immer der Meinung, es gibt bestimmte Beschäftigungen, die sich für Frauen nicht schicken, die ihnen nicht stehen, wenn ich einmal so sagen darf. Es sieht nicht gut aus, wenn eine Frau Befehle erteilt. Sie soll versuchen, nicht in solche Positionen zu kommen, wenn ihr daran liegt, weibliche Qualitäten zu behalten…

    …rauchigen Raucherstimme… Ja. Schadet angeblich der Gesundheit, aber bis dahin…

    Ich fand übrigens damals den Film mit der Sukowa toll. Und finde auch das Gedicht anrührend.

    Sehr schöner Blog, tolle Zeichnung.

    Liebe Grüße, Di

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    1. doimlinque Autor

      Schuss und Tor! Hast Du gemerkt, wie wunderbar ich diese Steilvorlage auf den Weg gebracht habe, um Dich endlich wieder in die Position zu bringen, Deiner Lieblingsbeschäftigung frönen zu können: youtube-Clips verlinken! Sehr schön, ja.

      Das ist schon interessant, wie die beiden Profession und Geschlecht verordnen. Mir gefällt auch ihr Satz, dass Männer immer furchtbar gerne wirken wollen (im Gegensatz zu ihr, die sie nur verstehen möchte). Vielleicht ist da etwas dran, aber ich bin doch keine Aspirintablette!
      Gleichzeitig bin ich felsenfest davon überzeugt, dass sie als Denkerin ewig unterschätzt worden ist, weil Weib. O mempora o tores.

      …rauchigen Raucherstimme… Ja. Schadet angeblich der Gesundheit, aber bis dahin…

      Kein Kommentar. Fiese Sache, diese Raucherstimmen.

      Ich fand übrigens damals den Film mit der Sukowa toll.

      Ich fand wohl vor allem die Schauspieler toll, den Film insgesamt ein bisschen fahrig. Vor allem weiß ich nicht so recht, was die Heideggersequenzen da zu suchen hatten, mit der Handlung hatte das doch wenig zu tun und wäre eher der Stoff für einen eigenen Film. Außerdem frage ich mich seither, ob sie wirklich bis zuletzt ein Foto von Heidegger auf ihrem Schreibtisch stehen hatte, das fände ich wenigstens befremdlich.
      (Anekdote am äußersten Rande: Ich wurde neulich gefragt, ob ich Lust hätte, ins Kino zu gehen. Auf meine Frage, was denn überhaupt liefe, kam die Antwort: „Willem Ficknuss“. Da war ich natürlich sofort Feuer und Flamme, wer würde nicht gerne Näheres erfahren über das Wirken des großen Herrn F…. Well, im Kino angekommen stellte sich dann heraus, dass der Streifen „Hidden Figures“ heißt und so ein paar Trullas bei der NASA zum Thema hat. Ernüchterung allenthalben.)

      Und finde auch das Gedicht anrührend.

      Mir kommt es wie gesagt seltsam unangemessen vor.

      Gruß, d.

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      1. Diander

        …um Dich endlich wieder in die Position zu bringen…

        You can count on me, technischer Support guaranteed.

        …was die Heideggersequenzen da zu suchen hatten… ob sie wirklich bis zuletzt ein Foto von Heidegger auf ihrem Schreibtisch stehen hatte…

        Die hatte ich gar nicht mehr so im Kopf, aber allzu verwunderlich finde ich das nun auch nicht. Die Sequenzen, nun ja, sicher für das Thema „Eichmann“ entbehrlich, aber ein Foto, warum nicht. Immerhin war der Mann Teil ihres Lebens.

        Mir kommt es wie gesagt seltsam unangemessen vor.

        Muss ja nicht immer Einigkeit sein, nichwa.

        … am äußersten Rande: Ich wurde neulich gefragt, ob ich Lust hätte, ins Kino zu gehen …

        Zwar am ganz anderen Rand, aber im Zusammenhang doch passend: Nächste Woche läuft ein Dokumentation über Brunhilde Pomsel, Göbbels Seketärin an. Nahe an der Führungsriege dran, muss sie das Meiste gewusst haben und bezeichnet sich doch als unpolitische Randfigur.

        Grüßle, Di

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        1. doimlinque Autor

          Immerhin war der Mann Teil ihres Lebens.

          Und dennoch. Ich habe da jetzt auch noch mal drüber nachgedacht und finde es weiterhin seltsam. Sie hatte 40 Jahre zuvor eine Affäre mit ihm, da weiß ich nicht, ob man dann immer noch gerahmte Fotos rumfliegen hat. Von ihrem ersten Mann zum Beispiel stand da keins.
          Außerdem hat sich Heidegger im Folgenden als Obernazi und dummer Antisemit geoutet und hat sich auch nach dem Krieg nicht von seinen Einlassungen distanziert. Nur eine durch und durch unpolitische Denke attestiert er sich selbst. Arendt hat wieder den Kontakt zu ihm hergestellt, aber es war doch nicht mehr dasselbe. Und dann steht da eben ein Foto vom alten Heidegger, das halte ich für oberunglaubwürdig. Also nicht von dem Mann, mit dem sie ein Verhältnis hatte sondern der von ex hopp. Nee, ich schüttle den Kopf. Ist aber natürlich nur ein Detail…

          Nächste Woche läuft ein Dokumentation über Brunhilde Pomsel, Göbbels Seketärin an. Nahe an der Führungsriege dran, muss sie das Meiste gewusst haben und bezeichnet sich doch als unpolitische Randfigur.

          Ich hatte eine Tante, die ich nur als Tante Gudi kannte. Von Gudrun. War aber gar nicht ihr wirklicher Name, wie sich bei der Beerdigung herausstellte. Ihren Geburtsnamen habe ich tatsächlich wieder vergessen, in jedem Fall aber war der ihr in den 1930ern zu ungermanisch gewesen und hat sie sich eben fortan Gudrun nennen lassen. Als sie nach dem Krieg wieder ihren eigentlichen Namen hervorkramen wollte, hat der irgendwie ehrlichere Rest der Familie abgewunken. Wie das so ist mit dem Mitmachen und es nachher nicht geahnt haben wollen.

          Gruß, d.

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