Simsala Birnbaum basala dusala tot

„Was aus dem Menschen herauskommt“, heißt es in der Bibel, „das macht den Menschen unrein; denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft.“ Jene seelischen Untiefen auszuloten nahm sich dereinst Theodor Fontane zum Vorsatz, als er im Jahr 1885 die Novelle Unterm Birnbaum zu Papier brachte. Bluttat aus Raffgier, schwarze Magie und tiefste ostdeutsche Provinz – kein grauenerregender Topos des klassischen Schauerromans wird in diesem Proto-Krimi ausgelassen.

In Abel Hradschecks Garten liegt ein Franzos begraben. Friedlich unterm Birnbaum hinter dem großen Wirtshaus in einem Dorf im Oderbruch ruht der ehemalige Soldat wohl seit den Tagen Kaiser Napoleons, die zum Zeitpunkt der Erzählung bereits rund zwanzig Jahre zurückliegen. Als Hradscheck zufällig die Knochen zutage fördert, brechen die bösen Gedanken sogleich aus ihm hervor, denn Hradscheck steckt tief im Argen, Geldsorgen plagen ihn seit Jahren. Seine Frau Ursel, eine Reingeschmeckte, die – trotz eigener jugendlicher Eskapaden – etwas Besseres zu verdienen meint, trauert dem hohen Lebensstandard ihres Elternhauses hinterher, und der Spieler und Trunkenbold Hradscheck ist nicht der Mann, der mit ehrlicher Wirtsarbeit allein einen Weg aus dem Schlamassel bahnen könnte. Jeden Tag kann der Handlungsreisende aus Polen kommen, um Schulden einzutreiben, was den Hradschecks den sicheren Untergang verhieße.

In seiner Verzweiflung sinnt Abel auf einen Raubmord und beim Anblick der Franzknochen offenbart sich ihm auch bereits ein Plan, wie die schändliche Tat anschließend verwischt werden kann. Schnell wird noch die Ursel vom Vorhaben überzeugt und dann geschieht, was geschehen muss: Der angekündigte Reisende Szulski kommt – und kommt um. Wie genau sich Letzteres zuträgt, bleibt im Ungefähren, der Pole verschwindet einfach mir nichts, dir nichts. Hradscheck aber, auf den naturgemäß der erste Verdacht fällt und der plötzlich am Stammtisch in seiner Wirtschaft über das Geld aus einer unverhofften Erbschaft jubelt, scheint zunächst auf die richtige Vertuschungstaktik gesetzt zu haben. Nichts kann ihm nachgewiesen werden, der tote französische Soldat erweist sich als erstklassiger Handlanger. Wären da nur nicht die Gewissensbisse, die seine Frau heimsuchen und vor allem nicht das Misstrauen seiner Nachbarin Jeschke, die argwöhnisch als letzte im Dorf nicht wirklich an Abels Unschuld glauben will. Dass die Jeschke – als Frau fortgeschrittenen Alters – über Hexenkräfte verfügt, gilt als ausgemacht, und so kann Abel sich auch nicht ganz sicher fühlen, als bereits wieder Gras unter seinem Birnbaum wächst. Die Weinbeeren jedenfalls scheinen mehr zu wissen, als sie beim Verhör zugeben wollen und verschanzen sich hinter ihren Glühweinbechern…Fontänchen

Monsieur Fontane soi-même

doimlinque: Wusstest Du, dass Herr Fontane seinen Nachnamen angeblich ohne das klingende E am Ende ausgesprochen hat? Um seine Hugenottenroots herauszukehren.

Diander: Nein, wusste ich nicht, kann ich aber als Abkömmlingin ebensolcher alter Hugenotten bestens nachvollziehen. Der Mädchenname meiner Mutter endete mit einem gepflegt fronsösischen „in“, das sich genäselt viel besser macht. In der Ecke Deutschlands tummelten sich wohl eine ganze Truppe solcher GesellInnen.

doimlinque: Ach nee, ne Franzbacke! Hätten wir das also auch rausgefunden. Wie unsympathisch… Aber gut, es sei Dir verziehen. Hat natürlich alles etwas mit dem Potsdamer Edikt zu tun. Fontane jedenfalls ist für mich immer der absolute Vorzeigepreusse gewesen. Der aber eben stets auch ein wenig Abstand zu den Piefkes gewahrt hat. Lustig.

Diander: Ja, und auch sehr protestantisch karg, was ja nun im „Birnbaum“ eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Schon eigentümlich aus heutiger Sicht, diese Hakeleien zwischen den Katholschen und den Lutherischen.

doimlinque: In etwa so eigentümlich wie der feste Glaube an das Hexentum der alten Nachbarin. Andererseits: Die ist ja wohl schon über 50, da hört man ja die wildesten Sachen.

Diander: Jaja, Farnkrautsamen stehen seither auf der wöchentlichen Einkaufsliste. Frechdachs!

doimlinque: Gleichzeitig ist diese Mutter Jeschke natürlich in gewisser Weise die zentrale Figur, gerade weil sie mit ihrer Spökenkiekerei so halb im Spiel, halb seriös die einzige ist, vor der sich Hradschek nicht sicher fühlen kann.

Diander: Tatsächlich, ja. So eine wilde Mischung aus Krösa Maja und Cassandra, gepaart mit Agatha Christie. Obwohl sie vom Pfarrer, oder Pastor Eccelius zwar in den Senkel gestellt wird, hört sie nicht auf, ihr Misstrauen Hradschek gegenüber mit allen Mitteln unter die Leute zu bringen. Mal mit dem Aberglauben, mal mit irgendwelchen Beobachtungen. Ohne sie wäre die ganze Chose unter den Birnbaum gekehrt worden. Und obwohl sie intuitiv – so kann man vielleicht sagen – Recht hatte, bleibt sie doch ein garstiges altes Weib.

doimlinque: Sie ist keine große Sympathieträgerin, aber eines der Dinge, die ich an der Novelle so mag, ist gerade dieses intuitive Moment. Der Mord wird eben nicht durch irgendeinen McSherlock aufgeklärt, der auf den letzten Seiten der staunenden Menge einen Vortrag über all die kleinen Indizien im Schatten des Birnbaums hält, sondern weil ein „garstiges altes Weib“ (Diander) ihren Nachbarn auf dem falschen Fuß erwischt.

Diander: Lustig ist dabei, dass im Grunde, obwohl der „Birnbaum“ als einer der ersten Krimis gezählt werden kann, nicht einmal hundertprozentig klar und ausgesprochen wird, dass tatsächlich ein Mord geschah. Man kann es zwar aus den Andeutungen, dem Geraune und den Vorkehrungen der Eheleute Hradschek schließen, aber bewiesen ist ja nun nicht einmal letztendlich gegen Schluss der Mord. Immerhin könnte mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,001% der olle Szulski im Suff die Kellertreppe runtergefallen sein. Eigentlich geht es auch gar nicht so sehr um den Mord an sich, sondern mich hat die Story ein wenig an „Schuld und Sühne“, die innerliche Verfasstheit der wahrscheinlichen Mörder erinnert. Das fand ich hervorstechender.

doimlinque: Es ist in jedem Fall keine Spur von analytischem Drama, wo die Tatortnation versuchen muss, das Vorhergeschehene aufzudröseln. Hat mir auch sehr gut gefallen, ja. Fontane wählt Tiefendeutung über Spannung, und dann erzählt er in diesem klassischen Fontane-Parlando wie sich die Dinge entfalten. Es ist ja auch – um darauf noch einmal zurückzukommen – nicht ganz eindeutig, was schließlich mit Hradschek geschieht. Hat er ein Gespenst gesehen? Ist ihm das Farnkraut zu Kopf gestiegen? Da wird dann einfach so drüberhinwegerzählt, das finde ich grandios.

Diander: Ebenso, der klassische whodunit wäre langweiliger. Im Grunde ist es ein Psychogramm einer kleinen Dorfgemeinschaft, mit all ihren Facetten von Trunkenbolden, Pietisten, Waschweibern und Dorftrotteln bis zur gnädigen Frau, die keiner leiden mag. Und die Todesfälle ein gewisses Decorum.

Skulls 'N' Pears

Leichenfund en passant

doimlinque: Das letzte ist schön gesagt. Vielleicht ist man nach einem Jahrhundert der Krimiflut auch einfach nur ein wenig abgestumpft, was all diese offensichtlichen Schemata betrifft, aber mir imponiert es einfach, wie Fontane sich dem komplett verweigert und lieber seinen Schnack verzählt. Mit Todesfällen als Beigabe.

Diander: Ist Dir übrigens – apropos Glaube und Aberglaube, der Vorname „Abel“ aufgefallen? Wenn mich meine religiöse Grundausbildung nicht im Stich lässt, war da mal ne biblische Story über Kain und Abel, bei der allerdings Kain der Übeltäter war. Zufall? Man mag es nicht so recht glauben…

doimlinque: Zumal sich bei Fontane immer wieder derlei sprechende Namen finden. Aber was folgerst Du daraus? Dass Fontane in der Sonntagsschule nicht aufgepasst hat? Oder dass die Sache mit der Schuldfrage – in der Bibel wie im Oderbruch – relativ ist?

Diander: Ich weiß es auch nicht so recht, es gäbe aber ja schon mehrere Möglichkeiten. Einerseits, dass es oft einer Ansicht aus mehreren Seiten bedarf, um eine Schuldfrage zu klären. Oder aber eine Anspielung auf den Glauben/Aberglauben-Aspekt, so frei nach dem Motto, wer weiß schon, was tatsächlich die reine Lehre ist und ob das, was in der Bibel so kolportiert wird… Ach, was weiß ich. Nüschte.

doimlinque: In jedem Fall stellen Glaubensfragen ein ziemlich zentrales Motiv in der Novelle da, ohne dass man direkt sagen könnte, was Fontane damit bezweckt. Abels Frau ist zum Protestantismus konvertiert, um ihn ehelichen zu können, der Pastor ist ihr Busenfreund geworden, Abel weiß nicht so recht, was er glauben soll, und die Jeschke steht so ein wenig jenseits von Gut und Böse. Als Hexe ist es ohnehin egal, ob man nun Evangelen oder Katholen die Pest an die Backe zaubert. Und irgendwie scheint da von ihr so eine Kraft auszugehen, die sich dann über Abels Denken legt, denn eigentlich ist der Morddrops doch längst gelutscht, als es ihm dann doch an den Kragen geht. Weil die Jeschke ihn zuppelig gemacht hat!

Diander: Jow. Aber um die Katholen/Evangelen-Frage noch weiter auf die Spitze zu treiben: Beide Mordopfer, der selig Franzos wie auch der polnische Schuldeneintreiber dürften katholisch gewesen sein. Zumindest beim Franzosen wird dies ja schwer vermutet, und entgegen einiger Bedenken findet er trotz dieses Makels Einlass auf dem Gottesacker, nicht ohne den Hinweis, dass „die Katholschen bei Lichte besehen auch Christen seien“.  Was ich übrigens an dem Szulski einigermaßen interessant fand, ist, dass er als quasi-Kriegsberichterstatter ein wenig politischen Zeitgeist in die Story transportiert hat. Da hat Meister Fontane anscheinend ein Sprachrohr gesucht und gefunden, um über den Adel und dessen Geldgier abzulästern. Obwohl ich zugeben muss, über die polnischen Freiheitskriege im 19. Jahrhundert nicht so rasend Bescheid zu wissen, denke ich, sind da durchaus gewisse Sympathien des Verfassers erkennbar.

doimlinque: Schule war nicht so Dein Ding früher, oder wie? Nee, ja, das ist heute nicht mehr so präsent, stimmt. Aber es ist schon ziemlich elegant, Sympathie hin oder her, wie Fontane das ganz unprätentiös als Wirtshausgespräch ausbreitet. So wird, finde ich, die ganze Geschichte noch ein wenig geerdeter und – quasi – wahrer (wenn man diesen Komparativ zulassen möchte). Es erinnert mich ein wenig an Fontane, den Wanderer durch die Mark Brandenburg, der hinter jedem umgefallenen Grabstein ein Anekdötchen hervorkramen kann. Ganz was anderes, nämlich Schwenk zu unserer Klassikerfrage: In was für einem Buch blätterst Du denn so?

Diander: Ah, ich habe mir en passant eine kleine, handliche Ausgabe in der Sparpreisvariante von Anakonda mitgenommen. Besitze allerdings den Birnbaum auch in einer großen Sammlung. Die liegt aber beim Lesen im Bett immer schwer in der Hand und fällt aus selbiger, so dass ich das Ding in mehreren Variationen daheim habe. Einmal in Leinen, einmal klein und Hardcover. Und wahrscheinlich aus grauer Vorzeit noch unauffindbar noch eines irgendwo in den hinteren Ecken und Nischen des Bücherregals. Und Du?

doimlinque: Mehrere Exemplare, toll, Du bourgeoise Angeberin. Ich habe aus dem Volkseigenen Betrieb Volk und Buch aus dem Jahr 1952 eine wunderbar angefressene Werkausgabe, da ist es Band 7. Mehr hatten wir damals nicht. Und sag mal, Du als Quasi-Zeitgenossin des Autors, hast Du eigentlich etwas von Fontane in der Schule lesen müssen? Ich nämlich nicht, und eigentlich bin ich da ganz froh drüber. Ich glaube, dass man für die allermeisten Fontanetexte einem gewissen Lebensalter entwachsen sein muss. Jedenfalls mir ging es so, dass ich vor 20 Jahren genau null mit ihm anzufangen gewusst hätte, während ich heute keine Gelegenheit auslasse, ihn ungefragt links und rechts weiterzuempfehlen.

Fontaneregal

Fontane-Schrein

Diander: Aaah, schwer zu sagen, meine Schulzeit ist ja, wie Du so frei warst, zu berichten, ca. 150 Jahre her.

doimlinque: Eine Hexe! Haltet sie!

Diander: Jaha, Obacht! Nein, Spaß beiseite, wir haben damals tatsächlich Effi Briest gelesen. Und ich habe es aus dieser Zeit nicht in fürchterlicher Erinnerung. Und sogar mein Junior hatte es vor nicht allzu langer Zeit als Schullektüre und es hat ihn nicht nachhaltig traumatisiert, sondern ihm sogar gefallen.

doimlinque: Hört, hört, wohlerzogen. Noch einmal zurück zu den Polenscharmützeln, die gehen mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf. Im Buch steht es nicht explizit, aber für Fontanes Zeitgenossen wird es kein Geheimnis gewesen sein, dass einer der Befehlshabenden Offiziere, die im russischen Auftrag den Aufstand niedergeknüppelt haben (Szulski/Fontane beschreibt das recht martialisch) der damalige preußische Prinz und spätere erste Hohenzollernkaiser Wilhelm I. war. Das finde ich doch eine ziemlich explizite Anklage des zum Zeitpunkt der Novellenveröffentlichung noch regierenden Staatsoberhauptes. Von wegen Oberpreuße Fontane. Gleichzeitig ist es eben auch ziemlich elegant verpackt, um die Bande gespielt, gewissermaßen.

Diander: Ja, geschickt verpackt auch insofern, dass er die polnische Geschichte verwendet, um den Adligen über die Bande eins mit zu geben:

„Das Volk war gut, Bürger und Bauer waren gut, alles einig, alles da mit Gut und Blut. Aber der Adel! Der Adel hat uns um dreißig Silberlinge verschachert, bloß weil er an sein Geld und seine Güter dachte. Und wenn der Mensch erst an sein Geld denkt, ist er verloren.“

Da fress ich doch einen Besen aus Birnbaumholz, wenn damit nicht der deutsche Adel mit gedacht und gemeint war.

doimlinque: Erst kommt das Besenfressen, dann die Moral, ja.

Diander: Anschließend fliegt die Hexe übrigens auf dem Besen davon…

doimlinque: Das Abarbeiten am Adel hat man natürlich öfter bei Fontane. Vielleicht noch nicht einmal generell als Kritik an der Aristokratie als solcher, aber doch auf jeden Fall an den dekadenten Phänotypen der Fontanezeit, die eigentlich immer negativ gegen die bürgerlichen Protagonisten gespiegelt werden. Bei „Irrungen, Wirrungen“ ist das so, bei „Stine“ und natürlich auch bei „Effi Briest“.

Diander: Sehr richtig, die Irrungen und Wirrungen kamen mir auch eben dazu in den Sinn, lese ich gerade des nächtens vor dem Einschlafen.

doimlinque: Wobei im Fall von „Unterm Birnbaum“ auch die anderen Klassen nicht unbedingt gut wegkommen, denke ich mir gerade. Wenn man es recht betrachtet, möchte man nicht gerne in diesem Oderbruchkaff begraben werden – aber genau das passiert mit allen Zugezogenen: Der Franzose natürlich, dann Szulski, weiter die zugezogene Ursel und im Grunde genommen muss man Abel selbst auch mitzählen, denn der war ja auch erst zehn Jahre zuvor aus dem Nachbarkaff hergezogen. Die Dorfelite – Bauern, Pfaffe, Justizrat – vollziehen da ganz schnell den Schulterschluss und stellen die dörfliche (Pseudo-)Ordnung wieder her. Da machste nix, wenn Du nicht bis ins Mittelalter Deine Wurzeln dort hast oder eben die richtigen Autoritäten im Rücken.

Diander: Den am offensten feindseligen, den Herrn Oberpolizisten Geelhaar nicht zu vergessen. Und am Ende legen sie auch noch gemeinschaftlich fest, hatten wir ja vorher schon diskutiert, wer wann wie oder auch nicht Zugang zum geweihten Gottesacker findet. Die Ursel wurde von dort ganz schnell wieder rausgeworfen, wenn man das so sagen kann. Naja, Grabschändung ist dann auch noch ok, wenn man sich vor Ort so einig ist.

doimlinque: Finde ich an der Stelle auch bedenkenswert, wie schnell das Lieblingsschäfchen Ursel vom Pastoren wieder fallengelassen wird, nachdem von ihr nichts Gutes für ihn mehr zu erwarten ist.

Diander: Wobei das ja eigentlich auf einer Intrige beruht, sie wollte ja Geld für den Polen in Seelenmessen spenden. Und Abel berichtet dann, um sich damit nicht zu verraten, dem Herrn Pastor von einen schweren Rückfall ins Katholische. Er macht also seine Ursel beim verehrten Herrn Pastor schlecht und leitet darauf ihren Rauswurf aus dem Kirchhof ein. Wasne Pfeife.

doimlinque: Neben Mord auch noch Rufmord, meinst Du? Tja. Und dann wird ja gleich zu Beginn auch noch in einem Nebensatz erwähnt, dass seine erste Geliebte auch auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen ist, nicht wahr? Und seine Kinder, an deren Todestag die Handlung der Novelle einsetzt, vermisst er auch nicht wirklich, er sieht in ihrem Ableben wohl eher eine materielle Entlastung. Womit mehr oder minder schon auf den folgenden Mord aus Habgier bzw. materieller Not verwiesen wird, denke ich. Trotzdem und auch wenn es komisch klingt: Als völliger Unsympath wird Abel eigentlich nicht geschildert. Er ist gesellig und umgänglich im Wirtshaus, nicht unfreundlich zu seinen Bediensteten, nur halt ein klein wenig mörderisch unterwegs.

Diander: Nun, das ist die Rolle, die er spielen muss, um als Wirt die Geschäfte am Laufen zu halten. Aber ich finde schon, dass sich da nach und nach ein unsympathisches Gesamtbild zusammenfügt, wie ein Puzzle. Da, ich habe gerade noch einmal die Stelle mit dem Tod der Kinder rausgesucht:

„Nun ja, sie sind tot, aber ich kann nicht trauern und klagen, dass sie`s sind. Umgekehrt, es ist ein Glück.“

Damit ist ja nun alles gesagt, das ist normalerweise der Part der bösen Stiefmutter im Märchen. Die Quadratur des Unsympathischen, wenn Du mich fragst.

doimlinque: Ja, naja, jein. Ich sage ja nicht, dass er ein knuddliger Teddybär ist. Aber es ist eher so eine Art unbeteiligte Unbekümmertheit, als abgrundtiefe Bosheit, die ich da wahrnehme. Es läuft am Ende freilich auf dieselbe Hartherzigkeit hinaus, das gebe ich zu.

Diander: Der völlig unauffällige, freundliche Mörder von nebenan. Nicht das erste Mal, dass jemand so beschrieben wird, ja.

doimlinque: Und im Grunde scheint mir da auch das Hauptaugenmerk von Fontane zu liegen: In der Charakterzeichnung der Protagonisten. Und eben nicht auf so einer klassischen Krimi-Architektur mit Meisterdetektiv Blomquist. Ich habe übrigens eine Hörspielbearbeitung der Novelle von Günther Eich gefunden, und da fallen tatsächlich all die Fontaneschen Subtilitäten mehr oder weniger unter den Tisch, alles wird auf die Jagd nach dem Mörder reduziert. Da sieht man, im Umkehrschluss, wie reichhaltig Fontane sein Krimigerüst am Ende ausstaffiert hat.

Diander: Gut gebrüllt, Löwe!

Wurzelwerk

Unterm Birnbaum tief im Wurzelwerk…

Genug über Birnbäume geschnackt, der weitere Abend gehört den Weinbeeren, den Orangenplätzchen, den Zimtsternen und Walnussbissen,…Übrigens ist der Smalltalk allen Norddeutschen, besonders justrecently gewidmet!

Hier für alle Interessierten die weiterführenden Links:

  • „Unterm Birnbaum“ online bei Gutenberg
  • Und das erwähnte Hörspiel hier

 

Die Weinbeeren wünschen allseits sehr, sehr fröhliche Weihnachten in die Runde!

18 Gedanken zu „Simsala Birnbaum basala dusala tot

  1. Diander Autor

    Übrigens, was ein wenig dem Sprechen mit vollem Plätzchenmund ähnelt, ist das Platt, das besonders Mutter Jeschke im „Birnbaum“ spricht. Ein wenig schwer zu verstehen für südlich der Weißwurschtgrenzn lebende… Wenn man es aber halblaut liest/ murmelt, ist der Sinn erkennbar. Und hat mich an meine Tante Luise selig erinnert, die wohl ein ostfälisches Platt gesprochen haben muss. So ähnlich, wie es bei Tante Luise als Abgrenzung funktionierte, scheint mir der Wechsel zwischen Platt und Hochdeutsch zwischen den Einheimischen und den Zuagroasten in der Novelle zu funktionieren. Eine klare Unterscheidung, wer hier einheimisch ist, und wer nicht.

    Grüßle, Di

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    1. doimlinque

      Ja, was ist das, Märkisches Platt? Inzwischen wohl dem Aussterben nahe. Obwohl ich mich daran erinnere, vor nicht allzu langer Zeit in irgendeiner Berliner Stadtgazette von einer Initiative irgendwo im Brandenburgischen gelesen zu haben, wo es darum ging, den „Lütten“, wie es da beständig hieß, neben Hochdeutsch endlich auch wieder das Idiom der Vormütter in den Schulen angedeihen zu lassen. Es kam ein klein wenig aufgesetzt daher, aber prinzipiell bin ich ja großer Verfechter der Dialektpflege.
      In der deutschen Literatur kenne ich gar nicht so viele Beispiele, wo Mundart wirklich konsequent eingesetzt wird, dabei ist das, wie Du schon meintest, das Plattdüütsch doch eigentlich ein 1A-Distinktionsmerkmal und ein schöner Farbtupfer im Text.

      Gruß, d.

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      1. dame.von.welt

        Platt habe ich im Oderbruch noch NIE gehört, dort wird bildschön berlinert, viel mehr und viel schöner als in Berlin. Der sprachliche Umgang mit Hugenottenansiedlungen ist entsprechend, Beauregard und Vevais (gehört zu Wriezen) wird Bau-Regart und Weh-weiß gesprochen.

        Zum konsequenten Einsatz von Mundart empfehle ich (wahrscheinlich zum soundsovielten Mal) Mittelreich von Josef Bierbichler – besonders das vom Autor gelesene Hörbuch und ich bin auch schon neugierig auf den im Frühling in die Kinos kommenden Film mit u.a. Martina Gedeck, den Rest – Buch, Regie, Hauptrolle – erledigt der unermüdliche Bierbichler selbst.

        Herzliche Grüße an die Weinbeeren (wo ist denn die Anchesa?)

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        1. Diander Autor

          Platt habe ich im Oderbruch noch NIE gehört, dort wird bildschön berlinert

          Hmmm, ich denke auch, dass Platt – wie andere Mundarten – in vielen Ecken auf dem Rückzug ist. Ich hatte mir das anlässlich des Buches mal angesehen, wo wie Platt gesprochen wird/wurde, da scheint es ja mehrere Ecken zu geben, eigentlich quer durch den Norden. Wobei ich nicht in der Lage wäre, die einzelnen Regionen sprachlich zu unterscheiden, für das ungeübte Ohr ist Platt vermutlich Platt. Wahrscheinlich so ähnlich, wie umgekehrt für jemanden, der in Bayern nur einen Dialekt hört, während Ortskundige ziemlich genau unterscheiden können, wer welchem Regierungsbezirk, welchem Biotop zugehörig ist.

          Der Bierbichler, eine Wucht, sprichwörtlich. Den Tipp mit dem Buch kannte ich noch nicht, danke!

          (wo ist denn die Anchesa?)…

          Anchesa lässt sich entschuldigen, sie ist analog unabkömmlich. Keine Sorge, es gibt keine Weinbeereninterne Krise, wir alle waren eine ganze Zeit hier mehr oder weniger auf Sparflamme, Leben wollten gelebt werden, Arbeit musste weggearbeitet werden. Aber wenigstens 2/3 von uns haben sich mal wieder einen Ruck gegeben.

          Grüßle, Diander

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        2. doimlinque

          …viel mehr und viel schöner als in Berlin.

          Tatsächlich glaube ich, dass Berlin so groß und divers ist, dass es sich lohnte, die einzelnen Bezirke nach ihren jeweiligen Dialekten abzuklopfen. (Was bestimmt auch von armen Linguistendoktoranden fleißig getan wird.) Es ist gar nicht vorstellbar, dass es keine gravierenden Unterschiede gibt zwischen dem Kottbusser Tor, dem Siemensdamm und dem Kollwitzplatz. Leitfrage (sic!) wäre dann: Wo wird das echteste Berlinerisch gesprochen? (Die Lösung könnte freilich im Oderbruch begraben sein.)

          Gruß, d.

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          1. dame.von.welt

            Wo wird das echteste Berlinerisch gesprochen?

            Die Frage ist inzwischen eher: wo wird überhaupt noch berlinert und die Antwort ist: dort, wo es wenig Neu- und Besser-Berliner gibt und das Geld eher knapp ist.

            Noch Jahre nach der Wende gab es einen hörbaren Unterschied zwischen West- und Ostberlin und im größten Villenviertel Europas wird nach meiner Erfahrung gar nicht berlinert (im Unterschied zu den Hamburger Elbvororten).

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            1. doimlinque

              Die Frage ist inzwischen eher: wo wird überhaupt noch berlinert und die Antwort ist: dort, wo es wenig Neu- und Besser-Berliner gibt und das Geld eher knapp ist.

              Es ist alles noch viel schlimmer als gedacht: Einem smarten, jungen Staatssekretär aus dem Westmünsterland ist neulich aufgefallen, dass in Berlin im Grunde genommen nur noch Englisch gesprochen wird.

              Dabei wird es ja so richtig spannend eigentlich erst, wo sich Sprachen und Dialekte gegenseitig befruchten. Das Schwäbisch der Prenzlbergkinder ist ein anderes als in Sindelfingen, das Türkisch des Dönerverkäufers in Kreuzberg vermutlich ein anderes als das seiner Cousine am Schwarzen Meer.

              Ich höre übrigens, fällt mir ein, meinem Spandauer Freund seine Roots an, egal, ob er nun sein komisches Deutsch, Englisch oder Italienisch spricht. Hinter jeden Satz wird ein „Wa?!?“ geklemmt.

              Gruß, d.

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              1. Diander Autor

                @ doimlinque und DvW:

                Es gab unter „Moin, Grüezi, Servus“ -vom «Tages-Anzeiger» in Zusammenarbeit mit «Spiegel online» entwickelt – ein Quiz, mit der anhand von ein paar Fragen ermittelt werden kann, wo man so spricht, wie man selber. Sprich, wo die sprachliche Grundausbildung gelegt wurde. Grundlage war eine Studie, der Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA). Entwickelt wurde dies u.a. von der Uni Salzburg. Die Forscher meinen ebenfalls, dass Dialekte auf dem Rückzug sind.

                Und dies aus zwei Gründen:
                Erstens, weil …
                politische Grenzen immer stärker sprachtrennend wirken. Ein Beispiel dafür: Früher war die Bezeichnung Erdapfel (Herdöpfel) außer in der Schweiz und in Österreich auch in vielen Gebieten Süddeutschlands in der Alltagssprache sehr üblich. Inzwischen zeigt sich, dass der Begriff immer mehr an die Ränder des deutschen Staatsgebiets gedrängt wird. Die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz bzw. Österreich entwickelt sich immer mehr zu einer Sprachgrenze, auf deren nördlicher Seite man Kartoffel und auf deren südlicher Seite man weiterhin Erdapfel sagt.

                und zweitens
                Formen, die schon in den 1970er-Jahren eher kleinräumig verbreitet waren, werden weiter zurückgedrängt….

                Weitere interessante Ergebnisse:
                Selbst in bisher «dialektresistenten» Gebieten Bayerns oder Baden-Württembergs übernimmt die jüngste Generation heute nicht mehr die Dialekte ihrer Eltern.
                Bilden sich in gewissen Regionen auch neue Dialekte?
                Ja, und zwar in urbanen Ballungsräumen. Diese Entwicklung gab es in den letzten beiden Jahrhunderten in Grossstädten wie Wien und Berlin oder in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet. Doch selbst bei diesen «neuen Dialekten» – auch «Stadtdialekte», «Regiolekte» genannt – zeigen sich Abbautendenzen. Diskutiert wird, ob sich in Grossstädten unter dem Einfluss von Migrantensprachen neue Varietäten entwickeln (z. B. «Kiezdeutsch»).

                Und für die Genießer des Schwyzer deutschen ein dazugehöriges Interview (ich versteh`s ;))

                Leider ist das Quiz immer mal wieder servermäßig überlastet, aber ich verlink es trotzdem mal, weil es Spaß macht, wenn es funzt. Und weil es in den Fällen, die bisher getestet habe, immer gestimmt hat
                http://www.spiegel.de/static/happ/wissenschaft/2015/sprachatlas/v2/dist/#/questions

                Grüßle, Diander

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      2. Diander Autor

        Jaha, das gibt es – glaub ich – regionsübergreifend, dieses Aussterben und auch Initiativen, dagegen zu halten. Und unter der sogenannten Klassikern fallen mir auch nicht viele ein, vielleicht neben Fontane auch noch Storm. Der bringt es als ausgewiesener Norddeutscher sogar fertig, z.B. im Pole Poppenspäler die Lisei süddeutsch sprechen zu lassen.

        Was mir mit ein bisschen Nachdenken noch einfällt, sind die mittlerweile zahlreichen regionalen Krimis, die die Mundart ein wenig pflegen, aber die leben natürlich auch vom regionalen Wiedererkennungswert.

        Grüßle, Di

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        1. doimlinque

          Prominent fallen mir die Buddenbrooks ein, da wird gleich im ersten Satz – nach dem gestammelten „Was ist das.-Was- ist das…“ – so eine Sprachfront eröffnet: „Je, den Düwel ook, c’est la question, ma très chère demoiselle.“ Was da sogleich an Personeninformation offenbart wird, finde ich ungeheuerlich gut. (Ich bin mir fast sicher, dass Mann hier Tolstoi die Ehre erweist, der Krieg und Frieden auch anfangen lässt mit russisch durchwebten französischen Sätzen.)

          Und dann denke ich auch an den anderen Birnbaum von Fontane, jenen, der gemeinsam mit John Maynard wohl dafür sorgen wird, dass Fontane wohl immer irgendwie ein Hörensagenbegriff bleibt. Da parlieren der alte Ribbeck und die Kinder auch auf Platt miteinander („Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn“), womit gleich so eine Art Vertraulichkeit eingebaut wird. Und es steckt hier auch, wie in „Unterm Birnbaum“, eine – wie immer bei Fontane: indirekte – Anklage gegen die junge Generation der Adligen drin, die eben nicht mehr weise und bescheiden die Umwelt an ihren Privilegien teilhaben lässt. Zu seinen Erben sagt Ribbeck unterkühlt und in gestochenem Hochdeutsch: „Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit ins Grab.“

          Vor beinahe genau hundert Jahren wurde Heinrich Böll geboren, ich werde jetzt noch mal seine Texte auf Kölschismen untersuchen.

          Gruß, d.

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  2. justrecently

    Mesdames, Sieurs, im Dorf ward ein Spottvers herumgereicht, der da lautet: Morgenrot, Morgenrot, Abel schlug den Kain tot. Gestern noch bei vollen Flaschen, Morgens ausgeleerte Taschen und ein kühles, kühles Gra-hab..
    Von Zufall kann also keine Rede sein. Man kannte sich untereinander – nur das Establishment schwebte mal wieder nichtsahnend über den harten Fakten.
    Oder halt über den vom Meister im Ungefähren gelassenen knowns.

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    1. Diander Autor

      Hört, hört, ein connaisseur! Aber nur aus Spottversen eine Wahrheit zu schließen, kann auch gefährlich sein. Nichtsahnend – vielleicht, andererseits gilt ja seit jeher in dubio pro reo. Und die harten Fakten fehlten ein wenig, von der Leiche bis hin zu realen Zeugen. Nix genaues wusste man nicht, wie es im Süden heißt (man beachte die doppelte Verneinung).
      Grüßle, Diander

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        1. Diander Autor

          Da lasse ich doch mal den alten Stechlin sprechen, dem ja gewisse Wesensverwandtschaften mit dem (lebens-)alten Fontane nachgesagt werden:

          Er hörte gern eine freie Meinung, je drastischer und extremer, desto besser. Daß sich diese Meinung mit der seinigen deckte, lag ihm fern zu wünschen. Beinah das Gegenteil. Paradoxen waren seine Passion. »Ich bin nicht klug genug, selber welche zu machen, aber ich freue mich, wenn’s andre tun; es ist doch immer was drin. Unanfechtbare Wahrheiten gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig.«

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        2. doimlinque

          Immerhin hat bei Fontane alles seine Ordnung, jedenfalls in dem Sinne, wie sein „realistisches“ Kunstverständnis es vorsieht: Diejenigen, die Schuld auf sich laden, kommen nicht ungeschoren davon – poetic justice herrscht allenthalben. Dass Abel und Ursel mit dem Mord davonkämen, ist schlicht nicht auszudenken, und wo die geballten Dorfgewalten die Bluttat nicht ergründen können, schlagen eben das schlechte Gewissen und ein ungesunder Aberglaube zu.
          (Interessant finde ich an der Stelle auch – so als eingeflochtene Nebenmoral der Geschicht -, dass die Mörder von ihrer Beute eigentlich herzlich wenig haben. Abel baut zwar sein Wirtshaus um, aber eigentlich doch nur, weil seine Frau die Kammer, in der Szulski logierte, nicht mehr sehen kann. Und Ursel selbst haut alles für Seelenmessen für den Toten raus, ein Rückfall in ihre katholischen Anfänge. Glück hat das Geld jedenfalls nicht gebracht.)

          Gruß, d.

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    2. doimlinque

      …nur das Establishment schwebte mal wieder nichtsahnend über den harten Fakten.

      Lügenpresse, auf die Fresse!

      Den gesamten Nexus der Glaubensfragen und religiösen Anspielungen in der Novelle finde ich ebenso interessant wie schwer greifbar. (Wie es sich für eine spannende Lektüre gehört.) Wie man auch in ihrem Spottvers nicht genau den Finger auf das Gemeinte legen kann. Es bleibt so ein Gefühl der ironischen Brechung des Überlieferten. Der Pastor jedenfalls (Herr ecce homo Eccelius) ist in der Novelle noch die größte Pappnase.
      Und es gibt da eben auch diese lustige Vermischung von Glaube und Aberglaube. Eccelius betreibe „weißen Spuk“, heißt es einmal, während gleichzeitig Abel Hradscheck die Worte der hexigen Nachbarin Jeschke in Erinnerung bleiben „als ob es ein Evangelium wär“.

      Unterm Strich sehe ich da – analog zu der geharnischten Adelskritik – so eine Bespöttelung der Kirche, die durch die Blume daherkommt, ohne dass man Fontane dafür gleich den Taufschein wieder abnehmen könnte.

      Gruß, d.

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  3. Diander Autor

    Diesen 30. Dezember hätte Fontane 198. Geburtstag gefeiert, Zeit, auf ihn anzustoßen und für seinen eigenen Rückblick…

    Rückblick

    Es geht zu End und ich blicke zurück.
    Wie war mein Leben? wie war mein Glück?

    Ich saß und machte meine Schuh;
    Unter Lob und Tadel sah man mir zu.

    „Du dichtest, das ist das Wichtigste …“
    „Du dichtest, das ist das Nichtigste.“

    „Wenn Dichtung uns nicht zum Himmel trüge …“
    „Phantastereien, Unsinn, Lüge.“

    „Göttlicher Funke, Prometheusfeuer …“
    „Zirpende Grille, leere Scheuer.“

    Von hundert geliebt, von tausend mißacht’t,
    So hab ich meine Tage verbracht.

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