Linkshänder. Ein Torso

Es waren bekanntlich die Vordenker der Frühromantik in Deutschland, allen voran Stan Schlegel und Ollie Novalis, die das Fragment zur geeigneten Textform für jederlei genialische Wortmeldung ausriefen. Blitzgescheit, verspielt, Grenzen unterlaufend, Gedankenräume aufschließend – all dies und noch viele tolle Dinge mehr wurden als vorderste Kennzeichen eines gelungenen Prosasplitters ausgemacht, der rotzfrech die Starre und Luftundurchlässigkeit eines abgeschlossenen Textes zu sprengen wagte.

Die Essenz steht dann – wie im richtigen Leben – eben in den Sternen; die Zeilen auf dem Papier bilden nur das Sprungbrett für aufgekratzte Ideenläufe, entlang deren Bahnen die geneigte Leserin dem All-Einen auf die Schliche kommen kann. Was könnte man da nicht alles sagen! Zu Tode zitiert ist zum Beispiel jene Schlegel-Passage aus den Athenäumheften: „Ein Fragment muss gleich einem kleinen Kunstwerke von der umgebenden Welt ganz abgesondert und in sich selbst vollendet sein wie ein Igel.“ Oder auch: „Gebildet ist ein Werk, wenn es überall scharf begrenzt, innerhalb der Grenzen aber grenzenlos und unerschöpflich ist, wenn es sich selbst ganz treu, überall gleich, und doch über sich selbst erhaben ist.“ Starke Worte, das! Für den vorliegenden Textwust gelten sie aber mitnullkommanichten, ich hatte schlicht und ergreifend irgendwann keinen Bock mehr. Es folgt ein Stück von der Werkbank: Unfertig, unrasiert und unendlich ausfransend. Scheitern auf derlei niedrigem Niveau fühlt sich fast schon wieder an wie ein Sieg auf ganzer Linie, ähem.  

***

 

When I was an alien

Cultures weren’t opinions.

(Nirvana, Territorial Pissings)

 

She got unlimited missions
Supernatural visions
Superlunar ambitions
Extreme expeditions

(Luscious Jackson, Space Diva)

 

Das Gespräch kam nun auf die Dichterinnen im allgemeinen, und der Hofrat Rehbein bemerkte, daß das poetische Talent der Frauenzimmer ihm oft als eine Art von geistigem Geschlechtstriebe vorkomme. “Da hören Sie nur”, sagte Goethe lachend, indem er mich ansah, “geistigen Geschlechtstrieb! – wie der Arzt das zurechtlegt!” “Ich weiß nicht, ob ich mich recht ausdrücke”, fuhr dieser fort, “aber es ist so etwas. Gewöhnlich haben diese Wesen das Glück der Liebe nicht genossen, und sie suchen nun in geistigen Richtungen Ersatz. Wären sie zu rechter Zeit verheiratet und hätten sie Kinder geboren, sie würden an poetische Produktionen nicht gedacht haben.”

(Eckermann, Gespräche mit Goethe) 

 

***

 

Pale-Male-Yale! Was wie der Slogan für den neuesten heißen Scheiß auf dem stetig expandierenden Craft-Beer-Markt daherkommt, ist in Wahrheit ein griffig sich reimender Schlachtruf aus längst abgelegt geglaubten Konflikten, deren Nach- und Wiederaufbeben gleichwohl auch heute noch bzw. neuerdings wieder soziokulturelle Tsunamis von gehörigem Ausmaß erzeugt. Der flotte Reimedreier stand nämlich in den 1960er Jahren für die Zusammensetzung herkömmlicher Lektürekanons an US-amerikanischen Schulen sowie an den literaturwissenschaftlichen Instituten der großen Colleges und Universitäten. Von den Ewigmarginalisierten in verächtlichem Sinne hervorgeschnaubt, versteht sich, mit unverhohlener Wut in der Stimme. Recht eigentlich sollte die Devise zur gleichen Zeit Altes anprangern und Neues heraufbeschwören: Weniger William Shakespeare, mehr Virginia Woolf; raus mit Henry James, rein mit Ralph Ellison; weg mit Edgar Allan Poe, herzlich willkommen Djuna Barnes. Wider die abgelebten, toxisch-weißen Elitemänner, ein dreifach Hurra! für das seine Ketten endlich sprengende Gedöns.

Auf den ersten Blick könnte man an dieser Stelle eine popelige akademische Randkabbelei vermuten, einen Sturm im Elfenbeinturmwasserglas. Tatsächlich aber standen und stehen hinter der – mitunter in schärfsten Tönen geführten – sogenannten canon debate natürlich gesamtgesellschaftliche Umwälzungen, die jede einzelne berührten und noch immer berühren. In identitätsverzippelten Rollbacktagen wie heuer vielleicht sogar noch ein bisserl mehr als in den seligen Vorjahrzehnten. So ein Kanon, zumal wenn es um verbindliche Schul- und Hochschullektüre geht, weist schließlich weit über die jeweiligen Buchdeckel hinaus und destilliert gewissermaßen die von seinen Verfechtern für zwingend wissensnotwendig erachtete intellektuelle Tradition einer Gesellschaft in Prosaform. Auf den Punkt gebracht geht es darum, wie wir uns sehen und für wen wir uns halten. Beziehungsweise – das muss immer mitgedacht werden – wie uns die Kanonisten sehen und für wen sie uns halten. Beziehungsweise – auch das muss immer mitgedacht werden – wie die Kanonisten ein ganz bestimmtes „uns“ sehen und für wen sie dieses ganz bestimmte „uns“ halten. Aufgelistete Leitkultur, sozusagen, wäre nur der Begriff „Leitkultur“ nicht so ein Murks.

Die Suche nach den objektiv, sagen wir: 11 wichtigsten Romanen eines Landes/eines Sprachgebiets/der Welt ist bei Licht betrachtet offensichtlich ebenso hirnverbrannt, wie jene nach den 11 deutschesten aller Eigenschaften, die man sich geflissentlich draufschaffen sollte, wenn einem an Integration in dieses schöne Land gelegen ist. (In letzterer Auflistung bei mir selbst unumstritten auf Platz 1: Das allmorgendliche Geradekämmen aus dem Lot geratener Teppichfransen. Ich sehe nicht, wie es ohne gehen könnte.) Der Umstand, dass alle paar Monate irgendeine Publikation wieder den neuen, nun aber wirklich definitiven Kanon aller Zeiten durch die Nachrichtenflaute peitscht, verdeutlicht an sich schon die Humbugität des ganzen Unterfangens. Neben den altbekannten Marketingmechanismen des turbokapitalisierten Büchermarktes, der nach neuen Produkten schreit, bevor die alten auch nur vom umweltfeindlichen Einschweißpapier befreit wurden, erkennt die Küchenpsychologin hier vor allem das pimmelprotzige Angebertum vermeintlicher Alpharedakteure, deren kulturelles Kapital selbstredend mindestens bis zu den Sternen reicht und von dem sie uns allen nun ein paar mundgerechte Häppchen vor die Füße bröseln. Auf dass man sie ob ihrer brillant begründeten Auswahl auf Händen tragen möge!

Trotzdem – oder gerade deswegen – würde ich persönlich paradoxerweise immer für einen Kanon plädieren. Allein schon, weil es ein wunderbarer Aufhänger ist, über Literatur zu fachsimpeln und sich die Köpfe heiß zu reden. Es muss eben mitgedacht werden, dass ein Kanon zu jeder Zeit ein work-in-progress bleibt und dass die Ränder einer solchen Liste immer unscharf sind und sein müssen. Auch wenn sich der ein oder andere Name, das ein oder andere Werk als ziemlich zeitresistent erweisen, muss doch immer gelten, dass nichts und niemand in Stein gemeißelt daherkommt. Jede neue Liste muss bei Null anfangen, auch Schoethe und Giller gehören beständig auf ihre Wertigkeit abgeklopft. Recht eigentlich ist es also nicht der Kanon, für den ich plädieren würde, sondern das Ringen um einen solchen. Mit offenem Visier und ohne falsche Scheu vor dem Schlachten vermeintlich heiliger Wiederkäuer.

(…) Jane Austen ist scheiße, Jane Austen ist scheiße, Jane Austen ist scheiße.

(…) Und wie das mit Best of-Listen zu sein pflegt, ist es neben der tatsächlichen Auswahl in der Regel mindestens eben so interessant festzustellen, wer am Ende gerade nicht für würdig gehalten wird, in der Form von prüfungsrelevantem Blätterwerk auf den Nachttischen der Bildungsanbefohlenen zu landen. Kunst- und Kulturgeschichte ist nicht zuletzt eben auch Rezeptionsgeschichte, und das fängt ganz simpel mit der Frage an, welche Künstler und Werke überhaupt rezipiert werden. Ist Fanny Mendelssohn mit den gleichen Chancen ins Leben gestartet wie ihr Bruder Felix? Hat Heinrich Vogeler die Gemälde Paula Modersohn-Beckers ebenso unvoreingenommen betrachtet wie die ihres Mannes? Und durfte Dora Maar je etwas anderes sein als die Muse Picassos? Man verzeihe derlei hinkende Vergleiche, aber prinzipiell scheinen da doch durchaus relevante Fragen durch die daumendicke Schicht Polemik hindurch.

(…) So dass es am Ende des Tages nicht übertrieben ist zu sagen, tote weiße Männer hätten unsere Welt geschrieben – oder doch zumindest den weitaus größten Teil unserer Welt. (‚Unsere Welt‘ hier im Sinne von ‚unser goldener Westen‘. Und wenn man schon dabei ist, qualifizierende Sternchen einzufügen, müsste man im obigen Satz zwischen ‚tote‘ und ‚weiße‘ noch ein ‚amerikanische‘ quetschen, denn die ungebrochene Übermacht US-amerikanischer Kulturerzeugnisse hierzulande sorgt dafür, dass die Brille, durch die man auch in unseren Breiten auf die Welt schaut, eine gestarspangledbannerte ist. Natürlich alles immer mit den üblichen Wenns und Abers und regelbestätigenden Ausnahmen im Schlepptau gedacht.)

Women and fiction remain, so far as I am concerned, unsolved problems.

(Virginia Woolf, A Room of One’s Own)

(…) Würde man sich die Mühe machen, die einzelnen Freshmen-Lektürelisten an US-amerikanischen Hochschulen der letzten 100 Jahre nebeneinanderzulegen, würde man vermutlich beinahe so etwas wie Mitleid mit den Grand Wizards der White Supremacists verspüren: Wie geschrumpft sind doch im Durchschnitt die Pfründe des männlichen Weißbrots!

Ahora el más resuelto enemigo de la literatura, que pretende descontaminarla de machismo, prejuicios múltiples e inmoralidades, es el feminismo.

(Mario Vargas Llosa, Nuevas Inquisiciones, El País, 18. März 2018)

*

Im Jahr 1951 erschien in den Niederlanden das Buch eines zu jener Zeit äußerst einflussreichen Arztes und Psychologen namens Frederik Buytendijk mit dem trügerisch eingängigen Titel De Vrouw (zu Deutsch: Die Uschi). Der erste Satz des Vorworts dieses epochemachenden und bald auch ins Deutsche übertragenen Werkes bleibt auch ein Menschenleben später ebenso beeindruckend wie kontrovers: „Het uitgangspunt van deze studie is geweest, dat de vrouw een mens is“ („Der Ausgangspunkt dieser Studie war, dass die Frau ein Mensch ist“). Was zur Hölle?!? Da lehnt sich einer aber seeeehr weit aus dem Fenster und liegt gleich mit allen geltenden Lehrmeinungen über Kreuz. Die Frau ein Mensch? Ja, klar… Demnächst wird es heißen, Walfische seien Säugetiere. Erdbeeren könnten ja auch gleich Nüsse sein, Bananen Beeren und Hannover eine stinknormale Stadt an der Leine. Think outside the box, anything goes, crazy motherfucker. (Derlei offensichtliche Fake-News untergraben das Vertrauen in unsere Demokratie und treiben das Volk in die Arme populistischer Rattenfänger, meine Meinung.)

Immerhin, den Zeitgeist, jenes ominös-ätherische Wesen aus Aufmerksamkeitsgehechel, rigiden Modedogmen und Sternenstaub, hatte Buytendijk gekonnt eingefangen, und irgendetwas wird wohl auch dran gewesen sein an seinen Erkenntnissen, besser: „Erkenntnissen“. Kurz zusammengefasst fand sich jedenfalls spätestens ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts das im Abendland seit Jahrhunderten fest im Sattel sitzende Patriarchat bekanntlich in argen Turbulenzen wieder. Denn wenn Frauen (und andere Mängelwesen) plötzlich auch Menschen sein sollen, sieht die Welt doch wieder ganz anders aus. Und natürlich konnte in dem sich nun ergebenden Tohuwabohu nicht ausbleiben, dass auch der herkömmliche Kanon gehörig unter Druck geriet, siehe oben.

You used to be such a sweet young girl

Why you wanna be someone else?

(Tom Petty, Depending on You)

Dieser Druck kam dabei von außen, wie von innen: Junge Wissenschaftlerinnen förderten zum einen die vergessenen oder verdrängten Werke etlicher historischer Autorinnen zutage, für die nun in der Riege der Alteingesessenen Platz geschafft werden sollte. Zugleich ergriffen aber auch ganz aktuell immer mehr unweiße Nichtmänner die Gelegenheit beim Schopfe und schrieben sich mit ihren Texten erstmals ins Bewusstsein der geneigten Öffentlichkeit. So kamen Weltsichten auf den Tisch, die zuvor jahrhundertelang durchs Raster gefallen waren.

(…) gleichzeitig ‚Tod des Autors‘ in strukturalistischen und poststrukturalistischen Debatten von Paris bis Berkeley -> Verschwinden der Autorschaft im herkömmlichen Sinne -> feministische Literaturtheorie in der Zwickmühle -> gegen patriarchalisch vorgeschriebene Kunstwerke männlicher Autoren -> Aufwertung des Lesers auch zugleich eine Aufwertung der Leserin -> dennoch möchte man eigentlich auch, dass Frauen als Autorinnen mehr gewürdigt werden -> schwer vereinbar mit anonymer Textualität (Foucault:“transzendentale Anonymität“)

(…) Enter Ursula K. Le Guin.

Uschikatze

(…) Ein ganz besonderer Paukenschlag, weil Le Guins Romane im männlichsten aller männlichen Genres angesiedelt sind. Denn merke: Frauen mögen zwar mittlerweile auch als Menschen durchgewunken werden, aber die exakten Naturwissenschaften zum einen und abstraktes Denkvermögen zum anderen – mithin das Einmaleins einer jeden gescheiten Science-Fiction-Utopie – hängen dann vielleicht doch ein wenig zu hoch für die Vertreterinnen des schwachen Geschlechts. Selten jedenfalls hat es eine klassischere male-gaze-Situation gegeben, als den herkömmlichen Raumfahrerhelden, der in seinem mit allem möglichen Schnickschnack ausgerüsteten Turboraumschiff souverän von Supernova zu Supernova jettet und angetroffene Alienverbünde entweder vom Segen des Mikrowellendinners auf der Fernsehcouch überzeugt oder sie in einem epischen Kampf auf Leben und Tod zu stinkenden Schleimpfützen reduziert.

(…) Dass Science-Fiction mittlerweile als eigenständiger Prosazweig wahrgenommen und als potenziell ernstzunehmende Lektüre durchaus respektiert wird, liegt aber gerade eben nicht zuletzt an Autorinnen wie Le Guin, die ihre Bücher nicht exklusiv zum Vehikel naiv-langweiliger Technikwerkschauen machen, sondern die – hochtrabend ausgedrückt – in ihrem Werk in erster Linie die conditio humana ausleuchten ebenso wie ein Balzac, ein Thomas Mann oder eine Sappho vor ihnen. Die Granden der alten Kanontraditionalisten konnten sich warm anziehen.

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Der gefeierte Anthropologe Alfred Kroeber, dies wird in beinahe jedem Text über sie herausgehoben, war Ursula Le Guins Vater. In dieser Mitteilung soll wohl nicht zuletzt impliziert sein, dass das famose Fachwissen des Vaters gleichfalls irgendwie die Texte der Tochter transzendiere oder doch zumindest, dass sein eher vergleichender als wertender Ansatz in der Kulturanthropologie auch ihre Sicht auf die Welt geprägt habe. Das mag so sein oder auch nicht. (Genauso gut könnte man übrigens hervorheben, dass Herr Kroeber etwa seine epochemachenden Studien über Ishi, den ‚letzten Ureinwohner Kaliforniens‘, gemeinsam mit seiner zweiten Frau Theodora Kracaw Brown betrieb, der Mutter von Ursula Le Guin, die ihre Tochter womöglich nicht weniger geprägt hat, nicht zuletzt auch was die Rolle der schreibenden Frau betrifft. Auch dies mag so sein oder eben nicht.) Persönlich finde ich diese Vermutungen höchstens mittelspannend.

Entscheidend scheint mir an dieser Stelle viel eher, dass Alfred Kroeber einer der ersten Westler war, der sich – vermittels seiner Nebenleidenschaft, der Archäologie – eingängig mit den Wüstenhieroglyphen der Nasca-Kultur in Peru beschäftigte. Hier würde ich viel eher fruchtbaren Erklärungsgrund für das spätere Schaffen der Tochter vermuten. Denn dass diese gigantischen Sandmonumente Symbole in der Kommunikation mit außerweltlichen Lebewesen darstellen, liegt auf der Hand: Nur von extrem weit oben, aus der Weltraumvogelperspektive, sind die Zeichen gescheit lesbar; wer sich hingegen vor Ort in der Wüste auf Sinnsuche begibt, sieht lediglich nichtssagende Pfade im staubigen Geröll. Der Blick zu den Sternen ebenso wie der direkte Draht zu den Aliens sind es also, die der kleinen Ursula in die Wiege gelegt waren und die am Anfang ihrer großen Sci-Fi-Zyklen stehen.

Die gleichzeitigen Zustände der Weltkörper werden demnach sehr verschiedene Entwicklungsstufen in der Ausbildung des Kosmos darstellen, und das unermeßliche Chaos, das erst zum geringsten Theile überwunden ist, birgt noch in seinem Schooße den Samen zahlloser künftiger Welten, denn eine Welt und eine Milchstraße von Welten verhält sich zur unendlichen Schöpfung, wie eine Blume oder ein Insect zur Erde.

(Immanuel Kant, Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels)

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Ihren größten Erfolg bei Kritikerinnen und Publikum erzielte Le Guin 1969 mit einem Roman aus dem vielbändigen sogenannten Hainish-Zyklus, The Left Hand of Darkness, dessen Handlung sich kurz und knapp zusammenfassen lässt: Der Planet Gethen, seines kalten Klimas wegen auch Winter geheißen, soll aufgenommen werden in den großen Bund humanoider Planeten, das sogenannte Ekumen. (Auch good ol‘ Terra spielt in diesem Planetenreigen eine Rolle, angeführt wird die Föderation aber durch die Zivilisation auf Hain, von wo aus dereinst alle anderen Welten kolonisiert wurden.) Die überrumpelten Gethenianer von diesem Schritt zu überzeugen ist wiederum die Mission eines per Raumkapsel eingeflogenen Sternenbotens, Genly Ai mit Namen; seine – schlussendlich von bittersüßem Erfolg gekrönten – Bemühungen in dieser Sache bilden den Plot des Romans, die logbuchartigen Rapporte über das Voranschreiten seines Engagements sind der eigentliche Text. (1. Satz: „I’ll make my report as if I told a story, for I was taught as a child on my homeworld that Truth is a matter of the imagination.“) Es könnte alles so einfach sein (und das Buch nach 5 Seiten wieder an sein Ende gelangen).

Aber zum einen erweisen sich die Bewohner als weniger begeistert für den Beitritt als erhofft. Zum anderen gibt es da noch ihre aparte körperliche Verfasstheit, deren Auswirkungen stets mehr Raum sowohl in der eigentlichen Handlung wie auch in den Reflexionen Genly Ais einnehmen: Gethenianer sind von Geburt an ambisexuell, das will heißen, sie stapfen ihr Leben lang ohne festgelegtes Geschlecht durch die verschneite Landschaft ihres Planeten. (Es führt zu wunderbaren Sätzen wie diesen: „My landlady, a voluble man, arranged my journey into the East.“) Etwa einmal im Monat treten sie in eine kemmer genannte Phase der Fruchtbarkeit ein, in der sich die Geschlechtsorgane ausbilden, ohne dass festgelegt wäre, ob man es während dieser Periode mit einem Männlein oder Weiblein zu tun bekommt. Letztere Frage entscheidet sich je nach Kontext und Beziehungsstatus. Ist der kemmer vorbei, kehrt wieder Ruhe und Frieden ein. Alle können potenziell Kinder austragen und gebären. („[N]obody here is quite so free as a free male anywhere else.“) Es wird kaum geflirtet, Vergewaltigungen kommen so gut wie nicht vor, sexuelle Frustration kann sich nicht aufstauen. Genly Ai, der bei den Gethenianern ob seines Mann-Seins als Perverser gilt, kommt aus dem Staunen nicht heraus.

(Sagt König Argaven zu Genly Ai: „So all of them, out on these other planets, are in permanent kemmer? A society of perverts?…Well, it may be the fact, but it’s a disgusting idea, Mr. Ai, and I don’t see why human beings here on earth should want to tolerate any dealings with creatures so monstrously different.“)

I’m not like them

But I can pretend.

(Nirvana, Dumb)

Heutzutage kann jede Busfahrerin aus dem Stegreif druckreife Monologe über die Nuancen zwischen biologischem Geschlecht und daran gekoppelte stereotype sozio-kulturelle Erwartungen runterrasseln. Zur Zeit der Veröffentlichung von The Left Hand of Darkness war hingegen die Unterscheidung von sex und gender noch lange kein gelutschter Drops. Simone de Beauvoir hatte zwar bereits rund zwanzig Jahre zuvor provokant darauf hingewiesen, dass man nicht als Frau auf die Welt komme, sondern im Gegenteil zu einer Frau werde (“On ne nâit pas femme: on le devient.”). Prinzipiell waren Jungen und Mädchen damals allerdings noch Haferflocken: exklusiv erhältlich in den Konfektionen “kernig” respektive “extrazart”.

Vor diesem Hintergrund ist das in Le Guins Büchlein durchexerzierte Gedankenexperiment ein ziemlicher Hingucker. Durch das weitgehende Wegnehmen der Größe sex tritt sogleich die Konstruiertheit der Größe gender zu Tage. Überdies wird deutlich gemacht, wie sehr unsere Lebenswelt transzendiert wird von der Einteilung der Menschen in zwei komplementäre und dabei gegensätzliche Geschlechter und deren Rollenverständnis. Von morgens bis abends tritt Genly Ai in irgendwelche Fettnäpchen, weil er gar nicht anders kann, als die Gethenianer in Mann-Frau-Schubladen zu verorten und ihnen davon ausgehend bestimmte Charakteristiken zuschreibt. „One is respected and judged only as a human being. It is an appalling experience“, resümiert er schließlich entnervt.

(…) Le Guin hat wiederholt erklärt, dass sie es im Nachhinein als Mangel des Romans empfinde, dass sie trotz der Ambisexualität der Gethenianer in ihrem Text durchgängig maskuline Pronomina eingefügt hat. Tatsächlich ist der Effekt all der „hes“ und „his“, dass ich mir die Gethenianer beim Lesen ausschließlich als männlich denke, mit allen Urteilen und Vorurteilen, die entsprechend getriggert werden. Frauen beziehungsweise Weiblichkeit kommen in meiner Leseerfahrung des Romans also gar nicht vor. Wohl eher ein ungewollter Effekt der Probe aufs Exempel, die Fehlermeldung der Autorin also durchaus nachzuvollziehen. Andererseits bin ich gar nicht sicher, wie man den Makel beheben oder das Problem doch wenigstens umgehen könnte. Eine Vermeidung aller Pronomina ist jedenfalls undenkbar und wäre im mildesten Fall eine amüsant-akrobatische Übung in Sachen Grammatik. Ein sozusagen situationsabhängiger Einsatz abwechselnd männlich beziehungsweise weiblicher Pronomina wäre wiederrum eine Art Verrat an der grandiosen Grundidee des Gedankenexperiments und die willkürliche Einführung genderneutraler Fantasiepronomina schließlich würde wohl wenigstens auf mich höchst artifiziell und störend wirken. (Obgleich die letztere Strategie vermutlich gesamtgesellschaftlich die einzig „saubere“ Lösung darstellte.) Kurzum, es ist ein Kreuz, das Gendergewese.

Language is the liquid that we’re all dissolved in;

Great for solving problems, after it creates a problem.

(Modest Mouse, Blame it on the Tetons)

Offensichtlich wird an der Stelle nicht zuletzt, wie zentral Sprache mitwirkt am Erfassen unserer Lebenswelt. Und die bekannte Aufforderung Anne Carsons, “If language goes beyond reality, go there too”, ist in der Praxis gar nicht so liggedileicht umzusetzen, weil sich eben beides, Sprache und Realität, wechselseitig bedingt. Andererseits erscheint auch das nicht minder bekannte Diktum Ludwig Wittgensteins, “[…] wovon man nicht reden kann, davon muss man schweigen”, nur als pseudoschlau, denn dann wären famose Romane über ambisexuelle Aliens (und ebenso alles andere krass Neue, aus der herrschenden Norm Fallende) von Vornherein ausgeschlossen. Als echter Fan würde ich die Pronominachose jedenfalls nie gegen The Left Hand of Darkness verwenden. Eher erweist sich hier der Pioniercharakter des Romans, der sich dereinst mit Dingen herumschlagen musste, an denen die Gesellschaft sich heute noch die Zähne ausbeißt. (Lustig: Bei der Nennung Anne Carsons wäre es mir spontan nie in den Sinn gekommen, den Vornamen wegzulassen. Wittgenstein hingegen kommt auch super ohne daher.)

Letzter Satz: „Will you tell us about the other worlds out among the stars – the other kinds of men, the other lives?“

 

doimlinque

 

Am Ende ist es ein komischer Blogtext geworden. Einzelne Absätze ragen monolithisch aus einem Meer von Murks, Übergänge fehlen, Gedankengänge enden im Nirgendwo. Pech.

Der Gedanke, einen Text über The Left Hand of Darkness zu schreiben, begleitet mich schon seit ewig und drei Tagen. Tatsächlich habe ich auf der Rückseite der Ursulakatzenzeichnung den Dezember 2016 vermerkt als Datum ihrer Fertigstellung. (Aus einer Logik heraus, die sich mir selbst am allerwenigsten erschließt, muss ich bei Le Guin immer an Katzen denken. Womöglich hat es damit zu tun, dass der erste Text, den ich je von ihr gelesen habe, die amüsante Kurzgeschichte Schrödinger’s Cat war, die sich an dem berühmten Gedankenexperiment des österreichischen Quantenphysikers Erwin Schrödinger abarbeitet. Auf einem ganz anderen Blatt steht, dass es außer Rosinenbrötchen, Hannover und dem Tatort aus Ludwigshafen nur wenige Dinge auf der Welt gibt, mit denen man mir die Laune mehr verderben kann als mit irgendwelchen Katzenviechern, gottverdammte Teufelsbrut.)

Es ist nur zum einen so, dass das Blogschreiben auf meiner eigenen Prioritätenliste beinahe sekündlich Plätze einbüßt gegenüber den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Dashcam-Videos meiner Lieblingsautobahnen bingewatchen sowie Hasspostings gegen Ostnasen und anderes Gemüse unter restlos allen Feuilletonartikeln der ZEIT-Online vornehmen. Zum anderen schien die Sache nicht wirklich zu pressieren, Gedanken über Literatur bleiben im Zweifelsfall auch morgen oder übermorgen noch relevant – wenn man in dieser beständig abseitiger werdenden Nicht-MINT-Nische überhaupt von Relevanz reden mag. (Der niederländische Neologismus „ontlezing“ – wörtlich: „Entlesung“ – bezeichnet den Umstand, dass mehr als die Hälfte der sogenannten Millenials hierzulande bekennt, niemals nicht freiwillig die Nase in ein Buch zu stecken. Ein Hoch auf die Zukunft!)

Und nun ist Le Guin also tot, verstorben mit 88 Jahren im vorvergangenen Januar im heimischen Portland, Oregon. Mitbekommen habe ich das, als ich in einer Buchhandlung in Arnhem eines ihrer Bücher in der Auslage entdeckt habe und auf der Rückseite hinter ihrem Namen in Klammern die Lebensdaten vermerkt sah. Wie ein Blitz ist es da in mich gefahren, und auch wenn sich für meinen Textkorso augenscheinlich nichts geändert hatte, war doch alles auf einmal ganz anders. Trotzdem hat es noch einmal ewig und dreieinhalb Tage gedauert, die inzwischen angesammelten Textfetzen zu einem zumindest ansatzweise kohärenten Gebilde zu ordnen und anzudicken. Wie das eben so ist, wenn man stattdessen beständig die Updates bezüglich der Hämorrhoiden der Patentante eines Freundes von Freunden von Freunden rauf- und runterscrollen beziehungsweise mit den anderen tribalistischen Schwarmintelligenzlern zum großen Lemmingsprung in die blubbernde Influencer-Suppe ansetzen muss.

The Left Hand of Darkness liebe ich, seitdem ich es vor vielen, vielen Jahren in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig als Taschenbuch gekauft und anschließend schneller als die Gesinnungspolizei erlaubt verschlungen habe. Die Postmoderne, obwohl bereits etwas streng müffelnd, war damals noch nicht ganz so schnabbeldiwapsch wie heuer. Entsprechend prasselten von links und rechts Romane auf mich ein, in denen klassische Erzählmuster durchbrochen wurden, Protagonistinnen von den vermeintlichen Rändern der Gesellschaft herkömmliche kulturelle Leitplanken umkurvten oder gleich ganz niederrissen und Autorinnen sich kurzerhand selbst für tot erklärten. Vieles davon war ganz ungemein intelligent und witzig geschrieben, kam aber unterm Strich ein klein wenig blutleer daher: Das Allerwenigste ist mir als denkwürdig beigeblieben. In der Rückschau (mit zunehmendem Lebensalter werde ich mir selbst historisch!) sind tatsächlich sehr, sehr viele Texte dabei, die ich als gescheiterte Experimente einordnen würde, deren größtes Verdienst womöglich darin besteht, literarisch unwegsame Einbahnstraßen expressis verbis auszuweisen. Aber das ist mein persönlicher Eindruck, den ich auch nicht annähernd so vernichtend meine, wie es sich schwarz auf weiß geschrieben ausnimmt. („Fossilien einer bestimmten ästhetischen und sprachlichen Situation“, schreibt Blumenberg irgendwo über derlei Texte.)     

Ganz anders ergeht es mir in jedem Fall bei den Büchern von Le Guin, und ganz besonders bei The Left Hand of Darkness, ihrem ab-so-lu-ten Meisterwerk. Vor allem stoße ich hier auf das, was doch vielleicht das Wichtigste, ganz sicher aber ein zentrales Wesensmerkmal guter Romane ist, nämlich Akteure, an deren Schicksal ich Anteil nehme. Dazu habe ich an keiner Stelle das Gefühl, eine Streitschrift in den Händen zu halten; was sich im Roman abspielt, geschieht auf organische Weise und ohne forciert zu wirken. Die Romanhandlung ist in diesem kleinen Büchlein gerade so groß, wie die Geste, mit der Le Guin jene binären Gegensätze, die gewöhnlich ein grobes Raster über unsere Lebenswelt legen, durcheinanderwirbelt. Mann/Frau, gut/böse, hell/dunkel etc. haben als Ordnungsprinzipien auf ihrem Planeten Winter einen schweren Stand. Light is the left hand of darkness, and darkness the right hand of light, wie es an einer Stelle im Roman heißt, von der sich auch der Titel ableitet. Zu guter Letzt schreibt Le Guin in einer Sprache, die verrät, dass die Autorin neben Prosa auch immer wieder Lyrik ins Zentrum ihres Schaffens gestellt hat: Die Sätze kommen eben so knapp gehalten daher, wie jene in den hochgerühmten short stories der klassischen Moderne à la Hemingway und dabei gleichzeitig viel weniger spröde als so vieles andere aus dieser besseren Reporterschule. Le Guin hat, auf den Punkt gebracht, einen modernen Klassiker geschrieben, der mittlerweile völlig zurecht als Meilenstein der US-amerikanischen Literatur gilt. Fünfzig Jahre – genau so alt ist das Buch mittlerweile – sind wirklich nix beim Blättern durch dieses literarische Kleinod, das fresh ist und bleibt wie ein Babypups. Wayne wundert’s, dass The Left Hand of Darkness, um den Blogzirkel rund zu machen, gegenwärtig zu den Zierden jedes gescheiten Kanons gehört, mit denen sich eine neue Generation halbstarker Rotznasen herumzuschlagen hat. Das alles und noch einiges mehr hätte im eigentlichen Blogtext stehen sollen/können/müssen, wäre nicht das Leben dazwischengekommen. 

Außerdem noch relevant: Der lebensechte pale male ist übrigens eine Rotschwarzbussardart, was nun wirklich den Vogel abschießt!

 

     

5 Gedanken zu „Linkshänder. Ein Torso

  1. Diander

    Sapperlot, da hat aber einer tief in die volle Schreibtischschublade gegriffen und einen literarischen Husarenritt absolviert. Ich dachte ja zuerst bei der Überschrift, Du willst Dich nun doch feierlich auf die helle Seite schlagen und vorzeitig (13.8. Weltlinkshändertag again) eine Ode an die LinkshänderInnen verfassen. Aber weit gefehlt. Chance vertan. Le Guin also.
    Gerade lese ich, dass Andrea Camilleri sich auf den Weg zu ihr gemacht hat.

    Feine Klinge, dieser Text. Eine kleine Schwachstelle hast Du eingebaut, aber die weißt Du Schelm selbst am besten. Eine Missinterpretation einer Schriftstellerin, die durchaus aktiv die Lebensverhältnisse ihrer Zeit einer kritischen und gleichzeitig ironischen Prüfung unterzieht, sozialgeschichtlich quasi, und deren Absicht heute nur – missgedeutet – auf Geschmachte nach heteronormativem lifestyle, klassischer Rollenverteilung reduziert wird. Und alles wahrscheinlich nur wegen eines einzelnen wet shirts (obwohl rein optisch und singulär garnienichts gegen diese Szene zu sagen ist). Hach.

    Grüßle, Di

    Liken

    Antwort
    1. doimlinque Autor

      Ich dachte ja zuerst bei der Überschrift, Du willst Dich nun doch feierlich auf die helle Seite schlagen und vorzeitig (13.8. Weltlinkshändertag again) eine Ode an die LinkshänderInnen verfassen.
      Nein, Linkshänder sind Pussies. (Die Zukunft gehört den Ambidextrösen, allein schon der Artverwandtheit mit den Gethenianern wegen.)

      Chance vertan.
      Dieses Fazit kommt auf jeden Fall in die nähere Auswahl für den Schriftzug auf meinem dereinstigen Grabstein.

      Le Guin also.
      Genau. Gut aufgepasst, Schülerin Di. Brav. Weiter so.

      Gerade lese ich, dass Andrea Camilleri sich auf den Weg zu ihr gemacht hat.
      Ja, habe ich auch mitbekommen. Einerseits ein wirklich guter Krimiautor, ebenso wie eine wichtige politische Stimme wider so manche italienische Haarsträubigkeit. Andererseits habe ich mich über nicht wenige Textstellen bei ihm wahnsinnig aufgeregt, weil die so ober-male-gazig-lüstern-schlüpfrig daherkommen, dass es quietscht. Updike und Walser sind grüne Betschwestern dagegen.

      Eine kleine Schwachstelle hast Du eingebaut, aber die weißt Du Schelm selbst am besten.
      In der Tat hätte der Komplex um die Morde an den Kennedybrüdern noch weiter ausgeleuchtet werden können, womöglich sogar müssen.

      Eine Missinterpretation einer Schriftstellerin, die durchaus aktiv die Lebensverhältnisse ihrer Zeit einer kritischen und gleichzeitig ironischen Prüfung unterzieht, sozialgeschichtlich quasi, und deren Absicht heute nur – missgedeutet – auf Geschmachte nach heteronormativem lifestyle, klassischer Rollenverteilung reduziert wird.
      Bin den Text jetzt noch mal Zeile für Zeile durchgegangen – was nicht wirklich ein Zuckerschlecken war –, aber Charlotte Roche erwähne ich doch mit keiner Silbe. Weiß nicht, was Du hast. Bei mir werden im Übrigen streng objektive literarisch-qualitative Merkmale zur Beurteilung bestimmter Autorinnen oder Texte angewandt.

      Und alles wahrscheinlich nur wegen eines einzelnen wet shirts (obwohl rein optisch und singulär garnienichts gegen diese Szene zu sagen ist).
      Ich weiß ja nicht, auf welchen pornösen Seiten des Darknets Du Dich so rumtreibst, und will es eigentlich auch gar nicht wissen. Aber Martin Demichelis hat sich doch sowieso bereits vor Jahren zur Ruhe gesetzt, nein?

      Hach.
      Meine Reden und zweiter heißer Anwärter für auf’n Grabstein.

      Gruß, d.

      Liken

      Antwort
      1. Diander

        Die Zukunft gehört den Ambidextrösen, allein schon der Artverwandtheit mit den Gethenianern wegen.

        Ah wa, Ambidextrie ist mittlerweile ein wirtschaftswissenschaftlicher und hipper Kampfbegriff irgendwelcher Managermagazine und Telefonkonferenzen. Verbrannter Begriff, das will man doch nicht sein, ambidextrös. Da halte ich mir die Ohren zu und singe laut und vernehmlich wie dereinst Stevie Wonder in Another Star
        La la la la la la lala la
        La la la la la la lala la
        La la la la la la lala la
        La la la la la la lala la

        Genau. Gut aufgepasst, Schülerin Di. Brav. Weiter so.

        Erwischt. Ich kannte sie tatsächlich nicht, was ich zu vertuschen suchte.

        Bin den Text jetzt noch mal Zeile für Zeile durchgegangen – was nicht wirklich ein Zuckerschlecken war –, aber Charlotte Roche erwähne ich doch mit keiner Silbe.

        Charlotte who? Es nützt nichts, die 2,5 Insider dieses Blogs erkennen vermutlich die beiderseitige Frotzelei und wissen, wer gemeint ist. Und andere verirren sich eh nicht her. Keine Ablenkungsmanöver.

        Aber Martin Demichelis hat sich doch sowieso bereits vor Jahren zur Ruhe gesetzt, nein?

        Nein. Er ist seit kurzem back in town, um das Training der U19 zu übernehmen. Blöderweise ist mein Junior jetzt 20.
        Mist. (verkauf ich Dir auch gerne für den Grabstein)

        Grüßle, Di

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  2. doimlinque Autor

    Ah wa, Ambidextrie ist mittlerweile ein wirtschaftswissenschaftlicher und hipper Kampfbegriff irgendwelcher Managermagazine und Telefonkonferenzen.

    Das Gute ist eben, dass wir von der Natur Bevorteilten zeitgleich mit der einen Hand Managermagazine durchblättern und mit der anderen Hand souverän Telefonkonferenzen dirigieren können. Beinahe schäme ich mich für so viel Geilheit!

    Verbrannter Begriff, das will man doch nicht sein, ambidextrös.

    Neid steht Dir so gar nicht, liebe Di.

    La la la la la la lala la
    La la la la la la lala la
    La la la la la la lala la
    La la la la la la lala la

    Fett geklaut von den Doors!

    Erwischt. Ich kannte sie tatsächlich nicht, was ich zu vertuschen suchte.

    Pfff, irgendwen kennt man halt immer nicht. Kein Wunder, bei der Fülle an Schreiberlingen da draußen. Aber Le Guin ist auf jeden Fall eine Hausnummer, sehr gerne mag ich zum Beispiel auch The Dispossessed. Nicht zuletzt gefällt mir wohl, dass sie ihre Gedankenexperimente über die Verfasstheit möglicher anderer Gesellschaften nicht münden lässt in platte Formeln im Sinne eines „the grass is always greener on the other side“. Auch ihre Humanoiden sind sozusagen bloß Menschen (duh!), mit jeweils ihren eigenen menschlichen Fehlern, Unzulänglichkeiten und Potenzialen. (Je älter ich werde, desto mehr wandele ich mich zu einer Art atheistischem Anhänger der Theodizee, das am Rande.)

    Es nützt nichts, die 2,5 Insider dieses Blogs erkennen vermutlich die beiderseitige Frotzelei und wissen, wer gemeint ist.

    Stümmt, die Schlachten sind geschlagen, alle Argumente wurden ausgetauscht. Beziehungsweise: Ich habe treffliche Argumente für eine Entzauberung der gar nicht so grande dame der angelsächsischen Lettern angeführt, und erntete im Gegenzug von den Austenianern empörtes Gepruste, hohle Polemiken und anderes nichtssagendes Gewäsch. Überdruss ist mein zweiter Vorname, aber er wird sich dereinst hervorragend ausnehmen in einer Reihe zwischen Kopernikus, Darwin und, ähm, Frank Zappa.

    Nein. Er ist seit kurzem back in town, um das Training der U19 zu übernehmen. Blöderweise ist mein Junior jetzt 20.

    Einer dieser Fälle, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder lauthals lachen soll.

    Gruß, d.

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    Antwort
    1. Diander

      Das Gute ist eben, dass wir von der Natur Bevorteilten zeitgleich mit der einen Hand Managermagazine durchblättern und mit der anderen Hand souverän Telefonkonferenzen dirigieren können. Beinahe schäme ich mich für so viel Geilheit!

      Pffft, ja, mach das. Ich stricke derweil beidhändig, wie geil ist das denn. Und dann die Zigarette rechts, die Nähnadel links.

      Neid steht Dir so gar nicht, liebe Di.

      Das ist kein Neid, nur eine klare Positionierung. Links oder rechts, beides geht (für mich) nicht. Eine Schokoseite braucht der Mensch, eine, die er so richtig doll lieb hat und mit der er besser, schnell, intuitiv reagiert. Ich gehe fast jede Wette ein, dass, wenn ich Dir unvermutet eine Bierflasche zuwerfe, Du nur mit einer bestimmten Hand reagierst. Probieren wir einfach das nächste Mal. Kannst ja derweil üben.

      Nicht zuletzt gefällt mir wohl, dass sie ihre Gedankenexperimente über die Verfasstheit möglicher anderer Gesellschaften nicht münden lässt in platte Formeln im Sinne eines „the grass is always greener on the other side“.

      Weißte, woran mich das entfernt erinnert? Nee, weißte wahrscheinlich nicht, aber ich werfe mal die Houyhnhnm und Yahoos aus Gullivers Reisen in den Raum, bei denen auch so Gedankenspiele über Verfasstheit, Wesen, Rollen, Perspektivwechsel stattfinden.

      …grande dame der angelsächsischen Lettern…

      Ach ja, solange es genügend Alternativen und andere Literat*innen gibt, haben wir immerhin nebenzu einen steten running gag zum gegenseitig auf die Palme jagen.

      Einer dieser Fälle, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder lauthals lachen soll.

      Weinen, weinen ist das Wort.

      Grüßle, Di

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      Antwort

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