Archiv für den Monat September 2019

Nada, niente, tipota… oder: Hossa, hossa!

Philosophieren heißt bekanntlich sterben lernen, aber wenn der Gedankenfluss mal wieder eben so kläglich versiegt wie der Rio Grande im Staub der Wüste, kann womöglich der Blick auf die Konkurrenz dabei helfen, den Lernprozess wieder anzukurbeln. Leitfrage: Wie kratzen denn eigentlich die andern so ab?!? Einen ganz besonders stylishen Abgang legte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ambrose Bierce hin, für seinen morosen Zynismus bekannter US-amerikanischer Journalist und Kurzgeschichtenschreiber von einigem Renommee. Als dieser nämlich fühlte, dass seine Zeit gekommen sei, schnürte er noch einmal sein Säckel und brach auf gen Süden ins benachbarte Mexiko, allwo gerade eine Revolution tobte, die das Land von Anarchie zu Chaos und wieder zurück taumeln ließ. Ausweislich seiner letzten Briefe an die in der Heimat Zurückgebliebenen schloss sich Bierce dem Zug des famosen Pancho Villa an, und dann machte es irgendwann Plopp! und war mit einem Mal kein Lebenszeichen mehr von ihm zu vernehmen. Der Gringo entschwand in einem schwarzen Loch des Weltgeschehens, danach nichts mehr oder besser: nada…

Die Lücken, die das Leben lässt, werden zur besonders üppigen Spielwiese für die Fabulierfreudigen, und so muss es fast schon Wunder nehmen, dass es bis zum Jahr 1985 dauerte, bis sich endlich ein Romancier dieser Steilvorlage der Geschichte anzunehmen versuchte und sein Garn auf den Markt warf. Der alte Gringo von Carlos Fuentes versucht, eine Abenteuergeschichte um die letzte Reise des vom Autoren offensichtlich bewunderten Bierce zu spinnen. Mit wechselhaftem Erfolg.

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