Archiv der Kategorie: Literatur

Der magnetische Norden

Mit der Mitte ist das so eine Sache, zumal auf einem kugelrunden Erdball wie dem unseren. Wo eine da rechts und links, oben und unten verordnet, erzählt in der Regel mehr über die betreffende Person denn über irgendetwas anderes. Norden, Süden, Osten, Westen – alles ist relativ und jeder Jeck sowieso anders. Weiterlesen

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Sanfte kleine Melodeien

Der Mensch ist dasjenige Wesen, das hochkomplexe Geräte – genannt ‚Satelliten‘ – zusammenschraubt und diese unter immensem technischen Aufwand ins All schießt, wo sie auf minutiös berechneten geostationären Bahnen gemeinsam mit der Erde um die Planetachse rotieren und von Rundfunkstationen ausgeschickte Signale empfangen, nur um diese wiederum in die Wohnzimmer der Menschen zurückzuschicken, wo sie sich auf den Fernsehbildschirmen in Form von trashigen Reality-TV-Dramen, Kochsendungen oder Sportschauen, in denen 22 steuertricksende Millionäre das Runde ins Eckige bugsieren wollen, manifestieren. Mit Alfred Polgar gesagt: Der Mensch ist ein pathetisches Tier.    Weiterlesen

Verirrung und Verfall

 

Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr, wie bei der Jagd nach Erholung, deklamierte dereinst Laurence Sterne. Wie recht er damit hatte, erweist sich beim Blick auf den Protagonisten in Thomas Manns Novelle ‚Der Tod in Venedig‘, welcher einen Kurztrip auf den venezianischen Lido zum Anlass nimmt, unfreiwillig aus dem Leben zu scheiden.

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Fear and Loathing in Roulettenburg

Hoch her geht es in der deutschen Provinz! Ein russischer General ist mit seiner Entourage in dem kleinen Kurort Roulettenburg eingefallen und lebt mit den Seinigen auf großem Fuß. Aber alles ist nicht Gold, was gleißt: Hier, wo sich der paneuropäische Adel und das zu Einfluss gekommene Bürgertum die Klinke in die Hand geben, wo man bei Spaziergängen im Kurpark sieht und gesehen wird und wo gute Manieren die wahren Gefühle ausstechen, dreht sich im Grunde alles um die Jetons, die im örtlichen Kasino ausgegeben werden.

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Wenn einer eine Reise tut…

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n einem lauen Altweiberspätsommertag – die Sonne bescheint die letzten wehenden Spinnfäden der diesjährigen Spinnen – sitzen die Weinbeeren zusammen bei einem Gläschen Bowle. Mit den Spinnen spinnen sie über ein Büchlein, das viele kennen oder – ohne es gelesen zu haben – dem Sinne nach zu kennen glauben: Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff.

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Green light

Gib mir die Hand, ich bau‘ dir ein Schloss aus Sand. Der Stoff, aus dem die Träume sind, war schon immer für eine Erzählung gut, und Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald ist hierfür ein, wenn nicht das Paradebeispiel. Wir schreiben den Frühsommer 1922 und der Erzähler des Romans, Nick Carraway, zieht aus dem piefigen Midwest nach New York, um dort mit den großen Jungs zu spielen.

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