Schlagwort-Archive: Klassiker

Verirrung und Verfall

 

Nirgends strapaziert sich der Mensch so sehr, wie bei der Jagd nach Erholung, deklamierte dereinst Laurence Sterne. Wie recht er damit hatte, erweist sich beim Blick auf den Protagonisten in Thomas Manns Novelle ‚Der Tod in Venedig‘, welcher einen Kurztrip auf den venezianischen Lido zum Anlass nimmt, unfreiwillig aus dem Leben zu scheiden.

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Fear and Loathing in Roulettenburg

Hoch her geht es in der deutschen Provinz! Ein russischer General ist mit seiner Entourage in dem kleinen Kurort Roulettenburg eingefallen und lebt mit den Seinigen auf großem Fuß. Aber alles ist nicht Gold, was gleißt: Hier, wo sich der paneuropäische Adel und das zu Einfluss gekommene Bürgertum die Klinke in die Hand geben, wo man bei Spaziergängen im Kurpark sieht und gesehen wird und wo gute Manieren die wahren Gefühle ausstechen, dreht sich im Grunde alles um die Jetons, die im örtlichen Kasino ausgegeben werden.

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Wenn einer eine Reise tut…

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n einem lauen Altweiberspätsommertag – die Sonne bescheint die letzten wehenden Spinnfäden der diesjährigen Spinnen – sitzen die Weinbeeren zusammen bei einem Gläschen Bowle. Mit den Spinnen spinnen sie über ein Büchlein, das viele kennen oder – ohne es gelesen zu haben – dem Sinne nach zu kennen glauben: Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff.

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Mysterium, ewiglich

k black hat ein Problem. Als Reisender in einer Winternacht gelangt er in ein verschneites Dorf am Fuß eines Schlossbergs. Die Geschicke der Dorfbewohner werden vom Schloss aus bestimmt und verwaltet, jeder ihre Schritte wird offenbar beobachtet. Nach einer Aufenthaltsgenehmigung an diesem Ort gefragt, gibt K. an, als Landvermesser vom Schloss angefordert worden zu sein. In der Folge entspinnt sich ein episches Gefecht zwischen den Schlossern und K., in dem dieser sich einen legitimen Platz in der Dorfgemeinschaft zu erstreiten versucht.

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Rheinsberg – „Generationsweise vom Blatt geliebt“

„Und ich rufe Natur! Natur!“, entfuhr es dem jungbegeisterten Goethe in seiner Rede Zum Schäkespears Tag, und es ist ein seitdem nicht verklungener Aufruf zum Ausbruch geworden, ein Urschrei, der die Ketten der sich um uns windenden Zivilisation sprengen soll. Zurück zum Urtümlichen, Regellosen! Einen klitzekleinen Wurmfortsatz dieses Strebens nach dem unverstellten Menschsein beschreibt Kurt Tucholsky in seinem Büchlein „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“. Treibmittel des Konventionsbruchs ist in diesem Fall die Liebe, ganz so, wie es sich für ein Werk der Weltliteratur ziemt.

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