Tres Hombres

In einer besseren als dieser unserer besten aller möglichen Welten wäre eine Geschmacksverirrung wie Norddeutschland bekanntlich umgehend von Amts wegen verboten worden. Gehdanich Hindu war das Letzte, was sie hörten. Gleichwohl gilt es einzugestehen, dass selbst die Ureinwohner dieses Höllenvorhofs  mitunter sehr, sehr schöne Perlen vor uns Säue geworfen haben. Und nicht zu knapp auch, bei Licht betrachtet. Immer wieder stelle ich schließlich fest, dass sich erstaunlich viele Nordlichter in den Reigen meiner persönlichen Helden einreihen. Seltsam, das, aber auch darauf weiß sich der Singer-Songwriter einen Reim zu machen: Dai diamanti non nasce niente, dal letame nascono i fior‘ – etwa: Aus Scheiße Gold machen könnse, die Fischköppe.

Im Kanon deutschsprachiger Erzähler nimmt Theodor Storm einen der oberen Plätze ein, kaum, dass ihm im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert einer das Wasser reichen konnte. Jedenfalls wenn man mich fragt. Nirgendwo ist die Marschlandschaft rauer und braust das Meer wilder als in den Zeilen des alten Amtsrichters aus Husum. Eine meiner Lieblingsnovellen ist das bittersüße, beinahe unbekannte Geschichtlein Eine Halligfahrt. (In meiner vierbändigen Werkausgabe aus den 1920ern fehlt dieses gleich komplett.) Ganz zu Beginn findet sich dort der Ausspruch einer Halligbewohnerin, die zum ersten Mal Festland betritt und ins Staunen kommt, als sie der unendlichen Weite der platten Ebene gewahr wird: „Mein Gott, was is de Welt doch grot; un et gifft ok noch en Holland!“ Dieses un et gifft ok noch en Holland begleitet mich seit Jahren in allen Lebenslagen. Als tröstender Mutmacher ebenso wie als Damoklesschwert über meinem Haupt, je nachdem, wohin der Seismograph des Seelenlebens gerade ausschlägt. A propos de rien.

 

*Klick* Auch in den Folgebänden: Keine Halligfahrt

 

Fischköppe, Holland, brausendes Meer, aus Scheiße Gold machen – man soll gehen, wenn es am schönsten ist, und es wäre dann jetzt wohl an der Zeit, die Kurve zum Thema dieses Blogs einzuschlagen. Zunächst soll an dieser Stelle aber – in alter Sportreportertradition – eine Statistik an die Leserin gebracht werden, über die ich vor einigen Jahren ich weiß nicht mehr wo gestolpert bin: Die 16 größten Schiffe der Welt stoßen in der Summe ebenso viele Emissionen aus, wie alle Autos auf dem Planeten zusammengenommen.

Nun fehlt mir die Fachkenntnis zu beurteilen, ob die Verhältnisse tatsächlich genau so liegen. Außerdem steigen zum einen weltweit jährlich die Zulassungen neuer PKW rapide an und werden die klugen Köpfe hinter diesem Vergleich zum anderen noch mit den geschönten Dieselwerten der großen deutschen Automobilbauer gerechnet haben. (Noch eine an dieser Stelle halbwegs passende Statistik, die einem ebenfalls die Schuhe auszieht: Der durchschnittliche Bugattifahrer nennt 84 Autos sein Eigen. 84! Behauptet wenigstens der CEO von Bugatti, das bekanntlich zu VW gehört.) Auch wenn die Sache mit den Schiffen und den Autos also nur so um und bei stimmen sollte…mein lieber Scholli!

 


*Klick* Ist auch groß, stößt aber wenig Emissionen aus

 

Schiffe also. Und Umweltverschmutzung. Etwa neunzig Prozent des Welthandels werden bekanntlich über die sieben Seen abgewickelt. Müsste man die Globalisierung in einem Wort beschreiben, wäre „Container“ keine völlig abwegige Wahl. Nichts geht mehr ohne die Dinger. Bis zu 600 dieser Metallbehälter passen auf – entsprechend geräumige – moderne Frachtschiffe. Eine ganze westfälische Kleinstadt könnte man auf Lebenszeit und mit nur einer einzigen Fuhre von Shanghai nach Hamburg mit nagelneuen Turnschuhen aus einem asiatischen Sweatshop ausstatten. Teuer wird es erst auf dem Weg von der Elbe ins Westfälische: Etwa 80 Prozent der Kosten fallen bei derlei Importen nach Deutschland auf dem Landtransport zu den sogenannten Endverbrauchern an. Groß und billig – Schiffe schlagen LKW und Züge also um mehrere Erdumrundungen. Alle naselang müssen Hafenbecken erweitert und bestehende Kanäle ausgebaut werden, darunter auch die weltweit meistbefahrene künstliche Wasserstraße für Seeschiffe überhaupt, der Nord-Ostsee-Kanal im schönen Norddeutschland. (Älteste Filmaufnahme Deutschlands: „Opening of the Kiel Canal“ des britischen Filmpioniers Birt Acres aus dem Jahr 1895, mit tollen Ansichten von Wilhelm Zwo und seinem Schnurrbart!)

Da! Am Horizont blitzt das Thema des hier Gekritzelten auf – Land ahoi! Denn es bleibt eben die Sache mit den Emissionen. Höchstens eine Handvoll anderer Länder kann auf eine ähnlich ruhmreiche Vergangenheit als Seefahrernation zurückblicken wie die Niederlande. Trotzdem findet eines der aktuell interessantesten Vorhaben, das den schadstoffreichen Handel auf den Weltmeeren umweltverträglicher machen möchte, nicht unter niederländischer Flagge statt – und das, obwohl Amsterdam tatsächlich der Heimathafen des Projekts ist. Der Grund dafür ist so einfach wie bezeichnend: Das niederländische Seerecht kennt schon seit Langem keinen Warentransport mehr, der ausschließlich auf die Windkraft setzt. So kommt es, dass die Tres Hombres auf ihren Fahrten die Farben der südpazifischen Republik Vanuatu hisst.

 

*Klick* Sind natürlich im Vergleich zu den großen Frachtern moderat, aber ein ordentliches Kreuzfahrtschiff verbraucht auch bis zu 250.000 Tonnen Heizöl. Pro Tag. Die ‚Voyager of the Seas‘ wurde dereinst übrigens von Kati Witt getauft. Und noch eine gute Nachricht: Auch Kuba kann jetzt wieder angelaufen werden.

 

Seit nunmehr beinahe 7 Jahren gibt es nämlich wieder einen Mini-Warenverkehr per Segelschiff zwischen Europa, Amerika und der Karibik. Und das kam so: 1943 wurde die Tres Hombres das erste Mal zu Wasser gelassen – unter anderem Namen und als deutsches Minensuchboot in einem Ding, das man den Zweiten Weltkrieg hieß. Hinterher wollte es dann keiner gewesen sein ging es für das Schiff mal hierhin mal dorthin, bis es schlussendlich und schon in diesem Jahrhundert ziemlich abgerockt in Delft in den Niederlanden anlangte. Dort wurde es dann von drei jungen Herren – tres hombres – an Land gezogen, die sich die Segelrevolution auf die Fahnen geschrieben hatten. Die beiden Niederländer und der eine Deutsche hatten die Statistik mit den 16 größten Schiffen nämlich auch aufgeschnappt und wollten dem etwas entgegensetzen. So wurde der Segler von Grund auf erneuert und obendrein zu einem Frachtschiff umgebaut. Immerhin 35 Tonnen Cargo schippert man damit seither über den Atlantik. („From A to B emission free“ reimt das Firmenmotto.) Dazu werden bei jedem Törn auch Segellaien oder -anfänger mitgenommen, die sich so zu echten Seebären ausbilden lassen können. Und alles unter vanuatischen Vorzeichen.

Gegen die Mega-Containerschiffe dieser Welt kann die Tres Hombres freilich (im wahrsten Sinne des Wortes) nicht anstinken. Aber ein kleiner Kontrapunkt wird hier schon gesetzt, der vor allem seine Signalwirkung nicht verfehlt: Es ginge auch anders. Ein bisschen kleiner, ein bisschen feiner, ein bisschen weniger Turnschuhe für die westfälischen Kleinstädter. Der Rum und die Schokolade, welche die Tres Hombres vornehmlich geladen hat (dazu auch Olivenöl und Wein), haben sich jedenfalls als eigene Marken etabliert und finden reichlich Abnehmer. Die Flotte der inzwischen schlicht Fairtransport getauften Firma wird ausgebaut, im vergangenen April hat ein weiterer oller Segler die Werft verlassen.

Es kommt zugegebenermaßen alles ein bisschen arg lifestylig daher. Endhippe Produkte für die gesettlete Bourgeoisie, die weniger an dem Rum im Glas als an dem damit einhergehenden kulturellen Kapital interessiert ist: „Tres Hombres rum is a treat for anyone who shares the passion of the initial three daydreamers who brought their dream to life”, verheißt die Website bzw. „Tres Hombres rum is rum with a story, making history“. Frei nach dem Motto: Trinken und gesehen werden. Blüte einer Zeit, in der jede popelige Mittelstands-GmbH Broschüren drucken lässt mit ihrer Firmenphilosophie, in der die Worte „nachhaltig“, „mindfulness“ und „Ficknuss“ nach einem strengen Verteilungsschlüssel pro Seite mindestens so und so oft vorkommen müssen. Hauptsache irgendwas mit charity und alles ist ganz unglaublich fair getraded. Von dieser Warte aus betrachtet ist die Tres Hombres lediglich ein weiterer Seelenverkäufer auf den Weltmeeren und bietet in erster Linie ein schniekes Alleinstellungsmerkmal in einer Konsumgesellschaft, die überschwemmt wird von unnützem Gedöns in jeweils drölfundachtzig Produktversionen. Dennoch…

Die Grundidee hinter Fairtransport ist trotzdem nicht verkehrt. Es ist zwar einfach, sich über die Winzschaluppen lustig zu machen oder auch die ganze Chose als Abenteuer verwöhnter Kids abzutun, während anderswo in diesen Zeiten Menschen zu tausenden auf den Meeren ersaufen. Aber immerhin packt hier mal einer den Emissionsbullen bei den Hörnern. (Und außerdem sind derlei Argumentationen gar nicht so weit entfernt vom bornierten Gutmenschengebrüll patriotischer Abendländler, die hinter jedem Zucken des gesunden Menschenverstands die vegetarisch-feministische Weltrevolution vermuten.) Ich selbst werde also von Rum und Schoko die Finger lassen, die Irrungen und Wirrungen der Tres Hombres aber doch wohlwollend im Auge behalten. Langfristig wird übrigens an einem sogenannten Ecoliner getüftelt, einem hybrid betriebenen Containerfrachter, der mit bis zu 100.000 Tonnen Cargo dann doch wieder die Turnschuhfraktion versorgen und trotzdem etwa 60 Prozent beim Spritverbrauch einsparen könnte. Das würde die Industrie vermutlich doch aufhorchen lassen.

 

*Klick* Die Wandergans mit hartem Schrei nur fliegt in Herbstesnacht vorbei

 

Warum die Weltrevolution jetzt schon wieder von Amsterdam aus losgetreten wird, weiß ich auch nicht. Wirklich überraschend ist es allerdings nicht, denn seit jeher gilt: …un et gifft ok noch en Holland.

 

doimlinque

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27 Gedanken zu „Tres Hombres

  1. Diander

    Erste!

    Auf die Schnelle gegen Ende eines langen Tages: Schöner Blog, ein bisschen Alkohol, ein bisschen Historie, ein bisschen Weltverbesserung, ein bisschen Literatur, ein bisschen Selbstgezeichnetes. Passt perfekt ins Weinbeeren-CI/CD!

    Grüßle, Diander

    P.S. Nach den 47 Affen neulich fragt erneut eine Site, diesmal die der Treshombres , nach meinem Alter. Das passiert im Supermarkt schon seit etlichen Monden nicht mehr, wenn ich mit einer Flasche Alkoholischem an der cassa stehe. Oh, Du schönes Internet.

    P.P.S: Die Grundschullehrerin meines Filius monierte einstmals die fliegenden „M“ anstatt von Möwen (im Headerbild). Ich ahnte damals schon, die Frau hatte Unrecht, die gehören nämlich so gezeichnet, genau so!

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    1. doimlinque Autor

      Passt perfekt ins Weinbeeren-CI/CD!

      Was meinst Du denn, wie ich sonst meine Themen aussuche…?

      Oh, Du schönes Internet.

      Man müsste es glatt neu erfinden, gäb’s dat Dingen noch nicht. Und wenn es nur zur eigenen Eitelkeitsbefriedigung wäre. Ist vor allem eine unüberwindliche Schranke, so ein Alterscheck per Mausklick.

      Gruß, d.

      P.S.: Grundschullehrerinnen sind gescheiterte Oberstudienrätinnen, mit denen muss man Nachsicht haben.

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  2. dame.von.welt

    Hach, wie schön!

    Vielleicht paddeln die Weinbeeren ja doch noch eines schönen Tages zu Moby Dick, dem Roman aller Romane (immer dem Elefanten hinterher…;-)… Was für eine schöne Zeichnung!)

    Inzwischen hätte ich aber noch eine andere maritime Leseempfehlung, nämlich Wir Ertrunkenen von Carsten Jensen, der u.a. den Beginn des ganzen Emissionselends anhand der Zentrale der dänischen Seefahrt illustriert, Marstal auf der Insel Ærø.

    Carsten Jensen ist in Marstal geboren, sein Vater fuhr zur See, der weiß sehr genau, worüber er schreibt. Wer bislang glaubte, phantastischen Realismus gäbe es nur in Lateinamerika, kann sich überzeugen, daß das auch in dänisch ganz wunderbar geht. Ich konnte das Buch nicht wieder aus der Hand legen und hatte zwei prächtige Lesetage mit den knapp 800 Seiten. Ein herrliches Buch und ein papiergewordenes Argument, warum dicke Bücher so unverzichtbar sind: wären sie dünner, wären sie viel zu schnell alle.

    Der erste Satz: „Laurids Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen.

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    1. doimlinque Autor

      Vielleicht paddeln die Weinbeeren ja doch noch eines schönen Tages zu Moby Dick, dem Roman aller Romane

      Habe ich auf der Uni rauf und runter misinterpretiert, da bin ich ein wenig ein gebranntes Kind. Meine Ausgabe ist aber wenigstens sehr Weinbeeren-kompatibel, die habe ich nämlich damals zusammen mit den Three Musketeers in Nottingham erworben. (Hatte ich das dereinst schon erwähnt? Vergessen…)
      Es gibt übrigens, um hier blogübergreifend den Faden wieder aufzunehmen, ein sehr gelungenes Hörspiel dazu, mit Rufus Beck in einer der Sprecherrollen. Fliegt hier noch irgendwo in Kassettenform rum…

      Vielen Dank für den Tipp, der Name des Autoren kommt mir in ganz anderem Zusammenhang irgendwie bekannt vor, ich meine, er hätte auch etwas über den Krieg in Bosnien geschrieben. Werde das mal eruieren, wofür hat man die googles dieser Welt. 800 Seiten in zwei Tagen ist ein stolzes Pensum und spricht auf jeden Fall für den Autoren, scheint mir.
      Was Buchdicke angeht, bin ich vollkommen undogmatisch. Es muss eben passen, dann bin ich sowohl mit 100 als auch mit 1000 Seiten zufrieden.

      Gruß, d.

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      1. Diander

        Habe ich auf der Uni rauf und runter misinterpretiert, da bin ich ein wenig ein gebranntes Kind.

        Je nun, das spräche einerseits für Moby Dick – endlich einmal richtig interpretieren, wer außer den Weinbeeren im Team könnte das -, andererseits definitiv dagegen, wegen Interpretationsvorsprung und -vorbehalt. Wir werden sehen. Der Klassiker sind ja noch viele, und es werden täglich mehr.

        Worüber ich mich übrigens köstlichst amüsiert habe, ist der Kollege Gehdanich Hindu, angeheirateter Schwippschwager von Duade Glubberlweg, der spröden Großtante aus dem Süden der Republik.

        Und noch zum eigentlichen Thema, dem „greenshipping“: Das eigentliche Problem in der Schifffahrt, habe ich mal irgendwo gelesen, sei die Verwendung von Schweröl und dem entstehenden Ölschlamm. Das ahnend, kann einem den Aufenthalt an den Hamburger Landungsbrücken, ein Fischbrötchen – fangfrisch – in der Hand, schwer vergällen. Gehstemir Wegmit.

        Die Produkte der Tres Hombres hören sich allerdings spannend und angemessen hip an, sind nach Recherche auch im Süden der Republik erhältlich. Die Adresse des Vertriebspartners ist bereits notiert, für guten und außergewöhnliche Alkoholika sind hier Abnehmer vorhanden. Ob der Genuss der Schoclad sinnvoll ist, zweifle ich noch ein wenig:

        as well as (75% cacao) pure with pieces of the cacao bean inside

        Da ist wohl auch noch eine Kooperation mit dem Bundeszahnärzteverband angedacht.

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        1. doimlinque Autor

          Ich überlege gerade, ob es so etwas wie einen Interpretationsvorsprung überhaupt geben kann. Die Literaturauslegung als sportliche Disziplin, mit Gewinnern und Verlierern sowie anschließender Siegerehrung? Nee, ne. Höchstens im Sinne einer überzeugenderen und in sich schlüssigen Deutung. Aber auch da würde ich am Ende sagen, kann vieles gut nebeneinander bestehen und lässt jede Interpretation ihre ganz spezifischen weißen Flecken auf der Landkarte, die anderswo ausgemalt werden können.

          Das ahnend, kann einem den Aufenthalt an den Hamburger Landungsbrücken, ein Fischbrötchen – fangfrisch – in der Hand, schwer vergällen.

          Du meinst im Sinne von „…und auf die Schnelle noch ’ne Fischfrikadelle“ aus dem in seiner Blödheit schon wieder coolen Uralt-Schwinger der Brote? Da kann ich nur sagen: „Schon Störtebeker wusste, dass der Norden rockt, und hat mit seinem Kahn hier gleich angedockt.“ (Nur dass ich ohnehin nicht so der Fischbrötchentyp bin…)

          Da ist wohl auch noch eine Kooperation mit dem Bundeszahnärzteverband angedacht.

          Wo gehobelt wird, fallen Zähne, das war schon immer so.

          Gruß, d.

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      2. dame.von.welt

        Moby Dick wurde seit Ihren Nottingham-Zeiten neu übersetzt und das lohnt sich! Ich mag besonders die Übersetzung von Matthias Jendis, die das Buch in pures Sahnekaramell verwandelt, das vielleicht sogar gebrannte Kinder wieder versöhnen könnte…;-)…

        Moby Dick gibt’s auch als Hörbuch (Laufzeit gut 12 Stunden), übersetzt von Robert Mummendey, eingelesen von Rolf Boysen, fand ich seinetwegen auch sehr gut.

        Beim Suchen nach dem Hörspiel fand ich gerade das

        und bin jetzt wirklich sehr neugierig geworden: nicht nur wegen Rufus Beck als Ismael, sondern auch wegen der „Zufälle“. Verlinkt auch wegen des unübertrefflichen ersten Satzes von Moby Dick, die starken moralischen Grundsätze, ach ja…

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        1. doimlinque Autor

          Moby Dick wurde seit Ihren Nottingham-Zeiten neu übersetzt und das lohnt sich!

          Ich würde freilich das englische Original lesen. Ganz -oder fast ganz- distinktionsgeilheitfrei. Zum einen, weil das Biest nun Mal bei mir im Regal steht und zum anderen, weil – Vorsicht: Binse! – jede noch so gute Übersetzung immer nur eine Annäherung ist.

          Paradoxerweise würde ich immer sofort hinzufügen, dass es ein Segen ist, dass in Deutschland doch relativ viele nicht-deutschsprachige Titel in Übersetzung zu haben sind (ist zum Beispiel in den USA ganz anders und macht die US-amerikanische Buchlandschaft damit irgendwie sehr provinziell). Und dass das Übersetzungshandwerk eine viel zu wenig gewürdigte große Kunst ist. Interessant fand ich in dem Zusammenhang die kleine -> Essayreihe von Tim Parks in der New York Review of Books.

          Und gerade von Werken aus dem 19. Jahrhundert sind viele deutsche Ausgaben wohl häufig ziemlich mies, so dass Neuübersetzungen auf jeden Fall sinnvoll sind. Andererseits habe ich manchmal das Gefühl, das ist auch so eine Art Marketing-Trick der großen Verlage, die damit ihre back-pages noch einmal auf die Verkaufstische bringen können. Well…

          Bei Moby Dick denke ich auch immer an die Verfilmung mit dem eigentlich vollkommen fehlbesetzten und trotzdem famosen Gregory Peck. Ist schon ewig her, dass ich den Streifen zuletzt gesehen habe, dennoch bleiben das packende Eindrücke. Hoffentlich wird es da nie eine computer-animierte neue Hochglanzversion mit Pixelwal geben.

          Gruß, d.

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          1. dame.von.welt

            Die Verfilmung finde ich schrecklich! Als Kind hat sie mir jahrelang Alpträume beschert und als Erwachsene ärgert mich die Reduzierung auf die Abenteuergeschichte, trotz des famosen Gregory Peck.

            Übersetzungen: ich habe mal irgendwo sinngemäß gelesen, daß Shakespeare in England (abseits touristischer Volksbelustigung) deswegen seltener gespielt wird als in Deutschland, weil Shakespeares Texte in Deutschland durch die jeweilige Übersetzung verständlich gemacht werden. Jede Übersetzung ist ein neu geschriebenes Buch, das sich möglichst dicht an den Originaltext zu halten hat. Und ja: Übersetzer werden nicht nur katastrophal schlecht bezahlt, sondern viel zu wenig gewürdigt. Meine Englischkenntnisse reichen leider nur für Zeitungen und Krimis.

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            1. doimlinque Autor

              Die Verfilmung finde ich schrecklich! Als Kind hat sie mir jahrelang Alpträume beschert…

              Mir auch! Ich sehe sie direkt vor mir, diese rollenden Walaugen. Grandios! Ist aber womöglich unredlich, den Horror dem Film anzukreiden, denn als Disneyplüschfassung ist der glaube ich nie angepriesen worden.

              …und als Erwachsene ärgert mich die Reduzierung auf die Abenteuergeschichte, trotz des famosen Gregory Peck.

              Das ist so, kein Zweifel. Andererseits würde ich auch da immer sagen, dass das okay ist, wenn der Film als eigenständiges Werk funktioniert. Bestimmt könnte man das auch ganz anders angehen und zu großartigen Ergebnissen kommen, näher am Buch etc. Aber als Abenteuerfilm ist das doch eine Wucht. Damals waren Männer eben noch echte Kerle und Frauen…da fällt mir ein: Die mir vielleicht eindrücklichste Szene ist die Ausfahrt aus Nantucket, wo die Kamera kurz über die Schaulustigen am Ufer schwenkt. (Zumindest glaube ich, dass es bei der Ausfahrt ist.) Da kommt kurz eine alte Frau mit einem fusseligen Ziegenbart ins Bild – seither bin ich großer Damenbartfan.

              Übersetzungen: ich habe mal irgendwo sinngemäß gelesen, daß Shakespeare in England (abseits touristischer Volksbelustigung) deswegen seltener gespielt wird als in Deutschland, weil Shakespeares Texte in Deutschland durch die jeweilige Übersetzung verständlich gemacht werden.

              Das kann gut sein. Gleichzeitig würde ich ganz platt und prosaisch vermuten, es könne auch etwas damit zu tun haben, dass Deutschland trotz Abbaus an allen Ecken und Enden immer noch über eine ziemlich überwältigende Dichte an Theaterbühnen noch in den hinterletzten Käffern verfügt. Just sayin’…

              Jede Übersetzung ist ein neu geschriebenes Buch, das sich möglichst dicht an den Originaltext zu halten hat.

              Die Gretchenfrage ist dann eben, was genau möglichst dicht im Einzelnen bedeutet. Jedenfalls ist eine wortwörtliche Übersetzung nicht immer näher am Sinn des Originals, würde ich behaupten. Sehr weites, sehr spannendes Feld. Noch einmal anders ist es bei Poesieübertragungen, da kann mitunter und je nach Qualität der Dichter die Übersetzung am Ende das schlichtweg bessere Gedicht sein.

              Gruß, d.

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              1. dame.von.welt

                Die Gretchenfrage ist dann eben, was genau möglichst dicht im Einzelnen bedeutet.

                Hmnuja, das ist, als ob ein heutiges Orchester ein Stück von z.B. Mozart spielt: es gibt gewisse Interpretationsspielräume, die Geigen bleiben gestimmt und im Zweifel kennt der Konzertbesucher das Stück schon, auch wenn er es nie selbst gespielt hat und zum allerersten Mal in einem Mozart-Konzert ist.

                Ich weiß doch, daß ich Sie mit Zappa-Dingse erfreuen kann…;-)…

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            2. Diander

              Die Verfilmung finde ich schrecklich! Als Kind hat sie mir jahrelang Alpträume beschert und als Erwachsene ärgert mich die Reduzierung auf die Abenteuergeschichte, trotz des famosen Gregory Peck.

              Aaah, ich sehe, Moby Dick wird einfach hier im Thread schon abgehandelt, damit die Weinbeeren Kopf und Nachttisch frei für anderes haben, seeehr praktisch, so geht’s natürlich auch. Zappa geht immer, jawoll. Als Vorschlag on jutjub erschien auch noch ein (mir bis dato völlig unbekannter) anderer Shanty, ähnliche Zeit, der hier der Vollständigkeit halber ergänzt werden kann.

              Und noch ne Ergänzung, es gibt tatsächlich -> ein Remake, zumindest der Wal im Pixelformat. Von 2010, mit William Hurt (als Ahab) und Ethan Hawke. Das kann ich mir nun erstmal ü-ber-haupt nicht vorstellen, aber auch nicht beurteilen.

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              1. doimlinque Autor

                Aaah, ich sehe, Moby Dick wird einfach hier im Thread schon abgehandelt…

                Der Drops ist gelutscht, ja, die wesentlichen Punkte haben wir glaube ich abgehandelt (Gregory Peck ist ’ne geile Sau usw.).

                Als Vorschlag on jutjub erschien auch noch ein (mir bis dato völlig unbekannter) anderer Shanty

                Das kanntest Du nicht? Du Glückliche! Ich stehe im Ruf, Led Zeppelin nicht besonders viel abgewinnen zu können, und so langsam glaube ich selbst, dass da einiges dran ist :-) Es geht ja das Gerücht, man könne in den USA von Küste zu Küste über die Highways gondeln und mit ein bisschen Frequenzfinetuninggefühl in den Fingerspitzen ununterbrochen Stairway to Heaven in den verschiedensten Radiosendern hören. Ich halte das zumindest für denkbar, so verkommen wie die Welt inzwischen ist.

                Und noch ne Ergänzung, es gibt tatsächlich ein Remake, zumindest der Wal im Pixelformat.

                Ach so? Ja dann: Gute Nacht!

                Gruß, d.

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                1. Diander

                  Der Drops ist gelutscht, ja, die wesentlichen Punkte haben wir glaube ich abgehandelt (Gregory Peck ist ’ne geile Sau usw.).

                  Ich würde es mal etwas vornehmer ausdrücken: als Kind und auch noch als Jugendliche hätte ich Gregory Peck vom Fleck weg (!!!) geheiratet. Wenn er nicht verblichen wäre, eigentlich auch später bis heute noch.

                  Das kanntest Du nicht? Du Glückliche! Ich stehe im Ruf, Led Zeppelin nicht besonders viel abgewinnen zu können, und so langsam glaube ich selbst, dass da einiges dran ist

                  Der Ruf eilt mir auch voraus und hinterher, ja. Und das ist ein durch Tatsachen begründetes Gerücht. Es passte aber grad so schön zu Fischköppen und Walen. Wenn schon ganzheitlich, dann ganz.

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                  1. dame.von.welt

                    Whoah. Diese geräuschlich unangenehme Frühform der 3-Wetter-Taft-Reklame mit dem Roman aller Romane zu vergleichen und für *passte aber grad so schön* und für *ganzheitlich* zu halten. #ohneWorte

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                    1. doimlinque Autor

                      Jungs, hört mal zu, gebt mal Ruh‘, checkt den Clou:
                      Jetzt bloß keine Catfights wegen ein paar britischer Weißbrote, die ihre 15 Minuten Ruhm eben mit einer wabernden Jamsession durchbringen wollten.

                      Gruß, d.
                      P.S.: Irgendwas scheint heute allerdings in der Luft zu liegen, denn nachdem ich gestern die Radioanekdote über Stairway to Heaven unters Volk gestreut habe, erklangen prompt eben jene süßsäuselnden Akkorde, als heute morgen das Autoradio ansprang. Offensichtlich werden die Zeps mal wieder mit Plagiatklagen überzogen. Herman Melville allerdings konnte sich wohl nicht mehr wehren.

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                    2. Diander

                      …geräuschlich unangenehme Frühform der 3-Wetter-Taft-Reklame
                      Ha, das hat jetzt ein wenig gedauert, bis ich den Bezug kapiert hatte. Siehe oben, dianderseitig kein Widerspruch in Sachen Musik. #gottseidank #Threadbreite #mittlerweile #ehzuschmal #fürweitere #englischeWeißbrote

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                  2. anchesa69

                    Früher – ja D Accord aber

                    „Wenn er nicht verblichen wäre, eigentlich auch später bis heute noch.“ ?

                    Neee da schüttelts mich dann doch zu sehr bei dieser Vorstellung :-/

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  3. schachnerin

    Die EU Kommission hält die Binnenschiffahrt für umweltfreundlich, deshalb fördert sie den Ausbau von Flüssen zu Wasserstraßen mit Milliarden. Waren aus Asien sollen über das Schwarze Meer nach Europa gefahren werden.
    Die Wasserwege E40 (vom Schwarzen Meer zur Ostsee, E30 (Donau zur Baltischen See) und E70 (Antwerpen zur Ostsee) sollen ausgebaut oder reaktiviert werden. Mit Niedrigwasser durch den Klimawandel wird nicht gerechnet.

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    1. doimlinque Autor

      Das klingt höchst fragwürdig, ja. Und „umweltfreundlich“ ist da vermutlich sehr relativ. Ich denke da immer an den Rhein, der direkt nach dem „Grenzübertritt“ in die Niederlande, wo man sich in Sachen Wasserregulierung mit jedem messen kann, arg gebeutelt und gedemütigt wird. Aufgeteilt, umgeleitet, begradigt.
      (Es ist natürlich in Deutschland nicht besser, nur dass dort häufig diese lästigen Hügel im Weg stehen, die eine Komplettbeherrschung des Flusses -noch- schwer machen.)

      Das gesagt habend, gestehe ich doch, dass eine meiner verklärtesten Kindheitserinnerungen das Den-Kohledampfern-Hinterherschauen ist. Besser als jede Zen-Meditation, ich könnte das heute noch tagelang durchhalten.

      Gruß, d.

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  4. anchesa69

    Also ich muß sagen, diese „Hombres“ imponieren mir. Sie hatten eine Idee und haben es umgesetzt, sie verbessern die Welt im Kleinen. Wenn das mehr machen würden…
    Danke für diese (so doimlinque) Zeilen doimlinque :-)

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